Brugg
«Friend 'n Fellow» lassen die ganze Urkraft der Musik erklingen

«Als ich heute über die Brücke kam und in der Ferne das Salzhaus sah, fühlte ich mich zuhause»,sagte Thomas Fellow beim Konzert in Brugg. Das deutsche Duo trat schon zum dritten Mal im Salzhaus auf.

Ursula Burgherr
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Constanze Friend und Thomas Fellow leben ihre Musik auf der Bühne im Salzhaus.

Constanze Friend und Thomas Fellow leben ihre Musik auf der Bühne im Salzhaus.

Ursula Burgherr

Mit ihrem langen afrikanischen Batik-Kleid ist Constanze Friend ein absoluter Blickfang. Und wenn sie dann mit ihrer tiefen, wie auf Samt gebetteten Stimme Nina Simones Oldie «My Baby Just Cares For Me» zu singen beginnt, verströmt sie pure Sinnlichkeit. Dazu kommen die virtuosen Gitarrenfiguren von Thomas Fellow, der mit seinem polyphonen Saitenspiel eine ganze Band zu ersetzten vermag. Immer wieder sieht man im Salzhaus-Publikum ungläubiges Kopfschütteln ob soviel Virtuosität und Hingabe auf der Bühne.

Coverversionen wie «Sunny» oder «I still haven’t found what I’m looking for» klingen viel beseelter und emotionaler als die Originale. Aber auch eigene Kompositionen wie «I am» sind von betörender Schönheit. Leichtfüssig springen «Friend ’n Fellow» hin und her zwischen Jazz und Blues, zwischen treibendem Funk und gefühlvollem Soul. Je nach Publikum und Stimmung ändern sich die Nuancen in einem Song. «Es ist wie beim Kochen», erklärt Thomas Fellow, «dasselbe Gericht schmeckt jedes Mal etwas anders; kommt ganz darauf an, wie man es zubereitet und würzt.»

Obwohl das Duo schon im Vorprogramm von Ray Charles und Luther Allison grosse Konzerthallen bespielte, sind ihm kleine Bühnen wie diejenige im Salzhaus, lieber. «Wir brauchen diese Intimität», sagt Ausnahmemusiker Thomas, der auch im European Guitar Quartet mitspielt und an der Hochschule Dresden Dozent für Gitarre ist.

Nach einer Pause, in der Constanze nach Ghana, dem Heimatland ihres Vaters reiste, gehen sie nun auf Europa-Tournee. Dabei sollen auch Aufnahmen für die neue Doppel-CD entstehen. Bereits acht Alben haben sie zusammen eingespielt und seit ihrer Gründung 1991 über 1000 Konzerte in Europa, Asien und den USA gegeben. Und obwohl die Presse «Friend ’n Fellow» als «etwas vom Besten, was Deutschland derzeit zu bieten hat», bezeichnet, gelten sie immer noch als Geheimtipp.

In Brugg gastieren sie schon das dritte Mal. Zu verdanken ist das Hanspeter Stamm vom Singer/Songwriter-Team im Salzhaus, der immer wieder brillante und absolut einzigartige Künstler auf die Bühne bringt. «Wir mögen diese Stadt, weil sie klein und persönlich ist», meint Thomas, «viele Musiker denken, New York sei das Ziel ihrer Träume. Und dann lernen sie bei ihrem Gig nur das Hotel und irgendeine unspektakuläre Bühne kennen.