Schinznach-Bad
Gemeinde verliert täglich 216 000 Liter Trinkwasser

Die Gemeinde Schinznach Bad verliert täglich bis 216 000 Liter Trinkwasser. Die Leckstellen im Leitungsnetz werden jetzt mit einem speziellem Verfahren aufgespürt.

Elisabeth Feller
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Limmattaler Zeitung

«Schinznach-Bad verliert jeden Tag bis zu 216 000 Liter Trinkwasser. Das heisst: Pro Minute resultiert ein Verlust von 100 bis 150 Liter Trinkwasser durch Lecks in den Wasserleitungen»: Diese Meldung bekamen Einwohnerinnen und Einwohner der Gemeinde Schinznach-Bad im Januar zu lesen. Doch wo waren die Lecks in den Wasserleitungen?

Die Gemeinde verfiel auf eine ungewöhnliche Idee: Sie lud die Bevölkerung auf, Lecks aufzuspüren. Wer eine undichte Stelle finden würde, bekäme 20 Franken geschenkt. Und? Wie viele Zwanzigernoten musste die Gemeinde herausrücken? «Eine», sagt Gemeindeschreiber Hansueli Dürsteler und verweist diesbezüglich auf «die systematischen Kontrollen der neuralgischen Stellen im Leitungsnetz (Schieber, Hydranten etc.), die jedoch nicht zum erhofften Resultat geführt haben.»

«Sie hat noch genügend Wasser»

Der Gemeinderat habe daher beschlossen, durch das Ingenieurbüro K. Lienhard AG, Buchs, eine Rohrnetzuntersuchung durchführen zu lassen, und zwar mit der so genannten Druckeinspeisemethode. Diese Untersuchung werde das ganze Leitungsnetz umfassen, liess der Gemeinderat verlauten und gab weiter bekannt: «Die Arbeiten werden Ende Mai, Anfang Juni durchgeführt.»

Ist solches bei einem täglichen Verlust von 216 000 Liter Trinkwasser nicht reichlich spät? Markus Kuster (Bereichsleiter-Stellvertreter Unterhalt bei der K. Lienhard AG) relativiert: «Zuerst: Wir bezeichnen den Wasserverlust nicht mit Litern, sondern mit Kubikmeter. Im vorliegenden Fall handelt es sich also um rund 200 Kubikmeter. Und das», so Kuster, «klingt nicht nach ‹Super-GAU›.» Natürlich sei der tägliche Trinkwasserverlust in Schinznach-Bad nicht gerade klein, doch er sei auch nicht dramatisch: Kuster verweist auf Gemeinden mit einem täglichen Verlust von 500 Kubikmetern. Mit Zahlen wie diesen ist das schweizweit tätige Ingenieurbüro täglich konfrontiert. «Viele Gemeinden haben alte Leitungen», sagt Kuster und erwähnt als «Sorgenkinder» die «schleichenden Lecks; solche, wo das Wasser nicht augenfällig aus dem Boden schiesst und Lecks sichtbar werden, sondern wo dieses Wasser versickert». Dass man nicht flugs darauf reagiere, habe verschiedene Gründe: Die Verluste müssen zuerst als tatsächliche Verluste erkannt werden, bis man sich über das Vorgehen im Klaren ist. Dann müssten Offerten eingeholt und vom Gemeinderat besprochen werden. Deshalb wird die Untersuchung auch erst im Mai oder Juni durchgeführt.

Bis dahin hat die Gemeinde zwar weiter Verluste zu verkraften, «aber sie hat noch genügend Wasser», sagt Kuster und Dürsteler ergänzt: «Wir pumpen das Trinkwasser aus dem Grundwasser – also versickert das Wasser auch wieder dorthin.» Schwieriger, so Kuster, würde die Situation erst bei einem Jahrhundertsommer wie 2003, als das Wasser vielerorts sehr knapp geworden sei. Kuster betont, wie wichtig die Mitarbeit der Bevölkerung ist: «Zähler kontrollieren, auf verdächtige Geräusche im Keller lauschen und diese dann dem Brunnenmeister melden».

Bis 95% können erfasst werden

Mit der Druck-Einspeise-Methode können 90 bis 95 Prozent der Verlustmenge erfasst werden. Die Untersuchung umfasst u.a. Strecken- oder Gebietsmessungen, Druckproben von Leitungsabschnitten, Lokalisieren nicht schliessender Schieber, Beurteilung der Messergebnisse, das Orten von Schadenstellen, die durch die Messung aufgezeigt wurden, sowie das Erstellen von Schadenskizzen.