Windisch
Gemeinde setzt im Kampf gegen Friedhof-Langfinger ein Signal

Seit zwei Jahren wird auf dem Friedhof Windisch immer wieder gestohlen. Die Diebstähle, insbesondere aber die traurigen Angehörigen, machen Gemeindeschreiber und Friedhofkommission zu schaffen. Jetzt wird die Öffentlichkeit sensibilisiert.

Elisabeth Feller
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Der kleine Schutzengel steht auf einem Grabstein im Windischer Friedhof.

Der kleine Schutzengel steht auf einem Grabstein im Windischer Friedhof.

Christoph Voellmy

Diesen Anblick erträgt Gemeindeschreiber Stefan Wagner nur schwer: Menschen, die weinend vor dem Schalter im Gemeindehaus Windisch stehen. Sie berichten Stefan Wagner von gestohlenem Blumenschmuck, Figürchen, Teddys oder Kettchen, die sie ihren toten Liebsten auf den Friedhof gebracht haben – in der Hoffnung, dass alles dort bleibt. Das ist immer öfter nicht der Fall. «Seit zwei Jahren kommt es auf unserem Friedhof immer wieder zu Diebstählen; seit diesem Frühling haben diese sogar zugenommen», sagt Wagner und doppelt nach: «Nichts ist von den Langfingern sicher – auch nicht Urnenständer.»

Eine Kontrolle ist schwierig

Die Diebstähle, insbesondere aber die traurigen Angehörigen, machen dem Gemeindeschreiber und der Friedhofkommission zu schaffen. «Diebstahl auf dem Friedhof? Wer klaut frische Blumen? Wer eine Grabschale? Wer räumt komplette Bepflanzungen ab? Wer macht so etwas?», fragt Wagner. Für den Gemeindeschreiber handelt es sich um ein «menschlich-gesellschaftliches Problem. Die Diebstähle zeigen, dass der Respekt und die Achtung vor den Verstorbenen und den Liebesbeweisen der Angehörigen verschwunden sind.»

Wer die Diebe sein könnten, weiss in Windisch niemand. Wie könnten Diebstähle künftig verhindert werden? Der Windischer Friedhof weist viele Felder und weit über 500 Gräber auf: «Eine Kontrolle ist deshalb schwierig. Zwar patrouilliert die Polizei ab und zu über den Friedhof, aber das ist auf die Dauer auch keine Lösung», betont Wagner. Auch eine Videoüberwachung komme aus ethischen Gründen nicht infrage.

Stefan Wagner spricht von «Hilflosigkeit und Machtlosigkeit. Wir können Grabschalen doch nicht einfach mit Bändern versehen, die mit einem Namen versehen sind.» Konkrete Massnahmen sind derzeit nicht möglich, weil niemand weiss, wer Blumenschmuck und Gegenstände stiehlt. «Wir können im Moment jedoch eines tun», sagt Wagner bestimmt: «An die Öffentlichkeit gelangen. Wir wollen die Menschen für das Problem sensibilisieren.»

«Vielleicht lösen wir etwas aus»

Der Gemeindeschreiber hat am Schalter oft genug schmerzlich erlebt, dass ihm Besucher von Auffälligkeiten auf dem Friedhof berichteten. Wagner spricht von erhöhter Achtsamkeit, die jetzt erst recht angebracht sei, aber auch von «einem klaren Signal. Machen wir die Öffentlichkeit auf unsere Situation aufmerksam, setzen wir ein Zeichen. Vielleicht lösen wir bei jenen, die Blumen und persönliche Gegenstände mitgehen liessen, etwas aus. Sie wissen jetzt, dass ihr Tun nicht unbemerkt geblieben ist.»

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