Lupfig
Für Günter Grass war sie ein Schutzengel – den er beschenkte

Die ehemalige Redaktorin Lis Frey sagt, warum sie 1964 vom deutschen Schriftsteller die «Hundejahre» geschenkt bekam und warum Günter Grass das Buch im Abstand von 18 Jahren zweimal signierte.

Claudia Meier
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Lis Frey mit dem Buch von Günter Grass.

Lis Frey mit dem Buch von Günter Grass.

Claudia Meier

Der Tod des deutschen Schriftstellers, Bildhauers, Malers und Grafikers Günter Grass am Montag hat bei der ehemaligen «Badener Tagblatt»-Redaktorin Lis Frey viele Erinnerungen geweckt.

Lebhaft schildert sie ihre erste Begegnung mit dem zuvorkommenden Deutschen im Sommer 1964 auf dem Flugplatz Birrfeld: Lis Frey verkaufte an jenem Sonntag im Stundenlohn Billette für Rundflüge. Als sich zwei Fluggäste der Verkaufsstelle näherten, erkannte sie Günter Grass sofort.

Er war in Begleitung von Werner Geissberger aus Wettingen. Die beiden Männer, deren Ehefrauen Schwestern waren, buchten einen Rundflug über Lenzburg, den Hallwilersee und vermutlich auch über Baden/Wettingen.

«Nach dem Flug habe ich die beiden Herren fotografiert», erzählt Lis Frey und kommt ins Schwärmen: «Günter Grass sah blendend aus.» Der Schriftsteller versprach ihr eine Kopie seines neusten Buches.

Frey glaubte nicht so recht daran und war ziemlich überrascht, als im November 1964 ein Paket aus Berlin mit dem Werk «Hundejahre» bei ihr eintraf. «Für Frau Frey-Müller, dem Schutzengel auf dem Flugplatz Birrfeld, mit freundlichen Grüssen Günter Grass», lautete die persönliche Widmung. Frey kämpfte sich durch das 682 Seiten umfassende «wahnsinnige Buch» und klebte zwei Erinnerungsfotos in den Buchdeckel.

Nach 18 Jahren signierte Günter Grass das gleiche Buch ein zweites Mal. Lis Frey war als Redaktorin an einer Ausstellung mit Lesung in der Galerie Schürer in Regensberg. Grass’ Lithografie «Die Leseratte» hatte es Frey besonders angetan.

Sie kaufte sich dieses Blatt – es war eines der letzten Exemplare der zweiten Serie. «Jetzt habe ich ein Kunstwerk eines Literaturnobelpreisträgers, das ich um kein Geld hergeben würde», sagt die 79-Jährige stolz.

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