Windisch

Für Stiftungsrat ist dieser Brunnen ein Knüller

Gespeist wird der Springbrunnen auf dem Areal Königsfelden noch heute von einer Wasserleitung aus der Römerzeit. mhu

Gespeist wird der Springbrunnen auf dem Areal Königsfelden noch heute von einer Wasserleitung aus der Römerzeit. mhu

Die Gemeinde Windisch wird den diesjährigen Brunnenpreis der «Ernst und Hanna Hauenstein-Stiftung» erhalten.

Er ist eine Augenweide: Vor dem herrschaftlichen Hauptgebäude auf dem Areal Königsfelden in Windisch, im fein säuberlich gepflegten Park mitten im farbenprächtigen Blumenmeer, befindet sich der verschnörkelte Springbrunnen. Gespeist wird er noch heute von einer Wasserleitung aus der Römerzeit. «Etwas Vergleichbares ist mir nicht bekannt, das ist ein Knüller», schwärmt Rolf E. Jeker von der «Ernst und Hanna Hauenstein-Stiftung». Sie hat die Gemeinde zur diesjährigen Trägerin ihres Brunnenpreises auserkoren.

Gross ist die Vorfreude bei Stiftungsrat Jeker vor der Preisverleihung vom 9. Mai, zu der übrigens alle eingeladen sind. Vor mehr als fünf Jahren ist er aus dem Raum Zürich ins Spinnereiareal nach Unterwindisch gezogen und hat die Gemeinde mit ihren rund 50 Brunnen längstens in sein Herz geschlossen. Dass Windisch eine valable Preisträgerin wäre, war ihm früh klar. Selber mochte er den Vorschlag im Stiftungsrat erst allerdings nicht einbringen. «Kaum umgezogen, hatte ich etwas Hemmungen.» Die Schönheit des Springbrunnens auf dem Areal Königsfelden mit den vier Putten um den Sockel, der faszinierende Umstand mit der rund 2000 Jahre alten Wasserleitung aber hatten es ihm angetan … und er gab sich einen Ruck.

Bei der Preisverleihung alleine lässt es Jeker nicht bewenden. Der 73-Jährige, der im Berufsleben in der Kommunikations- und Medienbranche tätig war, hat eine 20-seitige farbige Broschüre über die Windischer Brunnen realisiert – mit Aufnahmen von mehreren Fotografen und mit Texten der einheimischen Historikerin Barbara Stüssi-Lauterburg sowie von Carsten Stark und Rahel Göldi vom Legionärspfad. Bei den zahlreichen Rundgängen habe er viel über die Geschichte gelernt, stellt Jeker fest. «Ich habe Windisch noch einmal von ganz neuen Seiten kennen gelernt.»

Das von der Stiftung herausgegebene Werk wird in einer Auflage von 5000 Stück gedruckt und noch vor der Preisverleihung an alle Haushalte in Windisch verteilt. Jeker ist überzeugt, dass sich dieser Aufwand lohnt, dass bei vielen das Interesse und die Freude an den Brunnen geweckt wird. «Vielleicht unternimmt der eine oder andere einmal einen Spaziergang und erkennt dabei die Besonderheiten.»

Die Hauenstein-Stiftung wählt jedes Jahr eine Gemeinde in der Schweiz aus, die mindestens eine prämierungswürdige Brunnenanlage vorweisen kann. Verliehen wurde der Preis erstmals 1996 an die Gemeinde Stadel im Kanton Zürich. Jeker ist seit Beginn mit dabei, setzt sich dafür ein, dass die Preisverleihungen nicht hinter verschlossenen Türen vonstattengehen. Vielmehr werden die Öffentlichkeit, die Vereine und die Kinder mit einbezogen, damit der Stellenwert der Brunnen und des Wassers unterstrichen werden kann. «Es ist faszinierend, wie viele spezielle Brunnen es gibt», sagt Jeker mit ansteckender Begeisterung. Jeder Ort habe seinen eigenen Stil, es seien – beispielsweise beim Blumenschmuck – grosse Unterschiede auszumachen.

Durch die Organisation der Preisverleihungen, um die er sich jeweils zusammen mit den ausgewählten Gemeinden kümmert, sei es über die Jahre zu vielen kurzweiligen, spannenden Begegnungen gekommen. Entstanden seien tolle Aktivitäten sowie immer neue Ideen. 2003, zum Anlass in Scuol im Kanton Graubünden, lud Jeker anlässlich des «Internationalen Jahrs des Wassers» gar den damaligen UNO-Generalsekretär Kofi Annan ein. Dieser habe leider zwar abgesagt – aber mit einem netten, persönlichen Brief wohlverstanden. Kurz: «Es gibt unerhört schöne Erlebnisse und bleibende Eindrücke.»

Heidi Ammon, Gemeindeammann in Windisch, ist gespannt auf die Preisverleihung. «Wasser ist ein wichtiges Gut – ohne Wasser kein Leben –, dem wir die nötige Aufmerksamkeit auch heute noch schenken müssen», führt sie aus. Die römische Wasserleitung sei ein wichtiger Zeitzeuge. «Aber auch die verschiedenen Brunnenanlagen auf dem Gemeindegebiet zeigen auf, dass da, wo eine Brunnenanlage erstellt wurde, sich die Dorfgemeinschaft niederliess und entwickelte.»

Die Hauenstein-Stiftung ermögliche es der Gemeinde, diese Geschichtsaufbereitung in diesem Kontext anzugehen und in Form der Broschüre «Windisch im Wasserschloss der Schweiz» als Ergänzung zur Windischer Geschichte dokumentieren zu dürfen. «Es freut uns deshalb ausserordentlich, dass die Hauenstein-Stiftung dieser Geschichte Beachtung und Wohlwollen entgegenbringt», fasst Heidi Ammon zusammen. «Mit der Überreichung des Brunnenpreises 2015 ermöglicht die Stiftung, dieses Erbe zu pflegen und im Guten weiterzuführen.»

Preisverleihung vor dem Hauptgebäude auf dem Areal Königsfelden am Samstag, 9. Mai, 14 Uhr; von 15 bis 17 Uhr freie Besichtigung der Legionärs-Stationen.

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