Das Projekt ist genauso aufsehenerregend wie aussergewöhnlich: Im Gebiet Bözberg/Riniken sind die Bauarbeiten für die Erdverkabelung am «Gäbihübel» in vollem Gang. Auf einem Abschnitt von 1,3 Kilometern wird die 380-Kilovolt-Stromleitung in den Boden verlegt. Für die Swissgrid, der Eigentümerin des Schweizer Höchstspannungsnetzes, handelt es sich um eine Premiere.

Die Dimensionen sind eindrücklich: Erstellt werden müssen zwei Übergangsbauwerke von der Grösse eines Eishockeyfeldes. Das nördliche liegt mitten im Wald im Gebiet «Pfaffenfirst», das südliche im Bereich «Untere Stockacher» direkt unterhalb der SBB-Bözbergstrecke. Angelegt wird ein 25 Meter breites Trassee, in dessen Mitte der 5 Meter breite Kabelgraben ausgehoben wird. Rund 55 000 Kubikmeter Aushubmaterial fallen an.

Die Erdkabel sind schwerer

In den Graben eingelassen sind die beiden je 1,5 Meter breiten Kabelrohrblöcke. In jeden werden 6 Kabel eingezogen. Swissgrid spricht von einer logistisch anspruchsvollen Aufgabe, denn Erdkabel seien aufgrund ihrer viel dickeren Isolierung deutlich schwerer als Freileitungen.

Parallel zur Verlegung der Erdkabel werden die insgesamt 5,2 Kilometer langen, neuen Freileitungsabschnitte realisiert. Sie schliessen das im Boden verlegte Teilstück ans Trassee der bestehenden Freileitungen an.

Der Spatenstich für das Projekt «Gäbihübel» fand nach einem jahrzehntelangen Planen und Verhandeln im August dieses Jahres statt. Die Tätigkeiten kommen gut voran und liegen im Zeitplan, stellt Swissgrid-Sprecher Christian Schwarz fest. Zum guten Baufortschritt beigetragen hätten die trockenen und warmen Wetterbedingungen im Herbst sowie die unkomplizierte Zusammenarbeit mit allen am Projekt beteiligten Personen. «Das Ziel, die Bauarbeiten bis Mitte 2019 abzuschliessen, wird aus heutiger Sicht erreicht. Im Anschluss werden die Kabel eingezogen.»

Gegenwärtig werde an den beiden Übergangsbauwerken, auf verschiedenen Abschnitten des Kabelkanals sowie an der Unterquerung der SBB-Linie gearbeitet. Die Unterquerung der Verkehrsachsen bezeichnet der Swissgrid-Sprecher als anspruchsvoll. Bei der SBB-Linie gelte es, «eine Destabilisierung des Bahntrassees durch den Vortrieb zu vermeiden». Um die Stromleitung unter der Bahnlinie durchzuführen, werden zwei Tunnelröhren erstellt. «Die erste dieser Röhren ist bereits fertig, an der zweiten wird noch gearbeitet», erklärt Schwarz. An der Bözbergstrasse seien die Tätigkeiten mittlerweile abgeschlossen. In diesem Bereich habe schnell gearbeitet werden müssen, um den Verkehrsfluss möglichst kurz einzuschränken. Eine bautechnische Herausforderung wird gemäss Schwarz der Bau des Kabelrohrblocks im Steilhang oberhalb des Schriberhofs in Villnachern. Dieser Abschnitt wird im nächsten Frühjahr realisiert.

Besucherzentrum ist geplant

Besondere Beachtung geschenkt wird der Sicherheit auf der gesamten Baustelle und insbesondere entlang der Zufahrtsstrassen im Bözberger Ortsteil Hafen, betont Schwarz. Dort seien diverse Massnahmen zum Schutz der Schulkinder und zur Entlastung des öffentlichen Nahverkehrs umgesetzt. Dieses Verkehrskonzept bewähre sich. «Swissgrid ist sich bewusst, dass der Bau der neuen Leitung mit Lärm und zusätzlichem Verkehrsaufkommen verbunden ist», führt der Mediensprecher aus. Wert gelegt werde darauf, die Auswirkungen auf die Bevölkerung möglichst gering zu halten. Den Einwohnerinnen und Einwohnern im Ortsteil Hafen dankt er für ihre Geduld. Nächste Woche wird Swissgrid die Bevölkerung und die Gemeinden nochmals mit einem Flyer informieren. Zwischen dem 21. Dezember und dem 7. Januar ruhen die Arbeiten am «Gäbihübel».

Weil das Projekt eine schweizweite Premiere ist für Swissgrid, sollen der Öffentlichkeit sowie verschiedenen Interessengruppen die Chancen und Herausforderungen bei Bau, Betrieb und Instandhaltung von Erdkabeln und Freileitungen vor Ort gezeigt werden. Ab Frühjahr 2019 ist vorgesehen, ein Besucherzentrum im Gebiet «Spitz» im Ortsteil Hafen einzurichten. Dieses wird während dreier Jahre betrieben und ist auf Anmeldung und geführt zu besichtigen. Bestehen wird das temporäre Besucherzentrum aus mehreren Containern, die zu einem rund 250 Quadratmeter grossen, einstöckigen Gebäude inklusive Wasser- und Stromanschluss zusammengefügt werden. Bis 17. Dezember liegt das Baugesuch bei der Gemeindekanzlei Bözberg auf.