Diese Stücke sorgen für einen musikalischen Ohrenschmaus: «Pomp and Circumstances» wie auch «Armenian Dances» sind zwei Werke aus dem Repertoire der Stadtmusik Brugg. Am Samstag wird sie diese und viele mehr zum Besten geben. Lange haben die Musiker geübt und geprobt bis das Programm für das Jahreskonzert einstudiert war. Der unermüdliche Einsatz hat sich gelohnt und zusammen mit Dirigent Roman Brogli konnten anspruchsvolle Stücke realisiert werden.

Vereine fordern Engagement

Doch nur dank der tatkräftigen Unterstützung der Musikgesellschaft Eintracht Windisch kann das Jahreskonzert überhaupt durchgeführt werden. Gerade mal die Hälfte der rund 40 Musikanten sind Aktiv-Mitglieder der Stadtmusik Brugg. Der Rest stammt entweder aus der Musikgesellschaft Eintracht Windisch oder aus dem Bekanntenkreis.

Die leeren Plätze in den Reihen der Stadtmusik sind nicht einfach zu füllen. Seit vielen Jahren hat sie mit Nachwuchsproblemen und einer sinkenden Anzahl Mitglieder zu kämpfen. Gründe dafür gibt es mehrere, sagt Max Kuhn, Vizepräsident der Stadtmusik Brugg. «Leider sind viele potenzielle Mitglieder nicht mehr bereit, Aufgaben zu übernehmen, die das Vereinsleben mit sich bringt. Es fehlt an Engagement und Zeit.»

Einen weiteren Grund sieht er in der Dauer der Musiklektionen an den Schulen. Diese müssten seiner Meinung nach länger sein. Eine ganze Stunde bräuchte es mindestens für einen nachhaltigen Lerneffekt. «Möchten Eltern ihre Kinder in eine längere Lektion schicken, müssten sie tief in die Tasche greifen», sagt Max Kuhn. «So findet bereits unabhängig von den Fähigkeiten des Kindes eine Selektion statt».

Dabei schaffe die Mitgliedschaft vor allem für junge Menschen eine Perspektive und sie können in der Musik Gleichgesinnten begegnen. «In einer Welt, in der sich vieles nur um Konsum dreht, übernehmen die Vereine eine wichtige gesellschaftspolitische Aufgabe, indem sie Werte wie Geselligkeit und Kameradschaft ausleben und fördern.»

Als Apotheker sieht Max Kuhn neben der positiven Wirkung auf die Psyche auch die medizinischen Vorteile. Denn das gemeinsame Musizieren bewirkt im menschlichen Hirn so einiges: Die kognitive Leistung wird angeregt und gefördert, die Nervenzellen vernetzt, was wiederum das Gehirn stimuliert. «Die Wechselwirkung mit dem Publikum sorgt für eine einzigartige Stimmung und viel Freude», fügt er begeistert hinzu.

Fusion ist schwierig zu realisieren

Eine Fusion mit einer anderen Musikgesellschaft aus der Umgebung steht schon lange zur Diskussion, allerdings wäre damit gemäss Kuhn das Nachwuchsproblem nur kurzfristig gelöst. Anders als die Stadtmusik Brugg ist die Musikgesellschaft Eintracht Windisch dank einem Nachwuchsförderprogramms nicht von einer rückläufigen Mitgliederanzahl betroffen. Gemäss Simon Betschmann, Präsident der Eintracht Windisch, gäbe es bei einer Fusion einiges zu beachten. So spielen auch historische Vorbehalte eine Rolle.

Eine Zusammenarbeit ist auch dann nicht einfach, wenn die Dorfmusik tief im Dorf verankert ist und ihre eigene Struktur und Philosophie hat. Diese Meinung teilt die Stadtmusik Brugg. Aber: «Obwohl jeder Verein über sein eigenes Repertoire verfügt, ist es umso schöner, wenn gemeinsame Werke und Projekte, wie zum Beispiel das Jahreskonzert, realisiert werden können», sagt Max Kuhn. Die hohen Anforderungen des renommierten Dirigenten und Berufsmusikers Roman Brogli an seine Musikanten dürften für ein stimmungsvolles und besonders hochkarätiges Jahreskonzert 2015 sorgen.