Mülligen kann künftig, so die Schätzung, mit jährlich 500 000 bis 700 000 Franken rechnen von der Holcim Kies und Beton AG als Entschädigung für die mit dem geplanten Kiesabbau verbundenen Unannehmlichkeiten. Bei den Verhandlungen seien am Schluss sämtliche Forderungen des Gemeinderats erfüllt worden, heisst es in den Unterlagen zur Gemeindeversammlung. Diese entscheidet nächste Woche über die Erweiterung des Kiesabbaus im Gebiet «Lindenacher-Ost» sowie über die notwendige Teiländerung der Nutzungsplanung

Gar nicht einverstanden mit der ausgehandelten sogenannten Inkonvenienzentschädigung ist die IG Mülligen-Birrfed. Diese steht den Plänen der Holcim für die Erweiterung des Kiesabbaugebiets seit längerem kritisch gegenüber, befürchtet negative Auswirkungen auf das Dorf. Die Inkonvenienzvereinbarung, äussert sich die Gruppierung in einem Schreiben überzeugt, sei einseitig und daher an der Gemeindeversammlung zurückzuweisen. Unterzeichnet ist das Schreiben von Ruedy Baarfuss, Bruno Baumann, Walter Leissing, Jürg Schwarz und Alfred Studerus.

Konkret fordert die IG Mülligen-Birrfeld «schon seit längerer Zeit Fr. 1.50/m3 netto, indexiert und ohne jegliche Abzüge». Dieser Preis gelte einerseits für die abgebaute Fläche – inklusive Humus, Roterde und Kies – sowie andererseits für das eingebrachte und bewilligte Auffüllmaterial.

Andere sind wesentlich kulanter

Eine «anständige Entschädigung» verlangt die IG Mülligen-Birrfeld für die Inkonvenienzen wie – unter anderem – Verkehr, Staub, Lärm, Dreck, Abgase, Bodenverschiebungen, Bodenverdichtungen, Grundwasserschutz oder Einschränkungen der Lebens- und Freizeitqualität.

Das Holcim-Angebot für Mülligen von Fr. 0.75/m3 brutto bezeichnet die Gruppierung als unanständig. Es seien dabei noch Abzüge und Ausnahmen vorgesehen. «Andere abbauende Unternehmen in unserer Region sind da wesentlich kulanter und partnerschaftlicher eingestellt.»

Deshalb sei der Gemeinderat Mülligen zu beauftragen, einen für das Dorf besseren Vertrag auszuhandeln, «mit den Auflagen, wie es sich für eine langfristige Vereinbarung gehört». Die IG Mülligen-Birrfeld nennt die Stichworte Dauer, Teuerung, Garantien, Nutzung des Vertragsperimeters, Abrechnung, Fälligkeiten oder Rekultivierungsverpflichtung.

Es wird Sand in Augen gestreut

Die Gruppierung spricht in ihrem Schreiben von einer richtungsweisenden Entscheidung. Denn Holcim wolle das Abbaugebiet massiv erweitern, im ersten Schritt – «Lindenacher-Ost» – um über 20 Hektaren. Die Abbaudauer betrage 15 Jahre, betroffen sei auch Lupfig. Die nächste Abbauphase – «Lindenacher-West» – sei ab 2034 in etwa gleicher Grösse vorgesehen.

Wenn die ehemalige Kornkammer des Kantons zur Kieskammer des Aargaus mutiere, soll die Gemeinde für diese Einschränkungen finanziell spürbar entschädigt und nicht mit Brosamen abgespeist werden, fasst die IG Mülligen-Birrfeld zusammen. «Handeln wir, bevor uns Sand in die Augen gestreut wird und wir nachher sagen müssen, ‹hätten wir doch ...› oder ‹unsere Behörde hat einen gravierenden, irreparablen Fehler gemacht›.»