Vielen Erwachsenen, die er als Kinder über Jahre hinweg, oft schon von Geburt an begleitet hat, begegnet er heute wieder. Die Rede ist von Paul Huber.

Seit drei Jahren ist der 75-Jährige jeweils am Donnerstagvormittag im Kindergarten-Provisorium Freudenstein an der Museumstrasse in Brugg als Senior im Klassenzimmer anwesend. Seine Motivation für das ehrenamtliche Engagement hat Huber schnell erklärt: «Ich hatte ‹Heimweh› nach den Kindern.» Fast sein ganzes Leben hat er mit ihnen zu tun, engagiert sich schon als junger Erwachsener in Jugendsportorganisationen und später als Sportarzt bei den Kunstturnern. «Von Anfang an war klar, dass ich Kinderarzt werden wollte. Ich habe mir mit meinem Beruf einen Traum erfüllt», sagt Huber, ein Auge auf ein Mädchen gerichtet, das gerade einen Apfel in Schnitze schneidet.

In den Kindergarten Freudenstein ist er sozusagen durch die Hintertür gekommen. «Ich habe mich nicht über den offiziellen Weg bei der Pro Senectute gemeldet, sondern bin direkt mit Kindergärtnerin Florence Nüesch in Kontakt getreten», sagt Huber. Er war auch Nüeschs Kinderarzt, kennt sie von Geburt an. Am Zapfenstreich des Brugger Jugendfests hätten sich die beiden getroffen und seien sich einig geworden, zusammen das Projekt «Generationen im Klassenzimmer» anzugehen.

Freund, kein Grossvater

«Das Alter von vier bis sechs Jahren finde ich faszinierend. Dann haben Kinder so viel Fantasie und Kreativität, sind so begeisterungsfähig und spontan», sagt Huber und schneidet Kerngehäusereste aus Äpfelschnitzen. «Der Umgang mit Kindern ist so viel spontaner und einfacher als mit Erwachsenen», hält er fest. Selber hat Huber vier Enkelkinder. Als Grossvater für die Kindergartenkinder will er aber nicht gelten, sondern als Freund, als Vertrauter. «Paul kann sich auf ein einzelnes Kind konzentrieren, kann sich separieren. Das kann ich nicht, wenn ich alleine mit 20 Kindern bin», sagt Florence Nüesch. Huber sei da, um mit den Kindern zu lesen, ihnen zuzuhören, sie zu trösten, zu schlichten und ihnen Sicherheit zu geben.

Huber ist überzeugt, dass im Kindergarten die Hauptarbeit an Integration von Migranten geleistet wird. «Wir haben hier Kinder so vieler unterschiedlicher Nationen. Mit einem chilenischen Mädchen spreche ich manchmal der Einfachheit halber Spanisch, das ich fliessend beherrsche», erzählt Huber. Im Kindergarten werden den Kindern nicht nur die deutsche Sprache, sondern auch schweizerische Traditionen vermittelt. Das sei manchmal im ersten Moment schwierig. «Wie soll man den Kindern erklären, was der Samichlaus ist, wenn weniger als 50 Prozent von ihnen Christen sind?» Doch die Eltern seien bereit, dabei mitzumachen, und auch die Kinder hätten Freude.

Pflaster gibts vom Arzt

Mittlerweile sitzen die Kinder zufrieden vor ihren Znüniböxli, und Paul Huber und Florence Nüesch haben Zeit für einen Kaffee. «Es beruhigt mich schon, zu wissen, dass mit Paul ein Kinderarzt anwesend ist», erzählt Nüesch. Passiert sei zwar zum Glück noch nie etwas Gröberes. «Aber wenn jemand ein Bobo hat und ein Pflaster braucht, gehen sie immer zu Paul. Der verpflastert sie mit viel Brimborium, das gefällt den Kindern.» Paul Huber findet, seine Tätigkeit als Kinderarzt habe zudem geholfen, Vorurteile abzubauen. «Gerade wenn man sich als Mann im Kindergarten engagieren will, sind viele zuerst skeptisch. Aber ich kenne von einigen Kindern noch die Eltern aus meiner Zeit als Kinderarzt. Das hilft, Vertrauen zu schaffen.»

Huber kann seine ehrenamtliche Tätigkeit nur jedem weiter empfehlen. «Diese Vormittage im Kindergarten halten mich jung», sagt er. Voraussetzungen für das Engagement als Senior im Kindergarten oder Schulzimmer braucht es laut Huber keine besonderen. «Man sollte emphatisch sein und einen guten Bezug zu Kindern haben. Hat man Talente, etwa im handwerklichen und künstlerischen Bereich, kann man diese gezielt einsetzen und etwa bei Werklektionen dabei sein.» Schon will ein Kind wieder seine Aufmerksamkeit und flugs ist Paul Huber ganz in seinem Element.

Infos zum Engagement als Senior im Klassenzimmer erhalten Sie bei der Pro Senectute Aargau, Tel.: 056 203 40 89.