Brugg
Für die Brugger Firma Metron AG ist die Kultur eine Kür

Wer mit dem Zug in den Brugger Bahnhof einfährt, kann am geschwungenen Bau beim Gleis 1 nicht vorbeisehen. Hier ist die Firma Metron AG beheimatet, die neben der Pflicht auch die Kür pflegt: Sie vergibt jedes Jahr einen Kulturförderpreis.

Elisabeth Feller
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«Balkan Hamlet» der Aarauer Gruppe Szenart bekam 2011 den Metron-Kulturförderpreis. Die Produktion war auch in Brugg zu sehen. ZVG

«Balkan Hamlet» der Aarauer Gruppe Szenart bekam 2011 den Metron-Kulturförderpreis. Die Produktion war auch in Brugg zu sehen. ZVG

Thomas Kern

Obgleich sich die Mitarbeitenden des bekannten Unternehmens Metron AG nicht als Kulturprofis bezeichnen, vergeben sie jedes Jahr den mit 10 000 Franken stattlich dotierten Metron-Kulturförderpreis.

Ungewöhnlich ist nicht der Preis an sich, sondern das Auswahlverfahren: Das 150-köpfige Metron-Team entscheidet, welche Kunstschaffenden ausgezeichnet werden – und das in einem demokratischen Prozess.

Die Firma Metron AG

Die Firma Metron Brugg beschäftigt sich nicht in erster Linie mit Kulturpreisen, sondern mit Architektur, Raumentwicklung, Verkehr, Landschaft und Umwelt. Seit ihrer Gründung 1965 pflegt die bekannte Firma auch den Kontakt zu Kulturschaffenden und unterstützt Kulturprojekte. Dazu gehören eine Kunstsammlung, die monatlich stattfindende «Mittagsmusik am Gleis 1» und der «Brutkasten», eine kleine Ausstellungsvitrine vor dem Haupteingang. Zudem unterstützt Metron Kunstschaffende mit dem Metron-Förderpreis. (az)

«Die Vorauswahl trifft zwar unsere Kulturgruppe», sagt Adeline Grass, «danach wandern die Bewerbungen aber in unser Dachcafé, um dort von allen begutachtet zu werden. Die Mitarbeitenden entscheiden schliesslich mit roten Punkten, wer unseren Kulturförderpreis bekommen soll.

Neuausrichtung des Preises

Dass die Preissumme seit einigen Jahren nicht mehr aufgeteilt wird, hat mit der Neuausrichtung des Preises zu tun.

Früher förderte Metron unterschiedliche Kunst mit kleineren oder grösseren Beiträgen, die mal hierhin, mal dorthin flossen – nach dem Giesskannenprinzip.

Doch dann wurde das Konzept gründlich überdacht – und seither kommt die gesamte Preissumme einem Projekt oder einem Kunstschaffenden zugute.

2009 wurde beispielsweise das Brugger Jugendkulturhaus Piccadilly, 2011 «Balkan Hamlet» – diesen aus zwölf Bewerbungen – ausgezeichnet. Die Aarauer Theatergruppe Szenart hatte mit balkanstämmigen Jugendlichen ein Stück zum Thema Ehre erarbeitet, das auch im Brugger «Odeon» zu sehen war.

Weshalb sich das Metron-Team dafür entschieden hatte, begründete es damals so: «Das Vorhaben zeugt von sozialem Engagement gepaart mit künstlerischem Anspruch.»

Ob Jugendhaus, Theater, Musik oder Bildende Kunst: «Geht es um Sparten, sind wir völlig offen», betont Adeline Grass und setzt sogleich hinzu: «Offen sind wir aber auch gegenüber ausserkantonalen Bewerbungen.»

Zwar melden sich vornehmlich Gesuchsteller aus dem Kanton Aargau, aber es befanden sich auch schon junge Filmschaffende aus Zürich in der Vorauswahl. Gross an die Glocke hängen, will die Metron AG ihren Kulturförderpreis übrigens nicht, weshalb die Preisverleihung nicht mit einem roten Teppich und einer Gala inszeniert wird.