Brugg
Fünf Läden stehen im Neumarkt leer – dafür gibt es unterschiedliche Gründe

Die Bevölkerung in Brugg bedauert, dass das Einkaufen nicht mehr gleich ist wie früher. Denn: Fünf Ladenlokale stehen zurzeit leer, einige bereits seit längerer Zeit. Der Standort Brugg verfüge über gutes Marktpotenzial, sagt die Vermieterin Privera.

Janine Müller
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Fünf Läden im Neumarkt, wie hier das ehemalige Vanille&Zimt, sind zurzeit leer. Die Mietervereinigung wünscht sich Mieter, die Kunden anziehen.

Fünf Läden im Neumarkt, wie hier das ehemalige Vanille&Zimt, sind zurzeit leer. Die Mietervereinigung wünscht sich Mieter, die Kunden anziehen.

Janine Müller

Spaziert man von der Brugger Bahnhofunterführung Richtung Neumarkt 2, trifft man zuerst auf ein leer gefegtes Ladenlokal von Vanille & Zimt. Geht man weiter, schaut man an eine Bretterwand hinauf. Der Neumarkt 2 lädt zurzeit nicht wirklich zum Einkaufen ein. Insgesamt stehen – nach den Geschäftsaufgaben von Vanille & Zimt und dem Fotogeschäft Eckert – gleich fünf Ladenflächen zur Vermietung. Einige davon bereits seit längerer Zeit.

Für den Neumarkt 1 heisst das konkret: Bei den Büroflächen sind rund 1000 m frei, 273 m sind es bei den Ladenflächen. Noch eindrücklicher sind die Zahlen für den Neumarkt 2. Da suchen ca. 800 m Bürofläche einen Mieter. Bei den Ladenflächen beträgt die freie Fläche 559 m.

Das bleibt auch der Bevölkerung nicht verborgen. Viele bedauern, dass das Einkaufen nicht mehr gleich ist wie zuvor. Längst vermissen sie einen Baumarkt oder mehr Möglichkeiten, sich zu verpflegen. Das sagen jedenfalls die Schüler. Und seit Vanille & Zimt geschlossen ist, scheint der Wunsch nach einem gemütlichen Café gross zu sein. Eine Umfrage der az zeigt auch, dass sich viele einen belebteren Neumarktplatz wünschen.

Brugg mit hohem Marktpotenzial

Bei Vermieterin Privera heisst es: «Die Privera AG ist derzeit mit verschiedenen potenziellen Mietern in Verhandlungen.» Diese würden dem Gastronomie-Gewerbe und dem Detailhandel angehören. Die Privera AG zeigt sich überzeugt davon, mit intensiven Vermarktungsbemühungen die noch leerstehenden Flächen vermieten zu können.

«Dies insbesondere, da der Standort Brugg über ein nachweislich gutes Marktpotenzial verfügt», ergänzt Philipp Bigler, Mitglied der Geschäftsleitung. Dabei helfen soll auch, dass der Ankermieter im Neumarkt – namentlich also die Migros – seine Verkaufsflächen gesamterneuert. Dies, nachdem bereits der Neumarkt selber revitalisiert wurde.

Umfrage: Was für einen Laden wünschen Sie sich für den Neumarkt?

Jean-Luc, 16, aus Birr «Ich fände es toll, wenn es im Neumarkt einen McDonald’s geben würde. Ich mag das Essen dort sehr gerne. Leider gibt es hier in der Region keinen.»
6 Bilder
Sascha, 14, aus Birr «Mir gefallen die Kleider aus dem Laden ‹Metro› sehr gut. Ich wünschte mir, dass es einen solchen Laden hier gibt.»
Valentin, 20, aus Windisch «Ein Ochsner Sport wäre super. Wichtig sind aber auch Attraktionen auf dem Neumarktplatz selber, damit es mehr leben würde.»
Sepp, 73, aus Brugg «Was definitiv fehlt hier, ist ein Baumarkt. Schön wäre auch ein Treffpunkt für die Senioren ohne Konsumationszwang.»
Nadia, 19, aus Lupfig «Ein Kleiderladen für die Jüngeren wäre toll. Und ein Café, das zum Verweilen einlädt, fehlt auch.»
Isabel, 45, aus Rüfenach «Nachdem Vanille&Zimt geschlossen hat, fehlt ein gemütliches Café. Zudem vermisse ich einen Do it und ein Haushaltwarengeschäft.»

Jean-Luc, 16, aus Birr «Ich fände es toll, wenn es im Neumarkt einen McDonald’s geben würde. Ich mag das Essen dort sehr gerne. Leider gibt es hier in der Region keinen.»

Janine Müller

Obwohl sich die Privera zuversichtlich zeigt, ist sich Philipp Bigler bewusst, dass die Vermietung in Zukunft schwieriger werden dürfte. «Auch in der Region Brugg mussten leider in den vergangenen Jahren erschwerte Wiedervermietungsbedingungen im Retail- und im Büroflächenmarkt hingenommen werden», sagt Bigler.

«Der tiefe Euro, die Grenznähe und nicht zuletzt das Online-Shopping-Verhalten der Konsumenten werden in Zukunft die Wiedervermietung von Retailflächen tendenziell vor grössere Herausforderungen stellen.»

Hinter der vorgehaltenen Hand wird oft gemunkelt, dass die Mietzinse zu hoch angesetzt sind. Da widerspricht Philipp Bigler. «Dies ist aus unserer Optik nicht korrekt. Diverse Studien und Marktüberprüfungen haben gezeigt, dass sich die Mietzinse nicht über dem Markt bewegen.» Wie viel genau ein Mieter pro Quadratmeter und Monat bezahlen muss, gibt die Privera nicht bekannt.

Der Mietpreis sei je nach Fläche recht unterschiedlich und abhängig von Mietdauer, Innenausbau (allenfalls mitfinanziert seitens Eigentümer), Grösse der gesamten Einzelmietfläche, Lage der Mietfläche oder auch dem Stockwerk der Mietfläche.

Auch die Mietervereinigung macht sich natürlich Gedanken über die Zukunft des Neumarkts, aber auch darüber hinaus. Im Hintergrund sei der Vorstand dabei, kreative Ideen zu entwickeln. Eine Idee ist auch, dass man auf die Gewerbevereinigung Brugg zugehe und das Standort-Marketing von Brugg forciert. Die Konzepte von verschiedenen Anlässen möchte man abstimmen, Events stärker bewerben und dann an diesen Anlässen auch wirklich etwas bieten.

Appell geht auch an Kunden

Die Mietervereinigung appelliert aber auch an die Kundschaft, dem Neumarkt die Stange zu halten und nicht ins nahe Ausland einkaufen zu gehen. Die Folgen davon sind logisch. Verkaufsflächen, die vor der Absenkung des Preisniveaus aufgrund der Aufhebung des Euro-Mindestkurses noch knapp rentabel waren, sind mittlerweile unter die Rentabilität gefallen. Ladenaufgaben können die Folge sein.

Der Vorstand der Mietervereinigung gibt auch zu bedenken, dass nicht jeder Anbieter gleich geeignet sei. Es braucht Mieter, die Kunden anziehen und so für mehr Frequenz sorgen.

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