Villigen
«Freunde nennen mich Hühnermami»

Nina Waser hat für ihre Maturarbeit Hühner aufgezogen und auch dressiert. Jetzt weiss sie: «Die Beleidigung ‹dummes Huhn› stimmt nicht.»

Sandra Ardizzone
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Einen Hut entwerfen, ein Lied oder ein Märchen schreiben: Während ihre Schulkameraden traditionelle Themen für ihre Maturarbeiten wählten, hat Nina Waser ein Projekt in Angriff genommen, das es an der Kantonsschule Wettingen so noch nie gegeben hat. Nina Waser hat Hühner dressiert. «Die Idee kam mir durch die Migros-Werbung mit dem Huhn Chocolate. Da hab ich mir gedacht: Das kannst du auch», erklärt Waser ihre Motivation für die ungewöhnliche Aufgabe.

Im Mai kaufte sich Waser deshalb zwei Küken. «Ich war erstaunt, dass ich ein braunes und ein weisses Huhn erhalten habe. Ich hatte zwei weisse bestellt», sagt die Kantonsschülerin. Heute würde sie die mittlerweile ausgewachsenen Hühner nicht mehr umtauschen, selbst wenn sie könnte: «Die beiden sind unzertrennlich.» Für ihre Matuarbeit wollte Nina Waser, dass die Hühner gezielt durch ein Labyrinth aus Schuhkartons laufen, um ihr Futter zu finden. Damit dies gut klappt, übte sie das Labyrinth bereits mit den Küken dreimal täglich. Dabei arbeitete die Maturandin mit Legosteinen. «Hühner reagieren auf eine Signalfarbe wie Rot», erklärt Waser, «deshalb habe ich ihnen rote Legosteine vorgelegt, denen sie folgen müssen.»

Neuer Platz für die Hühner

Dass das Experiment funktioniert, hätte weder die Betreuerin noch die 20-Jährige selbst gedacht. «Zeitweise blieben die Hühner einfach stehen und hörten Radio, anstatt das Labyrinth abzulaufen», erzählt Waser lachend. Während Wochen war die Villigerin vor allem mit der schriftlichen Arbeit beschäftigt, die sie Ende Oktober abgegeben hat. Nun, da ihre Maturarbeit abgeschlossen ist, wird sie die Hühner aufgeben müssen. «Meine Eltern wollen nicht, dass ich sie behalte», sagt die Kantischülerin. Ein Plätzchen haben die beiden aber schon gefunden: Nina Wasers Schwester backt gerne und kann die Eier gut gebrauchen. Sie hat die beiden Hühner bei sich aufgenommen.

Nach der Matur will Waser Sportwissenschaften studieren. Von den Hühnern hat sie vorläufig genug: «Es war eine lässige Arbeit, aber auch ein grosser Aufwand.» Sie habe aber viel gelernt: «Jetzt weiss ich: die Beleidigung ‹dummes Huhn› stimmt nicht.»