Seit dem 1. Januar 2016 werden die drei ehemaligen Vereine – die Jugend- und Familienberatung (JFB), die Mütter- und Väterberatung (MVB) sowie der Kindes- und Erwachsenenschutzdienst (KESD) – unter einem Dach geführt. Die Mitarbeiter des kürzlich gegründeten Gemeindeverbands Soziale Dienstleistungen Region Brugg bezogen Anfang 2017 die aufwendig sanierten Räumlichkeiten an Schulthess-Allee 1 in Brugg.

Doch mit der Arbeit des Fachbereichs KESD ist der Gemeinderat Windisch alles andere als zufrieden. Er beantragt deshalb dem Einwohnerrat an einer der nächsten beiden Sitzungen, dem Austritt aus dem Gemeindeverband Soziale Dienstleistungen Region Brugg, Fachbereich KESD, per 31. Dezember 2019 zuzustimmen. Aktuell werden durch den KESD für die Gemeinde Windisch zirka 150 Mandate geführt.

Es ging viel Wissen verloren

Unter der neuen Geschäftsleiterin sei es zu einer hohen Personalfluktuation gekommen, dabei ging viel Wissen verloren, heisst es in der Botschaft ans Gemeindeparlament. Die unter Beistandschaft stehenden Menschen hätten ihre Ansprech- und Vertrauenspersonen, die sie bei Problemen zum Teil jahrelang begleitet und unterstützt haben, verloren. «Es gab Klienten, die innerhalb von wenigen Monaten nicht nur einen, sondern bis zu drei Mal den Wechsel des Beistands verkraften mussten», steht in der Botschaft. Dies habe dann beim Sozialdienst der Gemeinde Windisch zu Beschwerden von betroffenen Personen, aber auch Institutionen geführt. Differenzen führten seit der Gründung des Verbands zu einem Mehraufwand im Sozialdienst von durchschnittlich 30 Stellenprozent.

Der Gemeinderat Windisch suchte das Gespräch mit den KESD-Verantwortlichen und reichte im Oktober 2016 eine vorsorgliche Kündigung per Ende 2018 ein. Auch die Gemeinde Birr hatte beim Verband die vorsorgliche Kündigung eingereicht. Der Vorstand des Gemeindeverbands antwortete darauf mit einem juristischen Gutachten. Das Fazit hiess, die vorsorgliche Kündigung sei aus formellen Gründen unwirksam bzw. nichtig.

Auf Anliegen nicht eingegangen

Es folgten weitere Gespräche. Doch auch der Einsatz einer Mediatorin brachte keine für alle Seiten tragbare Lösung hervor. Ende 2016 spitzte sich die Situation bei einem Kindesschutzfall zu, sodass sich der Sozialdienst Windisch trotz bestehender Beistandschaft gezwungen sah, beim Familiengericht eine Gefährdungsmeldung einzureichen. Der Vorschlag des Gemeinderats, das Gespräch im kleinen Rahmen auf strategischer Ebene durchzuführen, fand laut Botschaft kein Gehör: «Leider musste einmal mehr festgestellt werden, dass auf die Anliegen von Windisch weder eingegangen wird, noch diese ernst genommen werden.»

Die Kündigungsfrist für den Austritt aus dem KESD beträgt zwei Jahre. Spätestens ab Januar 2020 müssten dann die betroffenen Mandate durch die Gemeinde Windisch geführt werden. Unklar ist noch, wie hoch die Auskaufssumme für die Gemeinde Windisch ist. Der Vorstand unter dem Präsidium von Reto Wettstein aus Brugg, hat deshalb für nächsten Dienstag zu einer ausserordentlichen Abgeordnetenversammlung eingeladen. Im Juni kam eine entsprechende Änderung der Satzungen knapp nicht zustande.