Eine Feuerwehrübung der anderen Art: Die Feuerwehr Brugg rettet für einmal nicht die lokale Bevölkerung vor Feuer, sondern zeigt ein Herz für Vögel. Beim Gebäude in Windisch neben dem Bahnhof Brugg, in dem 20 Studenten wohnen, werden total neun Nistkästen für Mauer- und Alpensegler montiert. Das rote Feuerwehrauto lockte Zuschauer an, darunter auch zwei Jungs, die erfolglos das Feuer suchten.

Die Feuerwehr muss den Umgang mit ihren Gerätschaften regelmässig üben. Um Synergien optimal zu nutzen, entstand die Idee vom Verein Naturwerk, die Montage der Nistkästen als Feuerwehrübungen zu nutzen. Im Winter 2016 reichte er auf der Plattform Ideen- und Projektpool des Kantons Aargau das Projekt für gebäudebrütende Vögel ein.

Feuerwehrübung Brugg: Nistboxen montiert

Feuerwehrübung Brugg: Nistboxen montiert

Die Brugger Feuerwehr hat auf dem Campus in Brugg-Windisch während einer Übung Nistboxen für Mauer- und Alpensegler installiert.

Der Kanton sah das Projekt als förderungswürdig an und unterstützt es finanziell. Zivildienstleistende vom Verein Naturwerk haben die neun Kästen aus Holz in Handarbeit erstellt. Innert vier Tagen waren sie von zwei Zivildienstleistenden gefertigt.

Leitfaden entwickelt

Die Umsetzung des Projekts dauerte seine Zeit. Es beinhaltet nicht nur das Eruieren von geeigneten Standorten und das Aufhängen der Nistkästen, es wurde gleichzeitig mit Naturama Aargau ein Leitfaden entwickelt, um andere Naturschutzvereine und Feuerwehren zu ähnlichen Aktionen zu animieren. Mit Erfolg, wie Diego Scholer vom Verein Naturwerk, verrät: «Es gibt weitere Feuerwehrkorps, die uns grundsätzlich zugesagt haben.»

Der Verein Bird Life Brugg hat bereits mit der Feuerwehr Brugg im ähnlichen Stil zusammengearbeitet. Die Aktion am Bahnhof Brugg ist allerdings die erste Kooperation zu dritt von Feuerwehr, Naturwerk und Naturama.

Vielversprechender Standort

Genügend Hohlräume und Nischen sind für die Gebäudebrüter überlebenswichtig. Solche Nischen waren bei alten Häusern automatisch im Dachbereich, auf der Mauerkrone oder im Mauerwerk vorhanden. Allerdings werden diese immer mehr wegsaniert oder mit Insektengittern verschlossen. Mitschuld an dieser Entwicklung ist der Irrglaube, dass die Bausubstanz durch Nistplätze beschädigt wird. Am Studenten-Gebäude der Landi werden total neun Einheiten à je drei Nistkästen für Mauer- und Alpensegler montiert. Am gleichen Gebäude werden zudem Nisthilfen für Mehlschwalben aufgehängt. Der Standort ist ideal: «Bereits jetzt kreisen die Mauersegler ‹suchend› um das Gebäude», stellt Scholer stolz fest.

Ein Nistkasten bietet für zwei Vögel plus deren Nachwuchs Platz. Sie wurden speziell für die etwas grösseren Alpensegler konzipiert, die Mauersegler nehmen die Nisthilfen jedoch genauso an. Solche Kästen benötigen in der Regel keinen Unterhalt. «Die Tiere machen den Unterhalt quasi selber, indem sie entweder rausschmeissen, was sie stört, oder einfach daneben oder darüber nisten», erklärt Scholer. Es empfiehlt sich dennoch, die Kästen alle paar Jahre auszumisten. Gemäss Scholer ist eine Routinefahrt der Feuerwehr mit Bird Life oder Naturwerk denkbar.

Durch den rückläufigen Bestand ihrer Brutplätze kommen die Vögel in Bedrängnis. Heute gelten sie sogar als potenziell gefährdet. Mit dieser Aktion versucht man den schlauen Vögeln – sie vergessen ihren alten Nistplatz nie – einen neuen Nistplatz zu bieten. Da die Segler ihre meiste Zeit in der Luft verbringen und auch in der Luft schlafen, wird ein solcher Kasten nur für kurze Zeit im Jahr besetzt sein.