Die Türe zu seinem Büro sei grundsätzlich immer offen, sagt Hans Peter Meier. So bekäme er mit, was am Schalter vorne laufe. Gerade geht es um eine Anfrage zu einer Waldparzelle. Der 65-Jährige ist sofort zur Stelle und zieht mit einem raschen Griff den betreffenden Ordner aus dem Regal.

Er weiss genau, welche Dokumente wo liegen. Schliesslich arbeitet er schon bald 12 Jahre als Gemeindeschreiber in Mülligen. Im Sommer wird er pensioniert, doch weil er noch Ferien einzieht, hat er bereits am 9. Februar seinen letzten Arbeitstag.

Nach der Lehre auf der Gemeindekanzlei Hendschiken war Meier in den verschiedensten Bereichen tätig, wie beispielsweise in einem Treuhandbüro oder einem Fleischhandelsbetrieb und immer wieder lange in Gemeinden, so unter anderem 16 Jahre als Gemeindeschreiber in Veltheim. In Mülligen ist er Gemeindeschreiber und leitet zusätzlich den Sozialdienst und die Bauverwaltung.

Eine abwechslungsreiche Arbeit

Aber was macht so ein Gemeindeschreiber eigentlich genau? Als Leiter der Gemeindekanzlei ist er für die administrativen Vorgänge der Gemeinde zuständig. Diese beinhalten zum Beispiel die Organisation von Abstimmungen, die Beglaubigung von Unterschriften, die Bearbeitung von Baugesuchen und die Verwaltung der Einwohner- und Gebäudeakten.

Weiter berät der Gemeindeschreiber den Gemeinderat bei strategischen Fragen und setzt die gefassten Beschlüsse verwaltungstechnisch um. Zudem bereitet er die Sitzungen des Gemeinderats vor und protokolliert diese. Die Vorbereitung der Gemeindeversammlungen sowie die Protokollführung gehören ebenfalls zu seinem Aufgabenbereich.

Die Arbeit sei abwechslungsreich, besonders in einer kleinen Gemeinde wie Mülligen, erzählt Meier, wo er als Allrounder im Einsatz steht. Mal überarbeitet er Reglemente, gelegentlich verkauft er Kehrichtmarken am Schalter und mitunter muss er sich mit einem Todesfall befassen.

Einen halben Tag Arbeit beschert ihm Letzteres, denn die To-do-Liste ist lang. Unter anderem gilt es, den Leichentransport zu organisieren, mit der Kirche einen Termin für den Abdankungsgottesdienst zu vereinbaren und ein Erbverzeichnis zu erstellen. Solche Situationen gehen Meier nahe. Schliesslich kennt er die meisten Bürger der 1100-Seelen-Gemeinde persönlich.

Er ist in Mülligen allerdings nicht als Herr Meier bekannt, sondern einfach als der Gemeindeschreiber. Das stört ihn nicht. Trotzdem findet er es ganz praktisch, dass er in Othmarsingen wohnt. Denn so gewinnen beide Seiten ein bisschen Abstand. «Die Arbeit bringt ein grosses Wissen über Personen, Abläufe und die Gemeindestruktur», erklärt Meier.

Dieses Know-how würde er gerne an junge Leute weitergeben. Doch aus Zeitmangel und weil die Gemeindekanzlei zu klein ist, kann er keine Lehrlinge ausbilden. Umso mehr Freude macht es ihm dafür, immer wieder Schnupperlehrlingen einen Einblick in den Beruf zu geben.

Keine verstaubte Amtsstube

Meier gefällt es, dass die Arbeit interessant ist und dass er über eine hohe Selbstständigkeit verfügt. Während seiner Amtszeit in Mülligen sind rund 100 Wohnungen entstanden und die Einwohnerzahl ist um 300 Personen gestiegen. Ausserdem wurden ein Schulhausneubau realisiert und eine Vielzahl von Reglementen auf den aktuellsten Stand gebracht. Auch den Kontakt mit den Leuten schätzt Meier sehr.

Er ist stolz darauf, dass die Gemeindekanzlei hier keine verstaubte Amtsstube ist. Er und seine beiden Mitarbeiter haben für jeden ein offenes Ohr. «Man kann auch mal ein lockeres Gespräch führen und ein Lachen erzeugen», erzählt er und ergänzt nachdenklich: «Das werde ich sehr vermissen.» Was ihm dagegen nicht fehlen werde, seien die Abendsitzungen, fügt er an und schmunzelt.

Der Vater von zwei erwachsenen Töchtern freut sich nun darauf, tagsüber mehr Zeit zu haben, um walken oder velofahren zu gehen. Zudem will er sich in einen Kochkurs einschreiben oder sich allenfalls aushilfsweise für Kurzeinsätze auf anderen Verwaltungen zur Verfügung stellen. Neue Gemeindeschreiberin in Mülligen wird übrigens Valerie Julie Deiss. Sie beginnt am 1. Februar.