Windisch
Geldsegen ist nicht für alle ein Grund zur Freude

Fachhochschule diskutiert Wirtschaftsförderung im Spannungsfeld zwischen Hightech und lokalem Gewerbe. Und es zeigt sich, dass der Geldsegen nicht immer nur Grund zur Freude ist.

Tim Honegger
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Referentinnen und Referenten; unter ihnen auch Regierungsrat Alex Hürzeler (vierter von links), der in seinem Vortrag über die Hightech-Initiative sprach.

Referentinnen und Referenten; unter ihnen auch Regierungsrat Alex Hürzeler (vierter von links), der in seinem Vortrag über die Hightech-Initiative sprach.

Tim Honegger

Der Aargau gilt als Autobahn- und Atomkanton. Die im Juni beschlossene Hightech-Initiative wird den Aargau um ein Klischee erweitern: der Aargau als Wissenschafts- und Wirtschaftskanton. Der Grosse Rat sprach fast 38 Millionen Franken, um der Zusammenarbeit von Forschungszentren und Unternehmen einen Aufschwung zu geben. Wie eine Podiumsdiskussion der Fachhochschule Nordwestschweiz zeigte, ist der Geldsegen aber nicht für alle ein Grund zur Freude.

«Die zunehmende Konkurrenz bedroht unsere KMU-Landschaft», mahnt Bildungsdirektor Alex Hürzeler in seinem Referat über die Initiative. Dank ihr könne das lokale Gewerbe seinen Mitstreitern im In- und Ausland stets eine Nasenlänge voraus sein. Einerseits werde die Forschung im Aargau massiv vorangetrieben und andererseits solle die daraus resultierende Technik den Unternehmen schneller verfügbar sein.

Neues High-Tech-Zentrum

26 Millionen Franken – der Bärenanteil der Investition – fliesst in ein neues Hightech-Zentrum, das den Knotenpunkt zwischen Gewerbe und Forschung darstellen wird. Da es sich jedoch nur auf die drei Gebiete Energie- und Nanotechnologie und Innovation spezialisiert, können maximal elf Prozent aller Aargauer Unternehmen davon profitieren. Dass nur ein derart kleiner Kreis von der Initiative profitiert, ruft kritische Geister auf den Plan. Hürzeler kontert: «Das Wirtschaftswachstum, das die Initiative auslöst, bereichert indirekt alle - das Baugewerbe, Transportunternehmen und sogar die lokale Bäckerei.» Die aktuell grösste Schwierigkeit der Wissenschaft besteht darin, dass sich die Unternehmen nicht getrauen, bei den Forschern anzuklopfen. «Wir werden quasi als Forschungsvatikan wahrgenommen!», sagt Giorgio Travagini vom Paul-Scherrer-Institut. Dabei bieten das PSI sowie die FHNW seit längerem Dienste an, die Klein- und Mittelunternehmen (KMU) für sich beanspruchen können.

Die Vorteile liegen auf der Hand: Die Unternehmen erhalten hochaktuelle und für sie massgeschneiderte Produkte aus der Wissenschaft – diese variieren vom Marketingplan bis hin zur energieeffizienteren Technologie. «Die Hightech-Initiative führt dazu, dass vom Geld, das in die Forschung investiert wird, mehr bis zum Normalbürger durchsickert», erklärt Alex Hürzeler.

Einen Stolperstein können die Podiumsteilnehmer jedoch bis zum Schluss nicht aus dem Weg räumen. «Es besteht die Gefahr, dass lediglich die Umgebung der Forschungszentren profitieren», befürchtet Annelise Alig Anderhalden, Leiterin der Aargau Services. Das muss sich auch Regierungsrat Hürzeler eingestehen: «Das Aaretal und die Region Baden werden wohl am meisten Nutzen davontragen, während Regionen wie das Fricktal und das Freiamt etwas benachteiligt sein werden.»