Oberflachs
Für den Maxi-Dorfladen in Oberflachs ist es 5 vor 12

Vor drei Jahren schloss der Volg-Laden in Oberflachs. Bange fragte man sich im Dorf: Folgt keiner mehr nach? Doch! Daniel Vögeli kam – als Pächter eines Maxi. Aber die Kunden bleiben seit 2012 immer öfter weg.

Elisabeth Feller
Drucken
Teilen
Der Kunde ist König: Für den Maxi-Pächter Daniel Vögeli (rechts) gehört ein kurzer Schwatz zum Einkauf. EF.

Der Kunde ist König: Für den Maxi-Pächter Daniel Vögeli (rechts) gehört ein kurzer Schwatz zum Einkauf. EF.

Elisabeth Feller

Daniel Vögeli strahlt. Dabei ist ihm nicht zum Lachen zumute. Sein Hilferuf im Gemeindeblatt hat die Bevölkerung von Oberflachs aufgeschreckt: «Leider hat sich die Situation im Maxi immer noch nicht verbessert. Es ist 5 vor 12. Ein Überleben des Ladens und damit der Erhalt von Lebensqualität im Dorf ist nur möglich, wenn sich alle dafür einsetzen und sich solidarisch zeigen und im Maxi einkaufen.»

Nach Selbstmitleid steht Vögelis Sinn nicht. Der Pächter von Maxi ist seit 35 Jahren im Detailhandel tätig und weiss, wie hart das Geschäft ist.

Vor drei Jahren war Daniel Vögeli, 48, in die idyllische Gemeinde Oberflachs gekommen. Dort zog er in jenen Laden mitten im Dorf ein, der zuvor in der Hand von Volg gewesen war.

Rückläufige Umsatzzahlen hatten Volg veranlasst, sich aus Oberflachs zurückzuziehen. Mit Daniel Vögeli kam ein selbstständiger Detaillist in die Gemeinde, der auf eigene Rechnung den Laden übernahm. Volg schloss am 21. August 2010 – Maxi eröffnete am 9. September.

Daniel Vögeli hatte zuvor in Wettingen während fünf Jahren einen Maxi in Bahnhofsnähe betrieben. Er freute sich auf die neue Tätigkeit in Oberflachs, denn dort wollte er einführen, was bereits in Wettingen Anklang gefunden hatte – einen Hauslieferdienst insbesondere für ältere Menschen.

«Zunächst liess sich in Oberflachs alles sehr gut an», erzählt Vögeli. «Die Bevölkerung bekundete Interesse am Laden. Dieser rentierte zwar nicht, aber ich hatte das Gefühl, dass es in eine positive Richtung ging.»

Das Jahr 2011 startete gut, doch dann musste sich Vögeli eingestehen: «Nicht kostendeckend.» Das Jahr 2012 verlief bis zu den Sommerferien ebenfalls gut, danach kam der Einbruch.

Und zwar so, dass Vögeli sich jetzt aus Kostengründen gezwungen sieht, ab 2. April die Öffnungszeiten des Ladens zu reduzieren.

Maxi wird künftig von Montag bis Freitag nur noch von 8 bis 12.30 und von 17 bis 19 Uhr sowie am Samstag von 8 bis 14 Uhr geöffnet sein. Für Vögeli ist das keine glückliche Massnahme. Er liebt seinen Laden, seine Kundschaft und Oberflachs. Hier wohnt er – «hier möchte ich bleiben», sagt er.

Wie die Zukunft des mit 3500 Artikeln bestückten Dorfladens mit Café-Ecke aussehen wird, weiss Vögeli nicht. Dabei ist Maxi – neben der Metzgerei Suter – der einzige Laden in Oberflachs; die nächsten Geschäfte befinden sich in Thalheim und Schinznach-Dorf.

Weshalb bleiben die Kunden fern? Daniel Vögeli weiss es nicht. Er kann bloss mutmassen. Vielleicht liege es an einem veränderten Einkaufsverhalten.

Vielleicht spielten die Preise eine Rolle, «doch wir haben auch bei Maxi eine günstige Linie. Aber gerade diese ist nicht sonderlich gefragt.» Analog dazu verhält es sich mit dem Hauslieferdienst.

Dieser wird in Oberflachs eher wenig genutzt – ganz im Gegensatz zu Wettingen. Dorthin fährt Vögeli regelmässig am Donnerstag, weil er Stammkunden hat, die ihm weiter die Treue halten.

Das Wort Schliessung liegt in der Luft, «doch ein Dorfladen ist für Oberflachs nach wie vor sehr wichtig», betont Gemeindeammann Peter Feller. «Wir haben im Gemeinderat schon verschiedene Sitzungen zu diesem Thema gehabt.»

Der Gemeinderat wolle helfen, so Feller, nur könne diese Hilfe nicht finanzieller Art sein. Trotz dunkler Wolken am Horizont, lässt Maxi-Pächter Daniel Vögeli den Kopf nicht hängen. Er hofft auf die Treue seiner Kunden. Wie zur Bestätigung, taucht eine Kundin mit vollem Korb auf und will bezahlen.

Aktuelle Nachrichten