Bezirksgericht Brugg
Fussgänger rettete sich mit Sprung vor einem Automobilisten

Ein Automobilist kollidierte 2016 fast mit einem Fussgänger. Gestern stand er vor dem Bezirksgericht. Für die «grobe Verkehrsverletzung» wurde der PW-Fahrer bestraft.

Désirée Ottiger
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Beim Sonneland-Kreisel in Windisch kam es beinahe zur Kollision. (Symbolbild)

Beim Sonneland-Kreisel in Windisch kam es beinahe zur Kollision. (Symbolbild)

Am 29. Mai des vergangenen Jahres trug sich die Situation zu. Roger (Name geändert) war am Abend auf dem Heimweg. Beim Sonneland-Kreisel in Windisch wollte er die Strasse überqueren. Er sah ein Auto kommen. Weil dieses aber noch weit weg war, ging er über die Strasse. In der Hälfte des Fussgängerstreifens bemerkte er, dass das Auto nicht bremste und mit schätzungsweise 50 Kilometern pro Stunde in den Kreisel fuhr.

Daraufhin musste er sich laut eigener Aussage mit einem Sprung aufs Trottoir retten. Erst nach dem Fussgängerstreifen habe der Autofahrer angehalten. Er hat sich aber nicht wie erwartet entschuldigt, sondern sei dann trotzdem einfach weitergefahren. Roger betonte, dass er zum Zeitpunkt des Geschehens nicht alkoholisiert war.

Der Angeklagte Cemal (Name geändert) bestätigte zwar, dass es zu einem Zusammentreffen kam. Laut ihm hat der Fussgänger Roger aber gesungen, als er über die Strasse ging. Darauf habe er vor dem Fussgängerstreifen angehalten und den Fussgänger belehrt, er solle nicht so über die Strasse gehen. In seinem Plädoyer beteuerte Verteidiger Ernst Kistler die Unschuld seines Mandanten. Er bezeichnete die Aussagen des Klägers als «abstrus». Dass Roger zum Beispiel auf der Mittelinsel des Fussgängerstreifens nochmals stehen geblieben sei und nach rechts schaute, mache keinen Sinn, denn man schaue während des Überquerens schon auf die andere Seite. An dieser Stelle sähe man zudem sehr weit. Und, fuhr Kistler weiter:

«Wenn man ein schnelles Auto bemerkt, kann man einfach etwas schneller gehen. So läuft nur jemand über die Strasse, der alkoholisiert ist. Die Aussage ist nicht plausibel.» Der Verteidiger mutmasste zudem, dass der Fussgänger durch die Belehrung verärgert war und deshalb Anzeige erstattete. Zur Einschätzung des Tempos sagte Kistler: «Wir wissen nicht, welche Fähigkeiten er hat.» Folgernd aus diesen Argumenten forderte der Verteidiger einen Freispruch.

Wenig später verkündete der Richter Thomas Müller das Urteil. Vom Vorwurf der mangelnden Aufmerksamkeit wurde Cemal freigesprochen. Er ist jedoch schuldig wegen grober Verkehrsverletzung. Die bringt dem Angeklagten eine bedingte Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu je 130 Franken. Hinzu kommen 500 Franken Busse sowie 800 Franken Verfahrenskosten.

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