«Wir wollen nicht fremdgehen mit Brugg, denn wir sind schon lange mit Schinznach verlobt.» Das sind Worte von Martina Müller, Einwohnerin von Schinznach-Bad und Gegnerin der Fusion mit der Stadt Brugg. Am Dienstagabend haben sich vor dem Gemeindehaus in Schinznach-Bad Gleichgesinnte getroffen und sich zum Komitee Pro Schinznach formiert. Der Name sagt, was die Mitglieder wollen: Nämlich eine Fusion mit der Nachbargemeinde Schinznach. Das Komitee bekennt sich damit dazu, dass eine Fusion nicht per se schlecht ist, dass Brugg aber ihrer Ansicht nach der falsche Partner dafür ist.

Mit dabei ist auch Stefan Hartmann aus Schinznach, wo er SVP-Ortspräsident ist. Er will das Komitee Pro Schinznach unterstützen. Hartmann verrät: In Schinznach hätten sich die Parteien ebenfalls getroffen und die Situation von Schinznach-Bad besprochen. «Im Tal äne» sei man erleichtert, dass sich nun in Schinznach-Bad Widerstand gegen die Fusion mit Brugg regt. «Ich bin überzeugt, dass eine Fusionsanfrage von Schinznach-Bad in Schinznach auf offene Ohren stossen würde.» Roman Maeder vom Komitee schlägt daher vor, dem Gemeinderat Schinznach einen Brief zu schreiben.

Allerdings: Bevor Schinznach-Bad Verhandlungen mit Schinznach aufnehmen kann, müssen die Stimmbürger zuerst an der Gemeindeversammlung Nein sagen zur Fusion mit Brugg. Anschliessend will das Komitee den Gemeinderat Schinznach-Bad verpflichten, Kontakt mit Schinznach aufzunehmen.

Keine Gemeinsamkeit mit Brugg

«Ich habe in den letzten Wochen und Monaten viel mit den Menschen im Dorf gesprochen», sagt Martina Müller. «Viele im Dorf sind gegen eine Fusion mit Brugg, haben aber resigniert.» Diese Menschen wolle man für die Teilnahme an die Gemeindeversammlung vom 1. Dezember gewinnen. Auf die Frage, warum das Komitee erst jetzt aktiv wird und nicht etwa schon nach der Juni-Gmeind 2015, an der der Projektierungskredit gesprochen wurde, sagt sie: «Ich musste zuerst aus dieser Schockstarre erwachen.» Zudem hätten sich die Gegner der Fusion mit Brugg zuerst auch formieren müssen.

Für das Komitee ist klar, dass ein Zusammenschluss mit Schinznach viel mehr Sinn machen würde. «Wir haben uns schon seit je ins Tal orientiert», argumentiert die Gruppe. «Wir nennen uns ja auch Schinznacher und nicht Schinznach-Bader», ergänzt Müller. Mit Brugg habe man überhaupt nichts gemeinsam, zwischen den beiden Gemeinden sei eine Wand. «Mit Brugg teilen wir, glaube ich, nur die Kadaversammelstelle und den Abwasserstandort», wirft einer in die Runde. Und die gemeinsame Grenze sei kaum nennenswert. Mit Schinznach hingegen habe Schinznach-Bad die Kreisschule, die Feuerwehr und auch die Badi gemeinsam.

Feuerwehrleute vor Ort fehlen

Und genau dies sind die Themen, die am meisten zu diskutieren geben. «Bei einer Fusion mit Brugg schaden wir unseren Kindern», sagt René Schatzmann. «Wenn sie nach Brugg in die Schule müssen, sind sie den ganzen Tag weg und kommen abends müde nach Hause. Das ist doch kein Familienleben.» Zudem sei der Weg mit dem Velo gefährlich. Ganz abgesehen davon gefährde Schinznach-Bad mit einer Fusion mit Brugg die Zukunft der Kreisschule im Schenkenbergertal.

Aus Sicht des Komitees sind auch die Probleme bezüglich Feuerwehr noch nicht gelöst. «Es wird unmöglich sein, die Einsatzzeit einhalten zu können», gibt Jean-Bernard Thiévent, ehemaliger Kommandant der Feuerwehr, zu bedenken. «Da nützt es auch nichts, wenn ein oder zwei Fahrzeuge in Schinznach-Bad stationiert sind, wenn die Leute hier vor Ort fehlen.»

Die Komitee-Mitglieder sind weiter davon überzeugt, dass die Stadt Brugg nach einer Fusion mit Schinznach-Bad den Vertrag mit der Badi Schinznach nicht erneuern wird. «Im Moment beruhigt man uns noch damit, dass man den bestehenden Vertrag erfüllen will», sagt Müller. Sowieso: Die Argumentation des Gemeinderats, warum diese Fusion nötig ist, sei nicht mehr stimmig. «Zurzeit haben wir beispielsweise eine Kampfwahl um einen Schulpflegesitz», führt sie aus.

«Wir haben das Gefühl, dass der Gemeinderat und die Projektleitung vor den negativen Punkten die Augen verschliesst. Es wird alles beschönigt.» Damit meint Müller auch die Möglichkeit von Referenden gegen Einwohnerratsbeschlüsse während der Phase, in der Schinznach-Bad nicht in den Behörden vertreten sein wird. «So einfach ist es nicht, ein Referendum zustande zu bringen. Das braucht viel Energie und Aufwand.»

Das Komitee hofft nun einerseits darauf, dass es den Fusionszug Richtung Brugg noch stoppen kann. Andererseits aber auch, dass sich diese Gegenbewegung nicht schlecht auf das Klima im Dorf auswirkt. «Am wichtigsten ist, dass am 1. Dezember viele Stimmbürger an die Gmeind kommen, damit wir am Ende nicht eine Zufallsmehrheit für oder gegen die Fusion haben», sagt Roman Maeder.

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