Scherz
Für Maibuebe ist Fusion kein Thema – ausgerechnet in Lupfig suchen sie aber Nachwuchs

In der Nacht auf Sonntag sind die Scherzer Maibuebe wieder aktiv. In Lupfig hingegen suchen sie verzweifelt Nachwuchs.

Janine Müller
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Gesammelte Gegenstände in Scherz. zvg

Gesammelte Gegenstände in Scherz. zvg

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Heute Nacht ist Mainacht. In Scherz ziehen die jungen Dorfbewohner um die Häuser. Nichts ist sicher, das nicht befestigt ist. Alles, was im Garten herumsteht, wird von den Maibuebe abtransportiert und auf dem Dorfplatz deponiert. Schützen können sich die Hausbewohner, indem sie Bier vor das Haus stellen. Am nächsten Tag können die deponierten Gegenstände wieder auf dem Dorfplatz abgeholt werden. Zusätzlich nehmen die Maibuebe aktuelle Themen im Dorf auf die Schippe. Auf Transparente werden träfe Sprüche geschrieben. «Dieses Jahr ist sicher die Einführung von Tempo 30 in den Quartieren ein Thema», sagt Fabian Knutti (24), Präsident der Scherzer Maibuebe.

Die Maibuebe sind im Bezirk Brugg vor allem im Eigenamt aktiv. Die Scherzer treiben ihren Schabernack jeweils eine Woche vor dem Brötliexamen, das am ersten Wochenende im Mai stattfindet. Die Lupfiger Maibuben sind eine Woche nach dem Brötliexamen im Dorf unterwegs. Beziehungsweise wären. Denn: «Wir sind nur noch zehn Mitglieder», sagt Präsident Marcel Stauffer (26). «Das sind zu wenige, um ein ganzes Dorf aufzuräumen.» Man habe die Mainacht nun um eine Woche nach hinten verschoben, also auf den 19. Mai – in der Hoffnung, dass sich noch Interessierte finden.

Auch schon haben die Lupfiger intern darüber diskutiert, ob eine Fusion möglich wäre. Schliesslich sind Scherz und Lupfig seit dem 1. Januar eine Gemeinde. Aber: Die Scherzer Maibuebe denken nicht daran, sich mit den Lupfigern zusammenzuschliessen. Denn Nachwuchsprobleme kennen die Scherzer nicht. «Wir laden jeweils den Jahrgang, der 16 Jahre alt wird, ein, mitzumachen», erklärt Knutti. Mit dieser brieflichen Einladung versuchen es zwar auch die Lupfiger. Aber: «Viele Neuzuzüger kennen den Brauch nicht und melden sich dann nicht», erklärt Marcel Stauffer. Und mit den Frauen sei es auch so eine Sache. «Die heutigen Maibuebe sind deutlich über 20, entsprechend kennen wir kaum potenzielle Einsteiger.» Frauen dürften übrigens durchaus mitmachen. Bei den Scherzern ist dies schon länger der Fall. «Häufig bitten wir die Meitli, die Sprüche zu schreiben», sagt Fabian Knutti. «Denn sie schreiben einfach schöner.» Und: Die Meitli versorgen die Truppe jeweils mit Esswaren.

Ältere schauen auf die Jüngeren

Weil der Brauch nicht mehr bekannt ist, mussten die Maibuebe-Organisationen in den letzten Jahren hin und wieder Kritik einstecken, dass sie Sachen kaputtmachen. Dem beugen die Scherzer vor. «Die Neuen gehen jeweils mit den Älteren mit, werden so beaufsichtigt», sagt Knutti. «Sollte jemandem etwas kaputtgehen, ist er verpflichtet, das zu melden.» Den Schaden muss die Person bezahlen.

Fabian Knutti und seine Kollegen hoffen, dass die Tradition im Dorf noch lange bestehen bleibt. «Es ist eine schöne Art, die Jungen des Dorfs zusammenzubringen.» Dass die Mainacht ein beliebter Anlass ist, zeigt diese Anekdote: Ein kleiner Bub einer Scherzer Familie stellte jeweils sein Velo oder seinen Spielzeugtraktor extra in den Garten. In der Hoffnung, dass die Maibuebe diese Gegenstände abtransportieren. Weil der Vater des Buben aber eine Kiste Bier vor das Haus stellte, liessen die Maibuebe das Velo oder den Traktor stehen. Am nächsten Morgen war der Bub traurig darüber. «Mittlerweile wissen wir das und nehmen das Velo oder den Spielzeugtraktor mit und deponieren ihn auf dem Dorfplatz.» Sehr zur Freude des Buben.

In Lupfig gibt man sich kämpferisch. «Aufhören kommt nicht infrage», sagt Stauffer. Übrigens: In Scherz bleibt man Maibueb, bis man heiratet oder wegzieht, in Lupfig ist die Grenze bei 26 Jahren.

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