In den vergangenen Monaten hat das Grabungsteam die Überreste aus vier Jahrhunderten römischer Besiedlung freigelegt. Neben mannshohen Steinmauern, Feuerstellen und einem tiefen gemauerten Schacht stiessen die Archäologen während den Grabungsarbeiten an der Zürcherstrasse in Windisch nun auf einen aussergewöhnlichen Fund, der rund 2000 Jahren nur wenige Handbreit unter dem Asphalt schlummerte: Ein auf den ersten Blick unscheinbarer Kochtopf eines Legionärs, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als kostbarer Schatz.

Insgesamt 22 Öllampen sind im Topf vorzufinden. Auf jeder Lampe liegt ausserdem "sorgfältig platziert" eine Bronzemünze, wie das kantonale Departement Bildung, Kultur und Sport (BKS) in einer Medienmitteilung vom Montagmorgen schreibt.

Lampen und Muenzen - Überraschung in Windisch

Lampen und Muenzen - Überraschung in Windisch

Archäologen entdecken einen überraschenden Fund an der Zürcherstrasse in Windisch: Ein römischer Kochtopf, der vollkommen mit Öllampen gefüllt ist. Ein Restaurator der Kantonsarchäologie legt die Lampen in Kleinstarbeit im Labor frei.

Die Kantonsarchäologie spricht von einem "besonderen und rätselhaften Fund". Es sei unklar, welche Gedanken und Absichten hinter der Deponierung des römischen Kochtopfs stehe. "Wir vermuten, dass es sich um eine rituelle Deponierung handelt", wird der Kantonsarchäologe Georg Matter zitiert.

Neben den Münzen und Lampen sind auch einige verkohlte Knochen im Topf vorzufinden. Dabei handelt es sich jedoch nicht um menschliche sondern tierische Knochen, weshalb die Archäologen eine Graburne ausschliessen. Denn auch in römischen Gräbern kommen häufig eine oder mehrere Öllampen vor.

Münzen aus den Jahren 66 und 67

Tönerne Lampen waren zur Römerzeit ein gängiges Beleuchtungsmittel. Doch nicht nur die Funktion, sondern auch das Design war wichtig. Auch die 22 Lampen aus dem Kochtopf zeigen bildliche Darstellungen wie die Mondgöttin Luna, einen besiegten Gladiator, einen Löwen, einen Pfau oder auch eine erotische Szene.

Die beigegebenen Bronzemünzen sind sogenannte Asse – die römische Grundwährung in den ersten beiden Jahrhunderten nach Christus, heisst es in der Medienmitteilung weiter. Diese Münzen datieren grösstenteils aus den Jahren 66 und 67, wozu auch der Kochtopf passt: In dieser Zeit war er nämlich das typische Kochgefäss der Soldaten, die in Vindonissa stationiert waren.

Den Fund machten Archäologen an einer Stelle in Windisch, wo im nächsten Jahr eine Überbauung mit Wohnungen, Büros und Gewerberäumen entstehen soll. Wie jedes andere Fundstück gelangt der Topf in die Kantonsarchäologie. Die Auswertung werde die Archäologen jedoch noch länger beschäftigen, wie Matter sagt. So begutachten Münzexperten die Münzen und ein Archäozoologe die Knochen. (sme)