Schinznach-Bad

Für hochbetagte Senioren gibt es 24 Plätze mehr im Aargau

Handlauf, Rollstuhl: Die Abteilung für geriatrische Rehabilitation ist bald fertig gebaut.Alex Spichale

Handlauf, Rollstuhl: Die Abteilung für geriatrische Rehabilitation ist bald fertig gebaut.Alex Spichale

Die aarReha Schinznach eröffnet am 1. Februar eine eigenständige Abteilung für hochbetagte Senioren. Den Patienten soll so ein möglichst autonomes Leben in den eigenen vier Wänden ermöglicht werden.

«Ich bin alt und krank. Da lohnt sich eine Rehabilitation für mich nicht mehr.» Wie oft denken das ältere oder hochbetagte Menschen? Etwa, wenn sie an mehreren Krankheiten leiden; die Angst vor dem Pflegeheim an ihnen nagt und sie nicht mehr an eine Zukunft mit Perspektiven glauben. Dabei haben sie eine – zumal in einer stetig alternden Gesellschaft.

Für jene, die im vierten Lebensabschnitt eine Rehabilitation benötigen, bietet die aarReha Schinznach ab 1. Februar eine eigenständige Abteilung für geriatrische Rehabilitation mit 24 Betten an. «Wir hatten stets geriatrische Patienten bei uns», sagt Direktor Beat Schläfli. «Aber wir merkten immer mehr, dass wir ihnen mit einer normalen Therapie nicht gerecht werden. Deshalb bekommen sie jetzt eine Abteilung. Dort sind Personal, Infrastruktur und Behandlungsprozesse spezifisch auf ihre Bedürfnisse abgestimmt.» – «Wir wollen den Patienten dank der Reha wieder ein möglichst autonomes Leben in den eigenen vier Wänden ermöglichen. Viele landen vorschnell im Pflegeheim», ergänzt Thomas Roy, Geriater und medizinischer Leiter der neuen Abteilung. Für Roy steht ausser Frage: «Ja, die geriatrische Reha lohnt sich.»

Geriatrisches Assessment

Der Leitende Arzt verweist auf die im Alter oft diffusen Beschwerdebilder. «Die organspezifische Rehabilitation stösst da an ihre Grenzen. Bei älteren Menschen braucht es eine ganzheitliche, will heissen: physische und psychische Betrachtung und Behandlung.»

Für eine geriatrische Reha müssen gewisse Voraussetzungen erfüllt sein (siehe Box). Alle Patienten durchlaufen ein geriatrisches Assessment. Das heisst: Der Ist-Zustand wird erfasst. Danach folgen eine systematische Bestandesaufnahme de Funktionsfähigkeit in allen Bereichen; standardisierte Tests für alle geriatrischen Schwerpunktbereiche; die multidisziplinäre Erfassung von körperlichen, psychischen, sozialen oder wirtschaftlichen Defiziten sowie das Ermitteln der wesentlichen und der veränderbaren Faktoren. Mit einem Wort: Es wird genau erfasst, welche Faktoren den Patienten von einer selbstständigen Lebensweise trennen. Erst dann können gemeinsame Ziele definiert werden – diese sollen in einem voraussehbaren Zeitraum von vier bis maximal sechs Wochen Rehabilitationszeit erreicht werden. Die Geriatrie-Reha stellt ein interdisziplinäres Team von Ärzten, Pflege- und Therapiepersonal vor Herausforderungen. Marie-Theres Büeler, Leiterin Pflege, erwähnt «die aktivierende Bezugspflege»: «Die Betreuung erfolgt durch möglichst immer gleiche Bezugs-Pflegepersonen. Diese Konstanz gibt den Patienten ein Gefühl von Sicherheit.» Ganz wichtig: «Wir pflegen ‹nicht einfach so›. Wir leiten an zur Selbsthilfe.»

Hoher Aufwand

Der Pflege- und Betreuungsaufwand ist dementsprechend hoch: Auf 24 Patienten entfallen 15 Pflegende. Dass die geriatrische Abteilung auch eine Anpassung der Infrastruktur erheischt, versteht sich. So gibt es etwa ein Weglaufsperren-System, das bei vergesslichen oder dementen Patienten mit Weglauftendenz eingesetzt wird. Auffallend auch dies: Die Patienten der neuen Abteilung bekommen einen eigenen Speiseraum. «Dort können wir ihnen beim Essen helfen, ohne dass sie sich ausgestellt vorkommen müssen.»

Nicht nur die geriatrische Pflege, auch die Rehabilitation ist enorm anspruchsvoll. «Wir müssen umdenken in der therapeutischen Grundhaltung gegenüber älteren Menschen», erklärt Antoinette Blanc, Leiterin Therapien. Öffnet die geriatrische Rehabilitation am 1. Februar in Schinznach-Bad ihre Tore, wird sie im Aargau eine Vorreiterrolle einnehmen. Eine geriatrische Reha gibt es bisher erst in neun Kantonen der Schweiz.

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