Wie steht es um das Mitspracherecht, die Finanzen, die Schule oder die Feuerwehr bei einer Fusion mit Brugg? Diese Fragen haben für kontroverse Diskussionen gesorgt in der Turnhalle in Schinznach-Bad. Auf einen gemeinsamen Nenner, so viel vorweg, sind die Vertreter der beteiligten Komitees nicht gekommen am etwas mehr als zweistündigen Anlass am Donnerstagabend.

Ersoy Ali, Präsident der Finanzkommission, sowie Ernst Hess, alt Gemeindeammann, legten die Sicht der Dinge dar für das Komitee Pro Fusion Brugg/Schinznach-Bad. Auf der anderen Seite argumentierten Peter Senn sowie Monika Willi, alt Vizeammann, für das Komitee Pro Schinznach.

Das Podium soll den Unentschlossenen aufzeigen, welches der richtige Weg in die Zukunft sein kann, sagte der Schinznach-Bader Vizeammann René Fiechter zu Beginn. Eine Meinungsbildung zu ermöglichen sei das Ziel, bestätigte Moderator Maurice Velati, Leiter der Regionalredaktion Aargau Solothurn bei Radio SRF. Er führte souverän und mit der nötigen Prise Lockerheit durch den Abend. Die Meinungsbildung schien bei vielen Anwesenden – deutlich über 150 dürften es gewesen sein – indes schon im Vorfeld erfolgt zu sein.

Vieles läuft über die Finanzen

Fusionsbefürworter Ernst Hess sagte von sich, dass er keine Berührungsängste habe. Für ihn ist der Zeitpunkt gekommen, einen grossen Schritt zu machen. «Wir müssen zukünftig regional denken.» Brugg sei ein starker Partner, eine lebensfrohe, pulsierende Stadt mit Ausstrahlung. Durch eine Fusion entstehen nach seinem Dafürhalten mehr Möglichkeiten, eine grössere Flexibilität und viele Vorteile – kurz: eine Win-win-Situation. Auch Ersoy Ali sprach von einer Chance, die es zu packen gelte. Das Dienstleistungsangebot werde besser, der Steuerfuss sinke.

Für Fusionsgegner Peter Senn dagegen wird mit vielen Zahlen Verwirrung gestiftet. Er störte sich an der fehlenden Information der Bevölkerung, daran, dass bei einer Fusion keine Neuwahlen durchgeführt werden. Die politischen Rechte würden während einer Übergangsfrist ausgehebelt. Seiner Ansicht nach läuft die Debatte in den falschen Bahnen. Alles fokussiere sich auf die Finanzen, auf den Steuerfuss, auf den Profit. Er hinterfragte, ob die Ausgaben gesenkt werden können – «eine Fusion kostet immer» –, ob die Entwicklung der Gemeinde besser verlaufen wird mit Brugg. Ebenfalls bezweifelte er, dass die Behörden in Schinznach-Bad bei einem Alleingang nur noch mit Mühe besetzt werden können. Bei den letzten Gesamterneuerungswahlen habe es bei der Schulpflege sogar eine Kampfwahl gegeben.

Apropos Schule: Dass die Gefahr bestehe, dass die Kreisschule Oberstufe Schenkenbergertal – auch ohne Fusion – geschlossen werden müsse, steht laut Monika Willi nirgends geschrieben. Einzig die Bezirksschule sei gefährdet wegen der tiefen Schülerzahlen. Bei der Feuerwehr ortete Monika Willi ein Sicherheitsrisiko, sollte die Fusion angenommen werden. Die Leistungsnormen könnten nicht eingehalten werden, es müsse ein Tanklöschfahrzeug samt Material beschafft werden. Die ausgebildeten 20 Feuerwehrleute aber fehlen, hielt sie fest.

Ernst Hess bezeichnete diese Schilderung als Horrorszenario. Im ganzen Kanton gelten die gleichen Bedingungen und Vorschriften, führte er aus. Feuerwehrdienst sei eine Bürgerpflicht, ein Dienst an der Gemeinschaft. Peter Senn hielt dagegen. Noch seien die offenen Fragen nicht geklärt.

Fusionsvertrag gibt zu reden

Dieser Ansicht waren auch mehrere Anwesende. Beim Fusionsvertrag habe der Gemeinderat schlecht verhandelt, hiess es etwa. «Wir werden über den Tisch gezogen.» Es werde einiges verschwiegen, es gebe zu viele Ungereimtheiten. Ein Anderer konterte: Der Gemeinderat habe nicht gemauschelt, sondern nach einer guten Lösung gesucht.

Ersoy Ali rief dazu auf, an der bevorstehenden Gemeindeversammlung am nächsten Freitag der Fusion zuzustimmen und damit die Türe offen zu lassen – damit das Geschäft vors Volk kommt und der definitive Entscheid im nächsten Jahr an der Urne fallen kann. Peter Senn plädierte für ein Nein, um stattdessen Fusionsverhandlungen mit der Schwestergemeinde Schinznach aufzunehmen. Die Probleme im Bereich Schule, Schwimmbad oder Feuerwehr könnten so gelöst werden.