Unterbözberg

Gemeindefusion auf dem Bözberg erhitzt die Gemüter

Gemeindeammann Peter Plüss erläutert den Standpunkt der Projektleitung in der Turnhalle.  Christian Roth

Gemeindeammann Peter Plüss erläutert den Standpunkt der Projektleitung in der Turnhalle. Christian Roth

Auf Initiative einer Gruppe von Bürgern haben rund 60 Unterbözbergerinnen und -bözberger in der Turnhalle Unterbözberg über den anstehenden Zusammenschluss ihrer Gemeinde mit Oberbözberg, Linn und Gallenkirch diskutiert.

Moderiert wurde der Abend von Peter Belart, Schinznach-Dorf. Am meisten zu Wort kamen die Ammänner: der amtierende Gemeindeammann Peter Plüss, der die Seite der Projektleitung vertrat und der ehemalige Gemeindeammann Hannes Keller als Wortführer der Fusions-Skeptiker.

Peter Plüss dankte den Arbeitsgruppen, die zur Vorbereitung der Fusion «eine Superbüez» geleistet hätten und hob hervor, dass der heutige Zustand mit vier Gemeinden und «einem Kabinett von 20 Gemeinderäten» für insgesamt 1500 Einwohner nicht mehr zeitgemäss sei.

Ursprung oder Oberbözberg?

Hannes Keller stellte hingegen fest, dass die Unterbözberger die Fusion in dieser Form nicht bräuchten, weil man mit 750 Einwohnern, einem tiefen Steuerfuss und viel Eigenkapital auch alleine optimale Zukunftsperspektiven habe. Emil Setz zeigte anhand einer Berechnung einen der wichtigsten Kritikpunkte der Skeptiker auf: Der Bevölkerungsschwerpunkt liege etwa 200 Meter nördlich des Ortsteils Ursprung, weshalb die Verwaltung dorthin gehöre und nicht wie geplant nach Oberbözberg, das für die meisten Einwohnerinnen und Einwohner der neuen Gemeinde weiter weg sei.

Finanzverwalterin Karin Hegg wandte ein, dass man heute beispielsweise schon den Pass in Aarau holen müsse und der Gang zur Gemeindekanzlei im Internetzeitalter immer weniger oft nötig sei. Gar nicht einverstanden mit diesem Votum war René Zürcher, der kein Internet zu Hause hat: «Ein richtiges Zentrum mit Schule und Verwaltung ist wichtig, wir sind heute schon auseinandergerissen.»

Thomas Obrist, Mitglied der Arbeitsgruppe Finanzen/Liegenschaften, stellte klar, dass nur in Oberbözberg genügend Platz vorhanden sei und ein Ausbau des Unterbözberger Gemeindehauses aufwändig wäre. Während Hannes Keller kritisierte, dass man die Bevölkerung nicht zum Standortentscheid befragt habe, betonten jüngere Teilnehmer, dass die Sicherung des Schulstandorts viel entscheidender sei, was aber nur gemeinsam mit Oberbözberg möglich sei.

99 Prozent für alle

Ein weiterer Diskussionspunkt waren die Finanzen. Jean-Claude Kleinert, Projektleiter der Fusion, hatte gute Neuigkeiten: Obwohl die definitive Rechnung für 2010 aus Oberbözberg noch aussteht, konnte er mitteilen, dass ein Steuerfuss von 99 Prozent für die neue Gemeinde Bözberg realistisch ist. Wegen der zu erwartenden Beiträge des Kantons und der Einsparungen durch Synergien könnte also der Steuerfuss von Unterbözberg – der tiefste der vier Gemeinden – neu für alle gelten.

«Es ist heiss geworden hier drinnen», stellte Gemeindeammann Peter Plüss schliesslich bei seinem Schlusswort fest, bevor er den Anlass mit folgendem Appell abschloss: «Denken Sie als Bözberger – nicht als Unterbözberger.»

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