Windisch
Früher haben Casimir und Suzanne Schäffler im Altersheim gelebt

Casimir und Suzanne Schäffler haben 23 Jahre lang das Altersheim Lindenpark geleitet. Und obwohl die beiden 84- und 82-Jährigen längst im Ruhestand sind, geben sie erst in diesen Tagen ihre letzten Ämter ab.

Carolin Frei
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Casimir und Suzanne Schäffler wollen noch möglichst lange in der eigenen Wohnung leben. Nur die Fenster putzen sie nicht mehr selber.

Casimir und Suzanne Schäffler wollen noch möglichst lange in der eigenen Wohnung leben. Nur die Fenster putzen sie nicht mehr selber.

Mario Heller

«Bis vor einem Monat hat meine Frau noch im Service im Lindenpark mitgeholfen», sagt Casimir Schäffler. Doch nun, mit 82 Jahren, wolle sie definitiv kürzertreten. Kürzer treten will auch er. «An der nächsten GV werde ich als Vorstandsmitglied bei der Alzheimer Vereinigung meinen Austritt geben», sagt der rüstige 84-Jährige. Er wolle Jüngeren Platz machen.
Damit legt er dann das letzte Amt, das er noch innehatte, nieder. 24 Jahre lang war er zudem Einwohnerrat, 10 Jahre lang Schulpflegepräsident und bis 2013 im Vorstand der Spitex Windisch. Nicht genug.

Er zeichnet zusammen mit zwei Kollegen auch für «das kleine Zeichen» verantwortlich – noch heute. Das kleine Zeichen ist eine Windischer Spezialität. «Vor gut 20 Jahren beschlossen wir, von unserem Einkommen pro Franken je einen Rappen zugunsten der Aktion ‹Kleines Zeichen› zu spenden.» Mit diesen Daueraufträgen und weiteren Spenden auf ein Konto bei der Raiffeisenbank Wasserschloss wird die Aktion finanziert.
Das Ganze ist jedoch kein Verein, es gibt keine Statuten, keinen Vorstand und somit auch keine Spesen. Der Betrag kommt vollumfänglich dem Sozialdienst Windisch zugute. «Nur der Sozialdienst kann auf das Konto zugreifen und nur für Hilfeleistungen, die nicht von Gesetzes wegen vorgeschrieben sind», betont der 84-Jährige. Darunter falle etwa ein Zustupf für Kleider, für einen Kinderwagen oder Kinderbett, für Musikunterricht, ein Kinderlager, Hygieneartikel oder ein Halbtax-Abo als Entlastung.

Für Familien oder Alleinerziehende, die am Existenzminimum leben, können bereits kleinere finanzielle Zusatzbelastungen ein grosses Problem sein. «Beim Zustupf gehts um Dinge, die notwendig, aber gesetzlich nicht vorgeschrieben sind und somit vom Sozialdienst nicht bezahlt werden dürfen. Ausser, sie nehmen das Geld vom Konto «das kleine Zeichen», sagt Schäffler. Noch heute gehört Casimir Schäffler zu den Spendern. 2015 kam die stolze Summe von 7500 Franken zusammen. «Wir sind dankbar für diese Unterstützung», sagt Priska Schreiber, Leiterin Sozialdienst.

Bewohner blieben bis zu 20 Jahre

Das Ehepaar Schäffler kann auf ein bewegtes Leben zurückblicken. Der gelernte Elektromechaniker, Pflegefachmann, Erwachsenenbildner und Lebensberater hat auch ein Handelsdiplom und eine Homöopathie-Ausbildung in der Tasche. Suzanne Schäffler hat nebst ihrer Ausbildung zur Krankenschwester noch die Heimleiterschule besucht. Von 1976 bis 1998 haben die beiden das Altersheim Lindenpark geleitet. «Damals kamen die Senioren ins Heim, als sie noch rüstig waren. Es gab Bewohner, die bis zu 20 Jahre bei uns waren», sagt Suzanne Schäffler.

Im Sommer wurden immer wieder kleine Feste gefeiert, ein Bierfass organisiert und Würste grilliert. Im Winter wurde Glühwein gebraut und dazu Weihnachtslieder angestimmt. «Wir lebten im Heim, haben den Alltag mit den Bewohnern gestaltet», sagen die beiden. Heute sei das anders, nicht mehr so familiär. Das läge an den neuen Strukturen, neuen Gesetzen. «Früher konnte man sich für die Pensionäre Zeit nehmen. Das Administrative hielt sich in Grenzen. Das Menschliche hatte viel Platz, im Gegensatz zu heute.» Dies sei nicht als Vorwurf an das Personal oder die Heimleitungen zu verstehen. Das Ehepaar weiss, dass es heute einfach anders läuft, die Kosten den Heimbetrieb diktieren. «Wir wünschten uns, dass dies wieder ändern würde – mit neuen Gesetzen.»

Wünschen würden sich die beiden auch mehr Nachbarschaftshilfe. Allerdings müssen die betagten Nachbarn auch bereit sein, Hilfe anzunehmen. Das falle vielen schwer, sagen Schäfflers. Im Moment lebt das rüstige Paar noch in der eigenen Wohnung, besorgt den Haushalt selber. «Nur die Fenster, die putze ich nicht mehr», sagt Suzanne Schäffler lachend. Und so lange wie möglich, möchte sie mit ihrem Mann in der Wohnung bleiben. Dann drückt sie ihm einen Kuss auf die Wange und macht sich auf, um mit einer Kollegin den ersten Frühlingstag spazierenderweise zu geniessen.