In Birr wird das Augenmerk derzeit gerichtet auf die kommunale Verkehrsplanung. Motorisierter Individualverkehr, öffentlicher Verkehr, sowie Fuss- und Radverkehr heissen die Stichworte. Mit einer Begleitkommission sind die Stärken und Schwächen behandelt, die Zielsetzungen und Massnahmen definiert, der Kommunale Gesamtplan Verkehr (KGV) erarbeitet worden. Der Gemeinderat spricht von einem wichtigen Instrument. Bis 7. Oktober liegt der Entwurf zur öffentlichen Mitwirkung auf, während der schriftlich Stellungnahmen und Vorschläge eingereicht werden können.

Bei den Stärken lautet das Zwischenfazit: «In den Wohnquartieren besteht wenig Durchgangsverkehr. Der Ziel- und Quellverkehr wird effizient abgeleitet.» Die Wohnquartiere, insbesondere westlich der Pestalozzistrasse, weisen gemäss Entwurf eine hohe Durchlässigkeit und Qualität für den Fuss- und Radverkehr auf.

Für Entwicklungsgebiete gibts separate Verkehrskonzepte

Die Entwicklungsgebiete, steht weiter, profitieren von der Nähe zum Bahnhof von einer guten öV-Erschliessung. Die Rede ist von den Gebieten «Wyde, Neumatt, Bachtalen» sowie «Grossacher und Grändel», für die im Rahmen von Masterplanungen separate Verkehrskonzepte erarbeitet wurden. Beim Bahnhof fördern die Park+Ride-Infrastruktur sowie die gedeckten Veloabstellplätze die kombinierte Mobilität.

Unter den Defiziten aufgeführt ist die Gestaltung der Pestalozzistrasse, die trotz Umklassierung zur Gemeindestrasse stark verkehrsorientiert sei und Schwächen aufweise für den Fuss- und Radverkehr. Konflikt- und Gefahrenpotenzial zwischen motorisiertem Verkehr sowie Fuss- und Radverkehr bestehe ebenfalls entlang der Grenze zur Gemeinde Lupfig sowie im Bereich der Schule Nidermatt. Hier führen auch Eltern-Taxis «zu verkehrstechnisch unbefriedigenden Situationen».

Überdies sei der Bahnhof Birr für den Fuss- und Radverkehr vom Dorfkern ungenügend erschlossen, der Fahrplantakt unattraktiv. Auch die südlichen Gemeindegebiete seien mit dem öV und dem Fuss- und Radverkehr ungenügend erschlossen. Zudem genügten die Haltekanten der Bushaltestellen nicht den Vorschriften des Behindertengleichstellungsgesetzes.

Sicherheitsdefizite sollen angegangen werden

Als Zielsetzungen definiert die Gemeinde, dass besondere Beachtung den Entwicklungsgebieten gilt, die langfristig ein grosses Verkehrsaufkommen erzeugen werden. Die Voraussetzungen, den Binnenverkehr innerhalb des zusammengewachsenen Siedlungsgebiets von Birr und Lupfig mehr mit dem Fahrrad und zu Fuss abzuwickeln, seien vorhanden, wird ausgeführt. Wo diese Voraussetzungen punktuell noch nicht gegeben seien, sollen attraktivere Bedingungen für den Fuss- und Radverkehr geschaffen werden. Auch Infrastrukturen zur Förderung der kombinierten Mobilität seien klar anzustreben.

Die öffentlichen Räume, lautet ein Grundsatz, sollen bewusst nicht als reine Verkehrsflächen für den motorisierten Individualverkehr gestaltet werden, «sondern Raum für Begegnung und die Koexistenz der verschiedenen Verkehrsteilnehmer sein». Ebenfalls gelte es, punktuelle Sicherheitsdefizite an der Verkehrsinfrastruktur baulich anzugehen. Insbesondere seien Situationen zu verbessern, bei denen verkehrsorientierte Strassen neben Fuss- und Radverkehr induzierenden Nutzungen – zum Beispiel Schulen – liegen.

Der Schwerverkehr soll, ist unter dem Titel «Zielsystem» formuliert, von der Ortsdurchfahrt auf die Kantonsstrassen weggelenkt werden. Ebenfalls ist – unter anderem – aufgeführt, dass die Gemeinde ein lückenloses Fuss- und Radwegnetz aufweisen und die Haltestellen behindertengerecht ausgebaut sein sollen. Für die Umsetzung der Massnahmen sind Zeithorizonte festgelegt von kurzfristig bis 2024, mittelfristig bis 2029 und langfristig bis 2034.