Umiken
«Geht wegen den Vibrationen die Alarmanlage los?»

Grossaufmarsch und viele Fragen in Umiken beim Informationsanlass der Nagra: Seit Oktober 2011 führt diese im Gebiet Jura Ost (Bözberg) und Lägern Nord umfangreiche seismografische Messungen entlang genau festgelegter Linien durch.

Edgar Zimmermann
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Das Führerhaus des Vibrationsfahrzeuges durfte besichtigt werden. Ein Foto bleibt der Familie als Erinnerung. NN

Das Führerhaus des Vibrationsfahrzeuges durfte besichtigt werden. Ein Foto bleibt der Familie als Erinnerung. NN

Ausgelöst werden die hiefür erforderlichen Bodenerschütterungen zum überwiegenden Teil – in 90 bis 95 Prozent der Fälle – durch schwere Vibrationsfahrzeuge.

Umfassende Information

Bei jeder Messung fangen 660 mit Mikrofonen ausgestattete Messgeräte, sogenannte Geofone, die Echosignale aus dem Erdreich auf. Wo diese Fahrzeuge wegen des unwegsamen Geländes nicht zum Einsatz kommen, werden Bohrlöcher abgetieft und in 7 bis 8 Metern Tiefe Sprengungen ausgelöst – allerdings mit geringer Sprengstoffmenge. An der Oberfläche sind sie kaum wahrnehmbar. Die Messungen erlauben Rückschlüsse auf die Zusammensetzung des Untergrundes, auf die Gesteinsart und Mächtigkeit.

All dies – und vieles mehr – erfuhren die zahlreichen Besucher an der Informationsveranstaltung der Nagra (Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle) in der Turnhalle Umiken. An den sechs Ständen informierten die Fachleute umfassend über Feldarbeit, Seismik und Seismik-Auswertung, über die Entsorgung radioaktiver Abfälle und die benötigte Oberflächenanlage. Wie Markus Fritschi, Physiker und Mitglied der Geschäftsleitung, der az Aargauer Zeitung erklärte, ist der Hauptteil der Messungen im Gebiet Jura Ost bereits ausgeführt. Bis Ende Februar werden die letzten Messungen abgeschlossen sein.

Mit Fragen eingedeckt

Die Besucher geizten nicht mit Fragen. So führte ein Ehepaar an, dass demnächst direkt vor seinem Haus Messungen geplant sind. «Kann das Haus Schaden nehmen oder wird allenfalls die Alarmanlage im Haus ausgelöst, was bedenklich wäre, weil wir in dieser Zeit in den Ferien sind?» Die Antwort fiel beruhigend aus.

Die meisten Fragen wurden zum Tiefenlager gestellt – und Bedenken zu den radioaktiven Abfällen angemeldet. Wörtlich zum Beispiel: «Welche Bürde hinterlassen wir unsern Kindern und Kindeskindern – und können wir dies ihnen gegenüber verantworten?» «Kann man die Abfälle in späterer Zeit notfalls wieder herausholen und sicherer entsorgen?» «Kann man der Wissenschaft und den Fachleuten vertrauen, wenn die einen mit Expertisen, andere mit Gegenexpertisen aufwarten?» Es wurde aber auch Verständnis gezeigt für das Bemühen, eine Lösung für die Entsorgung zu finden.

Schwarzer Peter

Eine Frau fand die Zustimmung der Umstehenden mit der Bemerkung: «Jede Region wehrt sich natürlich gegen ein solches Lager, aber mit dem Abschieben des Schwarzen Peters kommen wir nicht weiter. Es muss jener Standort gewählt werden, der punkto Untergrund die besten Voraussetzungen bezüglich Sicherheit bietet. Und eine dauernde Kontrolle des abgelagerten Materials ist zwingend.»

Ihre am Anlass gewonnenen Erkenntnisse konnten die Besucher bei einem Wettbewerb umsetzen. Auf besonderes Interesse stiess ein Vibrationsfahrzeug. Jedermann hatte die Möglichkeit, das Führerhaus zu erklettern und das Innenleben zu erkunden. Gemäss Programm war zweimal eine «Demonstration des Vibrationsfahrzeuges» angesetzt. Einige Zuschauer hatten eine Inbetriebnahme erhofft, was auf dem geteerten Platz aber nicht möglich war. Ihre Enttäuschung darüber, dass sie aufgrund ausgelöster Erschütterungen nicht erschüttert wurden, hielt sich aber in Grenzen.