Schinznach
Gemeinderat möchte ehemalige Tongrube Eriwis teilweise auffüllen

Der Gemeinderat fällt seinen Entscheid zur ehemaligen Tongrube Eriwis: Die Rekultivierungspflicht soll – zumindest für die Etappe 1 – nicht aufgehoben werden.

Michael Hunziker
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In der ehemaligen Tongrube Eriwis werden regelmässig Kurse und Freiwilligeneinsätze angeboten für Schulen, Firmen oder Familien. (Archiv)

In der ehemaligen Tongrube Eriwis werden regelmässig Kurse und Freiwilligeneinsätze angeboten für Schulen, Firmen oder Familien. (Archiv)

Michael Hunziker

Geht es nach den Naturschutzvereinen, bleibt die ehemalige Tongrube Eriwis in Schinznach-Dorf in der heutigen Form bestehen, wird also nicht mehr aufgefüllt. Im November wurde bekannt, dass die Naturwerkstatt Eriwis sowie Birdlife Aargau das Areal unweit der Bözenegg kaufen und von der Abbauzone in die Naturschutzzone umzonen lassen möchten (die az berichtete).

Der Gemeinderat Schinznach hat in der Zwischenzeit abgeklärt, ob die Rekultivierungspflicht aufgehoben werden soll. An seiner Sitzung am Montag hat er beschlossen, an der Rekultivierungspflicht für die Etappe 1 festzuhalten – und damit an der Auffüllung eines rund 3,3 Hektaren grossen Gebiets mit rund 165 000 Kubikmetern Material. Einverstanden erklärt sich die Behörde dagegen damit, die Etappen 2 bis 4 – ein rund 10 Hektaren grosses Areal – als Naturschutzgebiet auszuscheiden.

Relevante Fragen nicht geklärt

In den letzten zwei Monaten hätten zahlreiche Gespräche stattgefunden, sagt Gemeindeammann Urs Leuthard: mit der Grundeigentümerin, der ZZ Wancor AG, sowie mit den neuen Eigentümern, der Naturwerkstatt Eriwis und Birdlife Aargau. Abgelehnt worden sei das Gesuch für die Etappe 1, weil verschiedene, «für den Gemeinderat relevante» Fragen nicht schlüssig und nachvollziehbar hätten geklärt werden können, stellt Leuthard fest. Konkret: Ob der Hang stabil und rutschsicher genug ist und was mit dem Wasser passiert, das sich im unteren Bereich ansammeln kann.

Als weiteres Stichwort erwähnt Leuthard den Bau des neuen SBB-Bözbergtunnels. «Der Gemeinderat regt an, einen Teil des Ausbruchmaterials in der ehemaligen Tongrube Eriwis zu lagern. So könnten mögliche Transporte nach Küttigen, die im Schenkenbergertal ein erhöhtes Lastwagen-Verkehrsaufkommen nach sich ziehen würden, vermieden werden», sagt Leuthard. Nicht zuletzt weist der Gemeindeammann darauf hin, dass die Möglichkeiten zum Ablagern von sauberem Material begrenzt sind. «Ehemalige Gruben zur Wiederauffüllung sind deshalb sehr gesucht.»

Bis jetzt kein Thema

Der Gemeindeammann erinnert daran, dass seit dem Betrieb der Tongrube Eriwis die Rekultivierung noch nie infrage gestellt worden war. «Sie wurde im Verlauf der letzten rund 40 Jahre sogar regelmässig wiederholt, letztmals vor rund vier Jahren.» Auch bei der Revision der Bau- und Nutzungsordnung sei darauf hingewirkt worden, dass das Land wieder rekultiviert und von der Materialabbauzone in die Landwirtschaftszone umgezont wird. Genehmigt worden ist die neue Bau- und Nutzungsordnung im Oktober dieses Jahres durch den Aargauer Regierungsrat. «Während des gesamten Prozesses der Revision wurde seitens der Eigentümerschaft nie ein Antrag gestellt, die Rekultivierungspflicht aufzuheben oder eine andere Zonierung vorzusehen», fasst Leuthard zusammen.

Von 1932 bis 1998 bauten die Zürcher Ziegeleien – heute ZZ Wancor AG – in Schinznach-Dorf Opalinuston ab für die Herstellung von Backsteinen und Dachziegeln. Seit bald 10 Jahren kümmert sich der Verein Naturwerkstatt Eriwis um die Pflege des Areals. Entstanden ist ein Lebensraum für verschiedene Tier- und Pflanzenarten.

Wie es weitergeht, hängt von der ZZ Wancor AG ab. Sie hat die Aufhebung der Rekultivierungspflicht beantragt. Der Gemeinderat, betont Gemeindeammann Leuthard, ist gesprächsbereit und offen für Lösungen. Die Naturwerkstatt Eriwis und Birdlife Aargau wollten sich auf Anfrage gestern noch nicht zum Entscheid des Gemeinderats äussern.

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