Brugg

Für den Komponisten ist «Heimat 52» ein Lebenswerk

Im Garten der Theaterbeiz Utopia am Stadtfest Brugg sagt Marc Urech: «Wichtig ist, dass es bald wieder ein Fest gibt – es könnte ein ‹Regionalfest 52› werden.»

Im Garten der Theaterbeiz Utopia am Stadtfest Brugg sagt Marc Urech: «Wichtig ist, dass es bald wieder ein Fest gibt – es könnte ein ‹Regionalfest 52› werden.»

Der musikalische Leiter Marc Urech sagt, wie das grenzübergreifende Theater mit Film, Chor und Ensemble auf Brugger und Windischer wirkt.

Das Theater «Heimat 52», das die Reibereien zwischen Brugg und Windisch thematisiert, ist ein Erfolg. Alle Vorstellungen bis und mit 7. September sind ausverkauft. Nur wer sehr viel Glück hat, bekommt an der Abendkasse im «Odeon» noch ein Ticket, um der Produktion mit Film, Chor und Orchester beizuwohnen. In der am Stadtfest Brugg betriebenen Theaterbeiz Utopia treffen wir Marc Urech zum Gespräch über die Wirkung von «Heimat 52».

Urech ist der musikalische Leiter und Komponist der Theaterproduktion. Der Klarinettist wohnt in Windisch und ist Initiant der Musikwerkstatt Windisch-Brugg, die er seit über 20 Jahren leitet. Er kennt beide Seiten des spannungsvollen Verhältnisses zwischen den beiden Nachbargemeinden.

Das Projekt wurde von Grund auf neu erarbeitet

Seit Urech vor fünf Jahren für die Kompositionen und die musikalische Leitung der ebenfalls erfolgreichen Theaterproduktion «Hinz und Kunz» in Windisch verantwortlich war, hat er bei diversen Projekten mit Regisseur Adrian Meyer zusammengearbeitet. So auch beim Aargauer Beitrag für die Generalstreik-Produktion im Sommer 2018 in Olten.

«Nach der letzten Aufführung von ‹Hinz und Kunz› war schon etwas im Busch für ein weiteres Theaterprojekt in der Region», erinnert sich Urech. Nach Treffen mit grossem Brainstorming bei Co-Produktionsleiter Christian Bolt stand bald fest: Wenn es ein weiteres Projekt geben soll, dann wieder eines, das von Grund auf neu erarbeitet wird. Das Thema Heimat schien dafür geeignet.

«Die Spannungen und Reibungen zwischen Brugg und Windisch kann man musikalisch toll in Szene setzen», sagt Marc Urech zum Reiz, auch bei «Heimat 52» mitzuarbeiten. Es geht um Eigenheiten, welche die Leute prägen. Da das Theater im Brugger Kulturhaus Odeon die Vergangenheit thematisiert und im Hallerbau in Windisch eine Zukunftsvision skizziert, handelt es sich für den Komponisten um zwei Produktionen, die unterschiedlich klingen sollen. Für den 46-Jährigen stellt dieses «unheimlich schöne» Projekt ein Lebenswerk dar. Das hat auch damit zu tun, dass Marc Urech eine spezielle Verbindung zum zweiten Spielort vor seiner Haustür hat: Architekt Fritz Haller war sein Grossonkel.

Die Beteiligten sind über sich hinausgewachsen

Bei der Erarbeitung des Projekts gab es viele Ideen, wie man das Gerangel auf die Bühne bringen könnte. Es sollte ein Konzentrat entstehen, das unterhält, vielschichtig ist und zum Nachdenken anregt. Der Leitung war stets klar: Die Produktion soll nicht nur gut, sondern sehr gut werden. «Das hat uns motiviert und angestachelt, neue Wege zu gehen, an den Szenen und der Musik zu feilen. Der Druck war immer hoch», erzählt Marc Urech, für den im Herbst 2018 die beteiligten Instrumente feststanden.

Ab Januar folgten regelmässige Proben mit dem Chor und separat mit dem Orchester. Im April kamen die Proben mit dem zweiten Orchester dazu. Als Urech bis viermal pro Woche für «Heimat 52» im Einsatz stand, bekamen das seine 8- bis 82-jährigen Musikschüler zu spüren. «Zum Glück sind meine Schüler so flexibel», sagt der Komponist, der sich freut über die von den Teilnehmern entgegengebrachte Wertschätzung und das Urvertrauen in ihn und Regisseur Adrian Meyer.

Urech erlebte hautnah mit, wie die «Heimat 52»-Beteiligten während der Produktion auf natürliche Weise über sich hinausgewachsen sind. Zu seinen Aufgaben gehörte es auch, die Laien auf die Vorstellung «scharfzumachen», indem sie einander beschimpften.

Brugger und Windischer wurden eine grosse Familie

Hinter den Kulissen haben sich zwischen den Teilnehmern aus Brugg und Windisch Freundschaften entwickelt. Die Grenzen haben sich verschoben, eine grosse Familie ist entstanden. Das Orchester 1 hat sich im Februar selbstständig für eine Übungswoche ins Wallis zurückgezogen und organisierte später zu Hause zusätzliche Proben. Für Urech waren vor allem die ersten und letzten Proben spannend, weil er das Potenzial der Mitwirkenden so ergründen und nach einem eindrücklichen Entwicklungsprozess auch geniessen konnte.

Nach neun Vorstellungen stellt Urech erstaunt fest: «Für dieses Projekt haben die Mitwirkenden viel mehr Zeit aufgewendet, als sie zuerst dachten. Nun haben viele der über 80 Mitwirkenden noch nicht genug. Das ist unglaublich.» Wird es ein weiteres Projekt der «Heimat 52»-Macher geben? Der Profimusiker tut sich etwas schwer mit der Antwort und spricht von einem «Mise en Place», von einer Bereitstellung, um Grosses anzurichten. Es scheint auf jeden Fall in einigen Köpfen zu brodeln.

Urechs Blick schweift über den Garten der Festbeiz Utopia. Könnte Brugg und Windisch das nächste Fest gemeinsam durchführen? Wichtig ist für Urech primär, dass es bald wieder ein Fest gibt – es könnte ein «Regionalfest 52» werden.

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