Bözberg
Gegner und Befürworter essen schon wieder Gerstensuppe zusammen

Die Reaktionen auf das Abstimmungsresultat in Bözberg zeigt: «Das Leben geht weiter» und man ist froh, dass das «Theater» vorbei ist.

Marc Reinhard
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Gunther Sandfuchs posiert gerne unter der Bözberg-Tafel. Der 94-Jährige hat 50 Lebensjahre hier verbracht.

Gunther Sandfuchs posiert gerne unter der Bözberg-Tafel. Der 94-Jährige hat 50 Lebensjahre hier verbracht.

Marc Reinhard

Er habe Nein gestimmt, dass das gleich klar sei, sagt Gunther Sandfuchs. Und er habe überhaupt kein Problem damit, das kundzutun, das dürfe man ruhig schreiben.

Sandfuchs ist der «Landarzt vom Bözberg», wie seine Begleiterin weiss, sei Lokalprominenz und seit 50 Jahren als praktizierender Arzt im Weiler Vierlinden in Unterbözberg tätig. Jetzt sitzt er im «Bären» und löffelt Dessert, während er mit dem az-Reporter in lupenreinem Hochdeutsch übers Abstimmungsresultat vom Sonntag spricht. Warum Nein? «Da können Sie abschreiben, was Otto Suhner gesagt hat. Ich bin der gleichen Meinung. Wir werden ja dann sehen, ob wir höhere Steuern aufgedrückt bekommen.»

Der «Schwob», der Politik kommentiert

Zwei Tische weiter hinten fragt man, weshalb der «Schwob» überhaupt Schweizer Politik kommentiert. Selbst ist man dann auf Anfrage aber lieber nicht dazu bereit, seine Meinung in der Zeitung zu äussern. Die «Bären»-Wirtin will auch nicht mit Namen in die Zeitung, hat aber ein neues, nicht ganz ernst gemeintes Dorfwappen bereits an der Theke hängen und sagt: «Am Ende sind wir doch alle Bözberger und so viel wird sich ja wohl nicht verändern.

Das Leben geht weiter, egal ob wir jetzt eine Gemeinde oder vier sind.» Die Nein-Plakate vor ihrem Restaurant hat sie ganz demokratisch trotzdem erlaubt.

Unterwegs zum Homberg trifft die az drei Bauern, die allesamt wortkarg abwinken und die, zusammengefasst, «froh sind, wenn das Theater denn öppe dure isch».

«Wir sind schon arg verstreut»

Ausserhalb des Weilers Egenwil kommt eine Spaziergängerin mit Hund entgegen und lässt sich gerne auf einen Schwatz ein: «Ich habe Ja gestimmt und bin gespannt, was jetzt passiert. Es gibt schon zwei Seiten: Wir sind hier oben – nur schon in Unter- und Oberbözberg, arg verstreut in Weiler und Höfe. Hier ein Zusammengehörigkeitsgefühl zu schaffen ist jedenfalls schwierig. Ich glaube aber langfristig ans Sparpotenzial für die Gemeinde Bözberg.»

In Gallenkirch ist Gemeindeammann Annerös Tanner froh, dass bereits am Sonntagabend Bözberger aus allen vier Gemeinden und mit unterschiedlicher Auffassung der Einladung in die Waldhütte gefolgt waren. Es gab Gerstensuppe und Bratwurst – offenbar ganz ohne politische Streitereien.

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