Roger-René Müller und Doris Iten vom überparteilichen Komitee «Nein zur Sportstätte Birr» haben sich verwundert die Augen gerieben über die Aussage des Gemeinderats, dass ihre Argumente nicht korrekt sein sollen. Sie beharren auf ihrem Standpunkt: «Es handelt sich um eine Mogelpackung.»

Der Reihe nach: Vor der Urnenabstimmung über den Kredit von 710 000 Franken sind die Nerven angespannt in der Eigenämter Gemeinde. Letzte Woche gab der Gemeinderat nicht nur bekannt, ein Sparpaket schnüren zu müssen, sondern nahm auch Stellung zur geplanten Sportstätte.

Einer zahlt, der andere kassiert

Bei der Finanzierung derjenigen werde nicht mit offenen Karten gespielt, sind Müller und Iten überzeugt. Für sie beginnt «das haushälterische Sparen immer zuerst beim Investieren». Denn trotz derzeitigen Niedrigzinsen verbleiben beim Bau der Sportstätte der Gemeinde eine Schuld, die irgendwann zu amortisieren sei, sowie die Betriebskosten. «Und wer garantiert uns, dass die Zinsen tief bleiben?» Der Haushalt sei in den Griff zu bekommen und auf nicht notwendige Investitionen sei zu verzichten, ist für sie klar. Auch ohne neues Gebäude – Müller und Iten sprechen von einer Luxuslösung – könne der FC Birr seinen Betrieb aufrechterhalten. «Für den Verein ist das neue Clubhaus nicht von existenzieller Bedeutung.»

Komme hinzu, fahren die beiden Mitglieder des Referendumskomitees fort, dass der Steuerzahler für die Betriebskosten aufkommen müsse, während der FC Birr die Einnahmen von Kiosk oder Festwirtschaft erhalte. Müller vergleicht diese Situation mit einem Fest, «das ich bei mir durchführe und das ich bezahle, bei dem aber mein Nachbar bei den Besuchern das Geld für Speis und Trank einzieht».

Für den Bau der Sportstätte, so wurde in den Unterlagen zur Gemeindeversammlung im Juni dargelegt, sind eigene finanzielle Mittel und Eigenleistungen des FC Birr sowie Beiträge von Sponsoren vorgesehen. «Diese Beiträge sind nicht gesichert», wissen Müller und Iten laut eigenen Aussagen. Bis heute bestehe kein Sponsoringvertrag oder keine Absichtserklärung mit einem Sponsor, keine unterschriebene Vereinbarung zwischen dem Gemeinderat und dem FC Birr. Es würden also, sagen sie, Fakten ins Feld geführt, die weder Hand noch Fuss hätten. «Das ist nicht seriös und der Steuerzahler trägt das Risiko. Das stört uns massiv.»

Eine Tatsache sei dagegen, dass 2007 das Stimmvolk dem FC Birr einen Fussballplatz für 1,2 Mio. Franken genehmigt habe mit der Auflage, dass der Verein für den Bau eines Clubhauses selbst verantwortlich sei und kein Beitrag mehr von der Gemeinde zu erwarten sei. Offenbar hätten der FC Birr und die Gemeinde diese Auflage vergessen, führen Müller und Iten aus. «Oder der Stimmbürger wird an der Nase herumgeführt.»

FC hatte Zeit, Geld zu sammeln

Der FC Birr hätte gemäss den beiden Mitgliedern des Referendumskomitees in den vergangenen neun Jahren die Gelegenheit gehabt, Gelder für eine Sportstätte zu sammeln – beispielsweise mit Sponsoring-Aktivitäten –, um damit eine gesicherte Vorfinanzierung des Projekts zu erreichen. «Der Verein hat es aber verpasst, seine Hausaufgaben zu machen. Er muss endlich Farbe bekennen und seine Absicht bekunden, dass er willens ist, mindestens 80 Prozent des Clubhauses selbst zu finanzieren.»

Am Schluss, fügen Müller und Iten an, profitieren höchstens 180 Kinder, davon etwa die Hälfte aus Birr, von der neuen Sportstätte. Mit dem gegenwärtig diskutierten Sparpaket der Gemeinde allerdings würden Überlegungen angestellt, den Altersausflug nur noch alle zwei Jahre durchzuführen oder auf den Schwimmunterricht für die Schüler zu verzichten. «Von diesen Massnahmen wären mehrere Hundert Personen betroffen», sagen sie. «Wo bleibt da die Verhältnismässigkeit?»

Sie seien nicht gegen den Sport oder den FC Birr, heben Müller und Iten hervor. Auch wollen sie nicht kritisieren, wie das Geschäft vorbereitet und präsentiert wurde. «Wir anerkennen die Arbeit der Projektgruppe.» Aber der Entscheid an der Gemeindeversammlung sei sehr knapp ausgefallen. «Wir haben das Referendum ergriffen, damit sich die Bevölkerung in breitem Masse zum Verpflichtungskredit äussern kann.»

Dass sie die erforderlichen Unterschriften bereits nach kurzer Zeit beisammen gehabt hätten, zeigt ihrer Meinung nach auf, «dass viele Stimmberechtigte nicht einig sind mit dem Vorschlag des Gemeinderats». Dieser habe damals in der Broschüre zur Gemeindeversammlung ausserdem zwar geschrieben, dass er das Vorhaben zwar grundsätzlich als positiv und wertvoll für die Gemeinde beurteile, er sich aber bewusst sei, «dass die aktuelle Finanzlage ein solches Projekt zurzeit eigentlich nicht zulässt». Auf einmal spreche sich die Behörde nun trotzdem für den Neubau aus. Für die Mitglieder des Referendumskomitees ist «dieser plötzliche Sinneswandel suspekt und nicht nachvollziehbar, hat sich die finanzielle Lage doch nicht verändert».