Birrfeld
Gemeindeammann Richard Plüss: «Birrfeld darf nicht zu kurz kommen»

Richard Plüss, seit 30 Jahren Revierförster und seit 7 Jahren Gemeindeammann in Lupfig, äussert sich über Arbeitsplätze, Verkehr und Fusion einer kleinen Gemeinde im Eigenamt.

Elisabeth Feller
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Es regnet Bindfäden und es windet so, dass selbst ein robuster Knirps sein Leben aushaucht. Am Himmel gibt es nur düsteres Gewölk, aber nicht das zu sehen, was viele im Birrfeld erwarten: Segel- und Kleinflugzeuge. Gleichwohl wirkt der Flugplatz Birrfeld auch an diesem Tag geschäftig, aber nicht hektisch. Ist es diese spezielle Atmosphäre, die den Gemeindeammann von Lupfig, Richard Plüss, veranlasst hat, den

Flugplatz als Treffpunkt vorzuschlagen?

Plüss kommt sofort zur Sache. «Der Flugplatz ist nicht nur ein beliebtes Ausflugsziel, sondern, nebst anderen markanten Industrie- und Gewerbebetrieben, ein weiterer KMU-Betrieb unserer Gemeinde». Diese zählte Ende letzten Jahres 2177 Einwohner und weist einen Steuerfuss von 95 Prozent auf. In Plüss' Stimme schwingt Stolz mit, denn die in Lupfig ansässigen Firmen sind Markenzeichen einer Gemeinde, die ebenso wirtschaftsfreundlich wie «grün» sein will. Das müsse kein Widerspruch sein, betont Plüss, der in der Region Zofingen aufgewachsen ist und - nach Abstechern in den Jura und Othmarsingen - seit über 28 Jahren in Lupfig lebt.

Obgleich erpicht darauf, stattliche Firmen und damit potente Steuerzahler nach Lupfig zu holen, verschliesst Plüss nicht die Augen vor dem verstärkten Wunsch der Bevölkerung nach Grünflächen und Erholungsraum. «Die landwirtschaftlichen Produktionsflächen und Naturvorrangflächen sind klar abzugrenzen und zu schützen, aber auch Grünflächen und Bäume in den Wohn- und Industriegebieten haben ihren Platz und erhöhen die Lebensqualität.» Dem Revierförster, der soeben sein 30-Jahr-Jubiläum feierte, kommt dabei sein Beruf zupass. Dieser spielt auch eine Rolle, wenn es darum geht, der Landwirtschaft, respektive den Bauernbetrieben und der Natur Sorge zu tragen. Gleichzeitig freut sich Plüss über die industriell-gewerbliche Entwicklung von Lupfig. Diese will er innerhalb der bereits eingezonten Flächen weiter fördern: «Aber wir müssen stets im Auge behalten, dass wir Arbeits- und Ausbildungsplätze gewinnen.» Dass Lupfig eine Industrie aufweist, die wegen ihrer Vielfalt weniger krisenanfällig ist, bezeichnet Plüss als «Glücksfall».

Mit Landreserven und günstiger Verkehrsanbindung ist Lupfig für schon lange ansässige, grössere Firmen, aber auch für neue wie etwa für die Daten verwaltende Green.ch oder die in der Klimatechnik tätige Stiebel Eltron, attraktiv. Green will weiter ausbauen: Der Innovation-Tower wird 2013 gebaut, was Hunderte von Arbeitsplätzen generiert. Arbeitsplätze bedeuten jedoch mehr Verkehr - und das in einer Region, die mit dem Verkehrsmanagement, der Südwestumfahrung Brugg-Windisch und der Nordumfahrung von Windisch Gegensteuer geben will. Plüss findet diese Massnahmen zwar gut, aber: «Das Birrfeld darf nicht zu kurz kommen.» Der Politiker befürchtet, dass sich die Massnahmen, die zur Verbesserung der Verkehrsverhältnisse im Zentrum der Region getroffen werden, zum Nachteil der Aussengemeinden - und damit der Gemeinden im Birrfeld - auswirken: «Mit der Realisierung der Südwest-Umfahrung wird noch mehr Verkehr auf den Seebliknoten zurollen.» Deshalb ist Plüss für zusätzliche Massnahmen. Strasse und Schiene bedürften der Verbesserung, sagt er und spricht sich dezidiert für den S-Bahn-Ring durch das Birrfeld oder eine Verdichtung des Bahnfahrplans in den Stosszeiten aus, «denn das Birrfeld ist als Entwicklungsschwerpunkt von kantonaler Bedeutung eingestuft worden.»

Auch Fusion ist ein Thema

Der Verkehr ist bloss ein Thema auf einer langen Liste, auf der auch das Wort Fusion erscheint. In der Nachbarschaft planen Birr und Birrhard ab 2016 ihre Zukunft gemeinsam unter dem Dach einer Gemeinde - Birr. Lupfig und Scherz wiederum haben unlängst bekannt gegeben, dass sie sich eine allfällige Heirat überlegen. In Scherz hatte 2010 eine Umfrage unter der Bevölkerung ergeben, dass «eine nennenswerte Mehrheit einem Fusionsprojekt gegenüber positiv eingestellt ist». Die Anfrage von Scherz kam für Lupfig also nicht überraschend. Allerdings: Über das Knie brechen wollen die beiden Gemeinden nichts.

«Ein Vorhaben muss reifen und genau abgeklärt werden, bevor es eventuell zu einer Verschmelzung zweier Gemeinden kommt», betont Plüss. Zweier oder gar mehrerer? Der Politiker gibt sich zurückhaltend: «Für mich steht in weiter Ferne die Einheit Birrfeld im Vordergrund.» Was würde eine solche bedeuten? «Die Einheit Birrfeld hätte beim Kanton eine weit stärkere Stimme als heute.»