Hausen

«Fusionen würden vielerorts Sinn machen»: GLP-Grossratskandidat fordert Zusammenschluss von Brugg mit Windisch

«Frischer Wind für den Aargau» – Christoph Mühlhäuser will Staat und Gesellschaft modernisieren.

«Frischer Wind für den Aargau» – Christoph Mühlhäuser will Staat und Gesellschaft modernisieren.

Der 59-jährige Christoph Mühlhäuser aus Hausen will die GLP im Grossen Rat vertreten. Er setzt auf die Unterstützung der Fachhochschule in der Region und die Stärkung des Bildungs- und Wirtschaftsstandorts Brugg. Dafür ist seiner Meinung nach eine Fusion angebracht.

Bildung und Innovation liegen Christoph Mühlhäuser am Herzen, genauso wie die Region Brugg. Für das Treffen mit der AZ hat er deshalb den Campus der Fachhochschule Nordwestschweiz in Brugg-Windisch ausgesucht. «Der Campus steht sinnbildlich für den Aufbruch in die Zukunft und passt gut zu meiner Politik», sagt er.

Auf Listenplatz Nummer Drei kandidiert Mühlhäuser für die Grünliberale Partei (GLP) des Bezirks Brugg für den Grossen Rat. Erst vor rund zwei Jahren der Partei beigetreten, präsidiert der 59-Jährige seit Anfang August die neu gegründete Sektion Hausen. «Der offene, fortschrittliche und liberale Ansatz der Partei entspricht mir.

Er kennt das politische Geschehen im Aargau gut

Der GLP geht es nicht darum, Macht zu erlangen, sondern konstruktiv und lösungsorientiert Entwicklungen voranzutreiben», sagt er. Als ehemaliger Journalist war er unter anderem für das Aargauer Tagblatt, den Vorgänger dieser Zeitung, tätig und kennt das politische Geschehen im Aargau gut. Seit einigen Jahren sympathisierte er bereits mit den Positionen der GLP, wollte sich als Kommunikationsverantwortlicher einer öffentlichen Institution im Wirtschaftsbereich aber nicht politisch exponieren.

Geboren und aufgewachsen in Wettingen, ist Mühlhäuser seit über dreissig Jahren in der Region Brugg-Windisch wohnhaft. Seit rund neun Jahren lebt er gemeinsam mit seiner Ehefrau in Hausen. Als damaliges Mitglied und heutiger Präsident des überparteilichen Vereins «Region Brugg jetzt» engagierte er sich unter anderem für eine Fachhochschule in der Region. Die Stärkung des Bildungs- und Wirtschaftsstandorts Brugg hat er sich denn auch als Grossrat auf die Fahne geschrieben.

Brugg-Windisch soll zum Zukunftsraum werden

Offen befürwortet Mühlhäuser eine Fusion der Stadt Brugg mit Windisch: «Es würde Sinn machen, wenn Brugg und Windisch gemeinsam das starke Zentrum der Region bilden würden.» So sollen auch die Verbindungen im Bereich des Bahnhofs Brugg, namentlich die Bahnhofsunterführung – das sogenannte Muusloch – ausgebaut werden.

Davon würden sowohl der Neumarkt als auch der Campus profitieren. Mühlhäuser wünscht sich für die Region eine gemeinsame Zukunftsstrategie, analog zum Projekt Zukunftsraum Aarau. Gemeindefusionen will er generell mit staatlichen Mitteln fördern. Viele kleine Gemeinden hätten Mühe, Personal für die Behörden zu finden und würden viele Aufgaben bereits jetzt extern, an grössere Gemeinden oder regionale Organisationen, delegieren. Fusionen würden vielerorts Sinn machen.

Die Veloinfrastruktur wurde vernachlässigt

Als begeisterter Velofahrer und Mitglied von Pro Velo setzt er sich zudem für den Ausbau der Veloinfrastruktur ein. Diese sei vernachlässigt worden. «Nachdem regelmässig viele Millionen in den Strassenverkehr investiert werden, sind jetzt der Langsam- und der öffentliche Verkehr an der Reihe», sagt er. So sollen durchgehende und sichere Velorouten Standard werden. Ein weiteres Steckenpferd Mühlhäusers ist die Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

«Teilzeitarbeit muss für alle möglich sein», sagt er. So sollen Tagesschulen und Blockzeiten an den Schulen konsequent eingeführt werden. Generell steht Mühlhäuser für die Modernisierung der Gesellschaft und des Staats. Zu viele Bereiche basierten auf einem veralteten Bild von Ehe und Familie, das der Realität nicht mehr entspreche.

So kämpf er auch für die Individualbesteuerung und für ein flexibles Rentenalter. Eine grosse Chance sieht er in der Digitalisierung: «Ganze Geschäftsmodelle und Arbeitsabläufe können neu organisiert werden.» Wichtig dabei sei allerdings der Datenschutz. Bei den Internetauftritten der Gemeinden, beim elektronischen Patientendossier oder beim elektronischen Referendum sieht er Verbesserungspotenzial: «Da könnte man durchaus mehr machen.»

Wirtschaft und Umwelt – (k)ein Widerspruch?

Ihre beiden Kernanliegen, Umweltschutz und freie Marktwirtschaft, seien nicht miteinander vereinbar, wird der GLP immer wieder vorgeworfen. So könne der Umweltschutz nur auf Kosten der Wirtschaft gestärkt werden. «Wieso soll das ein Widerspruch sein?», fragt Mühlhäuser. Wo sich der Umweltschutz noch nicht rechne, könne man mit Anreizen wie Lenkungsabgaben seinen Ausbau sanft steuern, ohne dabei die Wirtschaft zu behindern.

Auch sieht er in der Solarindustrie grosses ökonomisches Potenzial. «Die heutigen Technologien erlauben uns, Strom nicht nur auf allen Arten von Dächern, sondern beispielsweise auch an Autobahnauffahrten in der Schweiz zu produzieren. So würde nebst dem Klimaschutz auch die Versorgungssicherheit gewährleistet, und dies bei weniger Abhängigkeit vom Ausland.

«Meine Kandidatur ist ein ernsthaftes Angebot»

«Es geht auch etwas lokaler, etwas langsamer und etwas digitaler», so denn auch sein politisches Credo, das durch die Erfahrungen im Lockdown noch gestärkt wurde. Nicht nur die Umwelt, sondern auch die Menschen würden davon profitieren. Eine weitere, persönliche Einsicht, die Mühlhäuser durch die Einschränkungen der Grundrechte erhalten hat, ist die Bedeutung der Freiheit. «Mit der Freiheit ist es wie mit der Luft zum Atmen: Wie wichtig sie ist, merken wir erst, wenn sie fehlt.»

Für die Wahlen am 18. Oktober ist er optimistisch, dass die GLP einen der zehn Sitze, die für den Bezirk Brugg reserviert sind, erobern kann. Als Mitglied des Spitzentrios hinter Angélique Flach und Markus Lang sieht er auch seine persönlichen Wahlchancen durchaus intakt: «Meine Kandidatur ist ein ernsthaftes Angebot. Es wäre mir eine Ehre und eine Freude, den Bezirk Brugg im Grossen Rat zu vertreten und einen Beitrag dazu zu leisten, die Region und den Aargau voranzubringen.»

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