Feierabend. Nach getaner Arbeit wollen Viele nur noch eines: So schnell wie möglich nach Hause. Pendler müssen sich dazu in die gerammelt vollen Züge oder Busse quetschen, die zu dieser Zeit oftmals verspätet sind. Diese Verspätungen haben wiederum zur Folge, dass viele Anschlüsse verpasst werden. Das Fazit: Bus-Chauffeure sowie Pendler sind nervös und gestresst.

Das Projekt «Anschlusssicherung»

Postauto Schweiz hat deshalb das Projekt «Anschlusssicherung» am Bahnhof Brugg lanciert. Von Montag bis Freitag ist ab 16.15 Uhr jeweils ein Fahrdienstleiter in leuchtgelber Weste am Bahnhof Brugg im Einsatz. «Der Fahrdienstleiter ist dafür zuständig, den Anschluss von Bahn auf Bus zu überwachen und so gut es geht zu gewährleisten», sagt Patrick Zingg, Leiter der Postauto Filiale Aarau.

Dafür werden die Ankunftsverspätungen der Züge registriert und via Funk direkt an die Bus-Chauffeure weitergeleitet. Sind die Verspätungen registriert, entscheidet allein der Fahrdienstleiter über die Abfahrtszeit der Busse.

Dies ermögliche ein koordiniertes und einheitliches Vorgehen der Chauffeure beim Abwarten verspäteter Züge, so Zingg. «Zusätzlich kann der Fahrdienstleiter den Pendlern vor Ort über den Busverkehr Auskunft geben. Nicht zuletzt wird dem Fahrpersonal die grosse Verantwortung abgenommen, ob und wie lange auf den verspäteten Zug gewartet werden soll.» Das Projekt erleichtere dem Pendler wie auch dem Busfahrer Vieles, davon ist Zingg überzeugt.

Aus Sicht der Fahrdienstleiterin

Monika Baumann ist eine von vier Fahrdienstleitern in Brugg. Sie findet die Arbeit am Bahnhof «richtig lässig», wie sie sagt. Obwohl es manchmal ein richtiger Knochenjob sei. «Ab fünf Uhr ist meistens viel los, die Züge treffen oft verspätet ein, die Leute sind gestresst und können richtig launisch werden.» Sie hätte ein dickes Fell, trotzdem sei sie einmal vor Schichtende nach Hause gegangen, weil Passagiere sie aufs Übelste beschimpft hätten.

«Wir sind da, um den Reisenden zu helfen. Und trotzdem müssen wir uns manchmal Beleidigungen auf unterstem Niveau anhören.» Im öffentlichen Verkehr sei es schwierig, es allen recht zu machen: «Einerseits soll der Anschluss am Eistiegsort gewährt werden, andererseits auch ein möglicher Anschluss am Ausstiegsort», das führe zu einem ewigen Kreislauf, so die Fahrdienstleiterin.

Baumann sucht den Kontakt zu den Leuten am Bahnhof, sie findet es toll, unter Menschen zu sein. Trotzdem sei die Arbeit als Fahrdienstleiterin ein undankbarer Job: «Am Anfang wurden wir noch von Interessierten angesprochen und gefragt, was wir machen.

Inzwischen bemerkt uns aber selten einer, es sei denn, es gibt irgendwelche Probleme im Verkehr. ‹Danke› hört man selten.» Von den Busfahrern, werde die Arbeit des Fahrleiters sehr geschätzt. «Meine ‹Schöfli› hören gut zu, sodass auch die Ausfahrt reibungslos klappt und der Busbahnhof auf einen Schlag leer ist», sagt Baumann und lacht.

Moderne Leitstelle in naher Zukunft

Die Fahrdienstleiter, die nebenbei auch als Chauffeure im Einsatz sind, sollen in absehbarer Zeit von der Elektronik ersetzt werden. «Ziel ist es, am Bahnhof Brugg eine moderne Leitstelle zu errichten», sagt Beat Stutz, Betriebsleiter der Postauto-Betreiberin Voegtlin-Meyer AG.

Dann sollen die Anschlüsse elektronisch überwacht werden, und die effektiven Ankunftszeiten direkt in die Busse wie auch auf die Bildschirme am Bahnhof weitergeleitet werden. Bevor die Fahrdienstleiter im Einsatz waren, konnten sich die Chauffeure nur an den Bildschirmen am Bahnhof über Verspätungen orientieren. Diese Abfahrtsverspätungen waren jedoch eher ungenau.