Von einem prunkvollen Kronleuchter und edlen Tapeten hat Iren Bärtschi schon lange geträumt. Nun hat sie sich diesen Traum an der Hauptstrasse 29 in der Brugger Altstadt erfüllt. Die 48-Jährige mag es charmant und ein wenig romantisch. Das zeigt sich nicht nur an ihrem selber genähten Jäckchen mit dem raffinierten Kragen, das sie an diesem Tag trägt. Bärtschi hat dem ehemaligen Glacé- und Geschenkladen von Grund auf einen neuen Anstrich gegeben. Schicht um Schicht wurden in den letzten Monaten die Spuren aus der Vergangenheit abgetragen. Entstanden ist ihr «Prunkstück», das diesen Namen verdient.

Es ist Iren Bärtschis Liebe zum Detail sowie ihre Leidenschaft für schöne Stoffe, stilvolle Schmuckstücke, Taschen und Tücher, die sich durch ihr Modegeschäft ziehen. Und zwar vom Schaufenster über die Regale mit der Frühlingskollektion bis zum Nähatelier im hinteren Teil des «Prunkstücks». Hier entstehen selbst kreierte und genähte Stücke, die mit eingekauften Kollektionen kombiniert werden. Das Nähen hat sich Bärtschi vor rund
20 Jahren selber beigebracht.

10 Prozent Eigenkreationen

Heute machen ihre Modelle mit der persönlichen Note rund 10 Prozent ihres Sortiments aus. «Es macht mir Spass, dass ich mit dem Schritt in die Selbstständigkeit auch meine kreative Seite ausleben kann», sagt sie und strahlt. Die Mutter einer 17-jährigen Tochter konzentriert sich auf Kleider in den Grössen 34 bis 40. «Für mich ist es spannend zu sehen, ob die Modelle auch in anderen Grössen als in 36, wie ich sie trage, funktionieren», so Bärtschi weiter und holt ein einfach geschnittenes Seidentop mit Stickerei aus dem Regal. Dabei handelt es sich fast um ein Unikat. «Ich kaufe diese schönen Stoffe nicht im grossen Stil ein und will auch nicht, dass zehn Frauen in Brugg mit dem gleichen Kleidungsstück herumlaufen», sagt sie auf die Frage, wie gross die Auflage ist.

Nach einer kaufmännischen Lehre auf einer Bank stieg Bärtschi mit 23 Jahren bei ihrer Mutter in der Boutique Fil à Fil ein – ebenfalls an der Hauptstrasse in Brugg. Bärtschi machte sich dafür stark, dass im Modegeschäft nicht nur grosse Grössen, sondern mit der Zeit auch kleine angeboten wurden. Irgendwann verspürte sie den Wunsch nach einer neuen Herausforderung. Die Zeit war reif für eine Laufbahnberatung. Um Weihnachten 2013 seien ihr «einige Lämpchen aufgegangen» und sie beschloss, unabhängig vom «Fil à Fil», das in der Zwischenzeit verkauft wurde, ein eigenes Geschäft zu eröffnen.

Café Frodolin wird vermisst

Für Bärtschi war immer klar, dass sie ihre kleine, feine Modeboutique in Brugg eröffnen will. «Mir gefällt die Altstadt, aber ich alleine kann sie nicht beleben», sagt sie und ist froh, dass es andere Lokale mit Charme gibt. Die Geschäftsinhaberin weiss auch, was noch fehlt: «Das Café Fridolin sollte unbedingt wieder aufgehen.» Im nahen «Rössli» kann sie sich ein «Bed and Breakfast» mit einer gemütlichen Bar wie im «Odeon» oder den neuen Standort der Stadtbibliothek vorstellen.