Windisch

Fristlose Kündigung vor Stellenantritt: Hat die Schule Windisch ein Problem mit Freikirche-Angehörigen?

Blick auf die Schulanlage Dohlenzelg in Windisch. (Archivbild)

Blick auf die Schulanlage Dohlenzelg in Windisch. (Archivbild)

Die Schulpflege Windisch geriet bereits vorletzte Woche in die Schlagzeilen, weil sie auf einen Schlag zwei Mitgliedern ihre Ressorts entzogen. Der Grund wurde nicht bekanntgegeben. Nun scheint eine Kündigung mit zweifelhafter Begründung ausgesprochen worden zu sein.

Die Schulpflege Windisch hat vor zehn Tagen dem Vizepräsidenten Suad Maliqi und der Schulpflegerin Zeynep Karavus sämtliche Ressorts entzogen. Über die Gründe wurde Stillschweigen vereinbart. Karavus war seit den Sommerferien neu für das Krisen- und Konfliktmanagement zuständig. Dazu gehörten Rekursverfahren, Disziplinarwesen sowie die Schulsozialarbeit. Maliqi kümmerte sich um das Personalwesen, die Organisationsentwicklung sowie die assoziierten Schulen. Dies beinhaltete Personalführung der Schulleitungen, Personalprozesse, Organisationsentwicklung sowie Musikschule und HPS.

Vor einigen Wochen war die Schulsozialarbeiterstelle (80%) zur Neubesetzung ausgeschrieben. Bewerbungen gingen ein, Vorstellungsgespräche wurden geführt und ein Mann ausgesucht. Der Vertrag wurde an einem Dienstag im November unterschrieben. Am Donnerstag der gleichen Woche habe der ehemalige Bewerber eine E-Mail erhalten, dass die Stelle sistiert wurde, teilt eine Person, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will, der AZ mit.

Am darauffolgenden Samstag ging beim ehemaligen Bewerber nochmals eine Mail ein mit der Mitteilung, dass ihm fristlos gekündigt wurde. Die Begründung dafür sei, dass er einer Freikirche angehöre, lautet der Vorwurf. Die Person, die sich bei der AZ gemeldet hat, vertritt die Auffassung, dass diese fristlose Kündigung missbräuchlich war. Der Stellenantritt des neuen Schulsozialarbeiters wäre am 2. Dezember gewesen.

Bei Vertragsunterzeichnung fehlten noch Unterlagen

Was sagt die neue Schulpflegepräsidentin Isabelle Bechtel zu diesem Fall? Sie bestätigt, dass der Ablauf den Schilderungen entspricht. Zur Sistierung sei es gekommen, weil wesentliche Unterlagen bei der Vertragsunterzeichnung noch nicht vorlagen und weil in der Zwischenzeit Hinweise zur Wertehaltung des Kandidaten eingetroffen seien.

Als Beispiele für fehlende Unterlagen nennt Bechtel den Strafregisterauszug und den Auszug aus dem Sonderregister, die zwingend zu den Standards bei der Anstellung von pädagogisch wirkendem Personal gehören. «Der ehemalige Bewerber um die Stelle der Schulsozialarbeit wurde zum rechtlichen Gehör eingeladen und nach Auswertung dieses Gesprächs haben wir uns entschieden, die Kündigung auszusprechen», präzisiert die Schulpflegepräsidentin.

Es bestünden von Arbeitgeberseite erhebliche Annahmen, dass die erkennbar gewordenen Wertehaltungen die Zusammenarbeit im Schulbetrieb wesentlich beeinträchtigen können. Wie von einer vertraulichen Quelle zu erfahren ist, sei der Kandidat nicht gegoogelt worden. Ansonsten hätte man schnell gemerkt, dass der Bewerber in den sozialen Medien schon auf Veranstaltungen hingewiesen hat von Rolf Rietmann, der von sich behauptet, dass er Homosexuelle in die Heterosexualität führen kann.

Laut Isabelle Bechtel kam es zur Kündigung aufgrund mangelnden Vertrauens. Der Grund sei nicht die Tatsache, dass der Mann einer Freikirche angehöre. Die zugetragenen Hinweise auf Wertehaltungen, die nicht vereinbar seien, einerseits mit dem Berufskodex der Sozialen Arbeit, andererseits mit der offenen Wertehaltung der Schule Windisch, hätten den Vertrauensverlust bewirkt. Die gesetzlichen Fristen seien bei der Kündigung eingehalten worden. Als neuer Schulsozialarbeiter tritt Valentin Blum per 1. April seine Stelle in Windisch an.

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