Brugg
«Für mich ist St. Nikolaus die schönste Kirche»

Als Sakristan war Kurt Ruoss während mehr als 21 Jahren die gute Seele der Kirche St. Nikolaus. Er geht in den Ruhestand. Langweilig dürfte es dem Sakristan jedoch nicht werden.

Louis Probst
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Sakristan Kurt Ruoss

Sakristan Kurt Ruoss

Louis Probst

«Ich habe den Sakristanendienst stets sehr gern gemacht», sagt Kurt Ruoss. «Trotzdem bin ich froh, aufhören zu können. Ich kann das Ganze jetzt etwas von aussen betrachten. Wir sind aber so verblieben, dass man mich bei Notfällen holen kann.»

Vor gut 21 Jahren, am 1. September 1991, hatte Kurt Ruoss den Dienst als Sakristan an der katholischen Kirche zu St. Nikolaus in Brugg angetreten. «Die Stelle war ausgeschrieben worden», sagt er. «Pfarrer Karl Ries hat mich gefragt, ob ich Interesse hätte. Ich habe zwar nicht gleich Ja gesagt. Ich habe mir aber auch überlegt: Wenn du nochmals etwas anderes machen willst, dann jetzt. Plötzlich habe ich mich entschieden. Und ich war stets froh um diesen Entscheid.»

Äusserst vielfältige Aufgaben

Er sei bei seinem Amtsantritt etwas ins kalte Wasser geworfen worden, meint Kurt Ruoss. «Ich konnte auch schnell feststellen, dass der Sakristanendienst ein wahnsinnig vielfältiges Gebiet ist. Ich war mir aber schon von zu Hause aus und später vom Beruf her gewohnt, alles zu machen. Vom Organisieren bis zum Putzen.»

Als Sakristan war er nicht nur für die Vorbereitung von Messen, Eucharistiefeiern und Andachten sowie von Hochzeits- und Beerdigungsgottesdiensten zuständig, sondern auch für die Pflege der Geräte und Textilien für die priesterlichen Handlungen. Zu seinen Aufgaben gehörten zudem die Reinigung der Kirche und die Pflege der Aussenräume. «Es ist selbstverständlich, dass eine Kirche sauber sein muss», erklärt er. «Sie soll ja, auch tagsüber, gerne aufgesucht werden. Ich habe stets grossen Wert auf die Sauberkeit der Kirche gelegt. Dafür habe ich viel Lob erhalten. Auch wenn es mir nicht immer gelungen ist, die Kirche so sauber zu halten, wie ich es gerne gehabt hätte. Für mich war die St.-Nikolaus-Kirche aber immer die schönste Kirche.»

Viel zusätzliche Arbeit brachten für den Sakristan die grossen Renovationen der Kirche, aber auch die vielen personellen Veränderungen als Folge des Priestermangels. «Man musste sich jeden Tag mehrmals neu orientieren», stellt Kurt Ruoss fest. «Heute kann ich darüber lachen. Es war aber nicht immer so einfach, alle zufriedenzustellen.»

Kaum Langeweile

Und jetzt? Im Ruhestand? Langweilig dürfte es Kurt Ruoss kaum werden. Dafür sorgt schon sein Enkelkind. «Ich singe zudem in drei Chören mit, und ich spiele ein wenig Klavier», erklärt er. «Und ich mache einen Englischkurs und werde für einen Sprachaufenthalt nach England gehen. Darüber wird man vielleicht lachen. Aber ich habe meine Freude daran. Ich kann jetzt meine eigenen Bedürfnisse in den Vordergrund stellen und das Leben geniessen. Ich kann mir aber vorstellen, später beispielsweise bei einem Krankentransportdienst mitzumachen. Bevor ich aber etwas Neues annehmen kann, muss ich erst abladen.»