Windisch
Für diese Ausstellung brauchten die Patienten viel Mut

32 Patientinnen und Patienten machen im Hauptgebäude Areal Königsfelden ihre Skulpturen aus dem zweiwöchigen Kunsttherapie-Projekt «echt.» der Öffentlichkeit zugänglich.

Ursula Burgherr (Text und Foto)
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Acht Patienten erschufen jeweils eine Skulptur - von jedem steckt im Gemeinschaftsprojekt etwas mit drin
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'Swirl' ist eine der Skulpturen die Patienten in der Kunsttherapie für die Ausstellung «echt» geschaffen haben
Ausstellung Windisch
Zum ersten Mal präsentieren Patientinnen und Patienten ihre Werke aus der Kunsttherapie im Hauptgebäude des Areals Königsfelden der Öffentlichkeit

Acht Patienten erschufen jeweils eine Skulptur - von jedem steckt im Gemeinschaftsprojekt etwas mit drin

Ursula Burgherr

Wer die Säulenhalle im Hauptgebäude der Psychiatrischen Dienste Aargau AG (PDAG) auf dem Areal Königsfelden betritt, wird sofort in den Bann gezogen von den fünf über mannshohen Fantasieskulpturen aus Bauschaum, Holz, Gips und Draht und den 32 kleineren farbenfrohen Gebilden, die keck auf verschieden hohen Sockeln neben dem linken Treppenaufgang thronen.

Die Exponate sind eigenwillig, originell und faszinierend. Geschaffen wurden sie von Menschen mit verschiedensten psychischen Beeinträchtigungen im Rahmen des Projekts «echt.» innerhalb der Kunsttherapie. Vier Gruppen à je acht Patienten arbeiteten zwei Wochen lang an den Skulpturen, die nun öffentlich ausgestellt werden. Das brauchte Mut. Denn die Entstehung der Objekte ging oft mit tiefgreifenden Emotionen einher.

Aufrappeln und weitermachen

Obwohl alle Gruppen dieselben Materialien und Werkzeuge zur Verfügung hatten, kreierten sie völlig unterschiedliche Werke. Die Figur «Hier + Jetzt» sieht aus wie ein riesiger Apfelbaum. Darüber hängt eine Art Waage, an der ein Schlüssel und ein Gewicht balancieren. «Die Beteiligten haben abgewogen und diskutiert, bis sie zu einem Resultat kamen, das Früchte trug», sagt Nelson Ramos Pereira, Fach- und Teamleiter Kunsttherapie, dazu.

Andere Teams legten einfach spontan los und aus einem Schritt entstand der nächste. So etwa die gigantische Spirale «Swirl». Pereira erzählt, wie eine Patientin am Schluss einen Eimer Farbe darüber giessen sollte. «Die Frau ist sonst sehr kontrolliert und die Aktion kostete sie Überwindung. Wegen ihres grossen Schwungs traf aber kein Tropfen die Skulptur. Das befreiende Lachen von der ganzen Gruppe hat sie getragen. Das war für alle unvergesslich.»

Zeitweiliges Scheitern gehört im kreativen Prozess mit dazu. «Zu erleben, wie man an seine Grenzen stösst, sich wieder aufrappelt und trotzdem weiterkommt, ist eine enorm wertvolle Erfahrung», so Pereira. Die Kunsttherapeuten Jörg Schumann und Laura Carmona Ayuso gaben an der Vernissage Einblick in ihre Arbeit: «Im Laufe des Projekts beobachteten wir bei jedem Patienten eine Entwicklung individueller, kreativ-schöpferischer Fähigkeiten und Ressourcen.» Neugierde und Begeisterung sei da gewesen, aber anfänglich auch Widerstand.

«Man musste sich auf etwas Fremdes und Unbekanntes einlassen», erklärt Pereira. Gerade die Kunsttherapie schafft einen Raum, in dem Patienten neue Strategien für ihren Alltag ausprobieren, erleben und spielerisch erlernen können. Das Endresultat begeistert an der Eröffnung alle.

Ein Brückenschlag

Im zahlreich erschienenen Publikum mischten sich Menschen von innerhalb und ausserhalb der Klinik und bestaunten gemeinsam die Kunstwerke. Das gefiel CEO Jean-François Andrey. Er betonte in seiner Begrüssungsansprache, wie wichtig Aktionen wie die Ausstellung «echt.» seien, um Brücken zu schlagen und gegen Stigmatisierung und Vorurteile anzugehen.

Informationen zur Ausstellung

Die Ausstellung «echt.» mit Arbeiten von Patientinnen und Patienten der Kunsttherapie im Hauptgebäude PDAG des Areals Königsfelden kann noch bis zum 6. Juli besichtigt werden; Öffnungszeiten: 8 bis 18 Uhr.