In Ihrer gestrigen Ausgabe hat die «Weltwoche» eine Rangliste der attraktivsten Gemeinden veröffentlicht. Berücksichtigt wurden alle 868 Gemeinden der Schweiz mit mehr als 2000 Einwohnern. In die Beurteilung flossen hauptsächlich wirtschaftliche Faktoren wie Steuerbelastung, Bevölkerungsentwicklung und Arbeitsplätze ein.

Sieger des Rankings ist die Zuger Gemeinde Cham. Auf Platz 43 der Rangliste steht Lupfig. Damit ist die Eigenämter Gemeinde die Nummer eins im Aargau.

Vielfältige Wirtschaft als Plus

Ein Resultat, das beim Lupfiger Gemeindeammann Richard Plüss (SVP) grosse Freude auslöst: «Das ist eine tolle Neuigkeit. Zur Feier des Tages werde ich heute Abend eine gute Flasche Wein öffnen.» Im «Weltwoche»-Ranking überzeugt Lupfig insbesondere in den Kategorien Arbeitsmarkt und Bevölkerungsdynamik. Für Richard Plüss ist das gute Resultat nachvollziehbar: «Wir haben eine vielfältige Wirtschaft und sind nicht abhängig von einem einzigen Grossunternehmen.

Das verschafft uns ein breites Arbeitsplatzangebot.» Zum guten Ergebnis hat auch die Bevölkerungsentwicklung beigetragen. Lupfig sei eine Wachstumsgemeinde, sagt Plüss. Zudem ist Lupfig im Aargauer Raumplan als Entwicklungsschwerpunkt definiert. Dank den vielen Einfamilienhäusern und Eigentumswohnungen verfügt Lupfig über eine finanzkräftige Bevölkerung. Der durchschnittliche Steuerertrag beträgt 3000 Franken pro Kopf. Der dynamischen Entwicklung zum Trotz. Auch vor Lupfig machen die demografischen Herausforderungen nicht Halt. Die Gemeinde investiert kräftig in Alterswohnungen.

Zukünftig will Gemeindeammann Plüss das Wachstum weiter vorantreiben, jedoch im moderaten Rahmen: «Wir wollen kontrolliert wachsen und eine umsichtige Raumplanung betreiben.»

Im Gemeinderanking sind insgesamt 93 Gemeinden aufgeführt. Neben Lupfig rangieren fünf weitere Aargauer in den Top 100. Es sind dies: Seengen, Oberwil-Lieli, Baden, Oberrohrdorf und Würenlos. Zwei Drittel der Aargauer Gemeinden sind in der ersten Hälfte der Rangliste platziert. Gut abgeschnitten haben viele Gemeinden aus dem Osten des Kantons, die von der Nähe zu Zürich profitieren. Was die Zuwanderung betrifft, stehen zwei Aargauer Gemeinden im schweizweiten Vergleich an der Spitze.

Mit knapp 55 Prozent hatte Dintikon letztes Jahr das grösste Wachstum aller Gemeinden. Niederrohrdorf mit 35 Prozent fungiert an dritter Stelle. Am Ende des Rankings sind Aargauer Gemeinden zwar dünner gesät, aber dennoch vertreten. Die hinteren Plätze werden mehrheitlich von Gemeinden aus dem Bezirk Zofingen und dem Wynental belegt.

Die Fusion als Heilsbringer

Dabei ist Unterkulm auf Platz 797 das aargauische Schlusslicht. Roger Müller (FDP), der Gemeindeammann von Unterkulm, beurteilt das Ranking kritisch: «Die Rangliste stützt sich hauptsächlich auf wirtschaftliche Kriterien. Weiche Faktoren wie die Lebensqualität werden ausser Acht gelassen.» Müller räumt allerdings auch ein, dass in Unterkulm wirklich nicht alles zum Besten steht: «In Sachen Steuern haben wir uns zwar verbessert, stehen aber immer noch nicht gut da.» Auch der tiefe Steuerertrag von durchschnittlich 1730 Franken pro Kopf sei nicht gut.

Daran kranke jedoch das ganze Wynental. Trotz der schlechten Rangierung will Müller in Unterkulm ein moderates Wachstum von einem Prozent. «Unterkulm soll mit seinen guten Schulen und der Lebensqualität punkten und nicht mit extrem tiefen Steuern», sagt Müller. Ob das für die mittelfristige Zukunft reicht, ist fraglich. Es gebe Überlegungen, mit Oberkulm und Teufenthal zu fusionieren, sagt Müller. Zumindest im Gemeinderanking könnte sich eine Fusion positiv auswirken. Das Nachbardorf Oberkulm ist in der aktuellen Ausgabe 46 Ränge besser platziert.