Das Verdikt war klar: 48 Personen, die am Donnerstagabend an einem Workshop zur Zukunft Turgis teilnahmen, sprachen sich für eine Fusion mit Baden aus. Vier plädierten für einen Alleingang der Gemeinde, zwei für eine Fusion mit Untersiggenthal, eine für einen Zusammenschluss mit Gebenstorf, niemand für eine Fusion mit Obersiggenthal.

Ein ähnliches Resultat resultierte bereits an einem Workshop vor drei Wochen, an dem Angehörige von Ortsparteien, Schulen, Vereinen und Verwaltung teilgenommen hatten. Am Donnerstag waren zwar nicht ganz so viele Einwohnerinnen und Einwohner vor Ort, wie der Gemeinderat gehofft hatte; Ziel aus seiner Sicht war es, das bisher unilateral formulierte Ziel einer Fusionsprüfung mit Baden oder allenfalls einer anderen Gemeinde von der Bevölkerung bestätigen zu lassen.

Dennoch sagte Gemeindeammann Adrian Schoop am Ende der Veranstaltung, man erachte das Ergebnis des Abends als Bestätigung des Legislaturziels und somit als Auftrag, die Gespräche voranzutreiben und eine Fusion mit Baden zu prüfen. «Wir haben nicht damit gerechnet, dass die Zustimmung für eine Fusion mit Baden so deutlich sein würde.»

Aufgeteilt in Gruppen, diskutierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer über die Stärken und Schwächen Turgis und die Chancen einer Fusion. Das Besondere: Auch jene, die eine Fusion mit Baden befürworten, machten aus ihrem Lokalstolz, der in der Region wohl seinesgleichen sucht, kein Geheimnis. In Turgi ist man stolz auf die Zugverbindungen in die ganze Schweiz, ja nach Europa, auf das aktive Vereinsleben, die internationale Jugendtheaterfestivals, das Naherholungsgebiet am Wasserschloss, den Dorfkern mit einer Bahnhofstrasse.

Dass trotz ausgeprägter Identität eine Mehrheit der Teilnehmer offen für einen Zusammenschluss mit Baden wäre, liegt an den Herausforderungen, wie sich am Workshop herausstellte. Dazu zählt der Steuerfuss, der in den Augen einiger Leute tiefer sein dürfte; zudem erhoffen sich die Befürworter eines Zusammenschlusses eine Professionalisierung der Verwaltung und eine Stärkung der Region gegenüber dem Aargau. Es gab aber auch Kritik am aktuellen Kurs des Gemeinderates: Auch ein Alleingang wäre für Turgi problemlos möglich – wenn gleich viel Energie und Kreativität investiert würde wie in den Prozess einer Fusionsprüfung.

Schneider: «Aus Fehlern lernen»

Als die Diskussionen beendet waren und die Resultate präsentiert wurden – also zu einem Zeitpunkt, als das Ergebnis nicht mehr beeinflusst werden konnte – tauchten drei Überraschungsgäste in der Mehrzweckhalle auf: der Badener Stadtammann Markus Schneider, Frau Vizeammann Regula Dell’Anno und Stadtrat Erich Obrist. Sie wurden mit Applaus empfangen, und der Stadtammann ergriff das Wort: «Zuerst danke, dass wir hier sein dürfen, dass wir miteinbezogen werden. Wenn Sie mich heute fragen, wie eine Volksabstimmung zu einer Fusion mit Turgi in Baden herauskäme, kann ich keine Antwort geben. Aber wir hatten schon einmal eine Fusions-Abstimmung, mit Neuenhof, die nicht wie gewünscht herauskam. Und aus den damaligen Fehlern könnten wir lernen.» Der damalige Stadtrat sei zu wenig aktiv gewesen, habe zu wenig den Willen geäussert, fusionieren zu wollen. Diese falsche Zurückhaltung müsste im Falle eines erneuten Fusionsprozesses abgelegt werden, sagte Schneider. Er kündigte an, dass am 17. Oktober ein runder Tisch stattfinden werde mit Gemeinden, die Interesse haben, über Gemeindezusammenarbeit bis hin zu Fusionen zu reden. Auch Regula Dell’Anno nahm Bezug zur gescheiterten Fusion mit Neuenhof.

«Es gab zu wenige direkte Begegnungen.» Ein besserer Austausch wäre wichtig gewesen, damit sich die Menschen aus den beiden Orten hätten kennenlernen können. Erich Obrist sagte, er habe als Dättwiler gute Erfahrungen mit Fusionen gemacht. «Dättwil wäre an einem anderen Punkt ohne Zusammenschluss mit Baden beziehungsweise der Eingemeindung, wie es damals hiess. Die Probleme, die es damals gab, hätte Dättwil nicht alleine stemmen können.» Aus seiner Sicht habe die Identität, Dättwilerin oder Dättwiler zu sein, nach der Fusion mit Baden eher noch zugenommen.

Bei aller Offenheit gegenüber einer Annäherung an Baden wurden am Donnerstagabend auch Punkte erwähnt, die aus Sicht von Turgi nicht verhandelbar wären. Dazu gehören unter anderem die Postleitzahl und die Forderung nach politischer Mitbestimmung.