Brugg
Freiwilligenarbeit im Asylbereich: «Weitere Sportangebote sind immer willkommen»

Ulrike Kirschbaum organisiert die Freiwilligenarbeit im Asylbereich und sagt, wo noch Bedarf besteht.

Janine Müller
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Kulturschule für Asylsuchende Ein Übersetzer für Tigrinya - einer der eritreischen Sprachen - ist ebenfalls vor Ort.
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Kulturschule für Asylsuchende Die Teilnehmenden lauschen gespannt den Ausführungen zu den Themen Gesundheit, Alkohol und Feiertage.
Kulturschule für Asylsuchende Pflegefachfrau Judith Jung spricht über das Schweizer Gesundheitssystem sowie über das Thema Alkohol.
Kulturschule für Asylsuchende Gespannt lauschen die Teilnehmenden den Ausführungen.
Kulturschule für Asylsuchende Hin und wieder tauchen Fragen auf.
Kulturschule für Asylsuchende Das Unterrichtsmaterial ist verständlich aufbereitet.
Kulturschule für Asylsuchende Gespannt lauschen die Teilnehmenden den Ausführungen.
Kulturschule Brugg Interview
Kulturschule für Asylsuchende Gespannt lauschen die Teilnehmenden den Ausführungen.
Kulturschule für Asylsuchende In der Pause gibt es etwas zu essen und zu trinken, es bleibt auch Zeit, sich über das Gelernte auszutauschen.
Kulturschule für Asylsuchende In der Pause gibt es etwas zu essen und zu trinken, es bleibt auch Zeit, sich über das Gelernte auszutauschen.
Kulturschule Brugg Die Teilnehmer der Kulturschule Brugg erhalten die Bestätigung.
Kulturschule Brugg Die Teilnehmer der Kulturschule Brugg erhalten die Bestätigung.

Kulturschule für Asylsuchende Ein Übersetzer für Tigrinya - einer der eritreischen Sprachen - ist ebenfalls vor Ort.

Alex Spichale

Ulrike Kirschbaum, was hat dazu geführt, dass die Angebote für Asylsuchende in der Region Brugg nun von Ihnen koordiniert werden?

Ulrike Kirschbaum: Der Regierungsrat beschloss 2016 verschiedene Massnahmen zur Unterstützung der Gemeinden bei der Integration von Asylsuchenden. Bis Frühjahr 2017 sind vom Kanton sieben Koordinationsstellen für Freiwilligenarbeit in den verschiedenen Regionen eingerichtet und aktiv geworden. Ich betreue im Auftrag der römisch-katholischen Kirchgemeinde Brugg die Region Brugg-Windisch, aber auch Gemeinden darüber hinaus. Die Koordinationsstelle ist Ansprechstelle für Gemeinden, Betreuende von Asylsuchenden in den Unterkünften sowie für Freiwillige und Freiwilligenorganisationen, die sich in diesem Bereich engagieren möchten.

Warum war diese Koordinationsstelle notwendig?

Es gibt viele verschiedene Stellen, die sich um Asylsuchende kümmern. Es fehlten jedoch der Überblick und der Austausch über die bestehenden Angebote und den eventuell zusätzlichen Bedarf an Beschäftigungs- und Betreuungsmöglichkeiten. Die Koordinationsstelle schafft Überblick, vermittelt, bietet Informationen an oder ergreift die Initiative, wo Bedarf ist. Sie bündelt die Freiwilligenaktivitäten für Asylsuchende in der Region.

Freiwillige gesucht

Interessieren Sie sich für Freiwilligenarbeit im Flüchtlingsbereich? Melden Sie sich bei Ulrike Kirschbaum, Leiterin Koordinationsstelle für Freiwilligenarbeit im Flüchtlingsbereich Region Brugg, c/o Kath. Kirchgemeinde Brugg. Tel.: 078 404 46 41. Oder per E-Mail: freiwillige-fuer-fluechtlinge-brugg@gmx.ch

Was hat sich mit dieser Koordinationsstelle verbessert?

Auf der einen Seite wird die Koordinationsstelle in der Öffentlichkeit bekannter und fördert gezielt die Vernetzung der Beteiligten. Sie steht in engem Kontakt mit Betreuern und bestehenden Organisationen, wie zum Beispiel dem grössten Anbieter für Gratis-Deutschkurse, dem vom Netzwerkasyl Aargau geführten «Contact» im Pic in Brugg. Die Stelle vermittelt zusätzliche Freiwilligeneinsätze und bei Bedarf werden auch gezielt neue Projekte angestossen.

Können Sie Beispiele nennen?

Ein Freiwilligenaufruf in Schinznach-Dorf im Sommer 2017 hat zum Beispiel die Einrichtung eines wöchentlichen Deutschkurses für die dort lebenden Asylbewerberinnen aus Eritrea ermöglicht. In Villigen, Rüfenach, Riniken werden Freiwillige sich in engem Kontakt mit den Gemeinden um die Asylsuchenden in ihren Wohnorten kümmern.

Wie wird die Koordinationsstelle finanziert?

Die Koordinationsstellen werden alle aus dem Swisslosfonds finanziert und sind vorläufig auf drei Jahre, 2017 bis 2019, befristet. Die Stelle in Brugg umfasst 25 Stellenprozente.

Warum sind es vor allem kirchliche Organisationen, die sich für die Integration von Asylsuchenden einsetzen?

Die regionalen Koordinationsstellen sind bei sehr unterschiedlichen Organisationen angegliedert worden. Nur für die Region Brugg führt die römisch-katholische Kirchgemeinde die Stelle im Auftrag des Kantons. Alle Organisationen setzen sich gemeinsam für die Integration von Menschen in unserem Umfeld ein, damit ein friedliches und positives Miteinander gefördert wird. Die katholische Kirche unterstützt im Sinne der Nächstenliebe. Das bedeutet, dass die Kirche Solidarität im Alltag fördert, Menschen über Grenzen hinweg zusammenführt, sie zur Verantwortung gegenüber anderen ermutigt und zum gemeinsamen Teilen aufruft.

Inwiefern kann der christliche Hintergrund allenfalls die Arbeit mit Asylsuchenden auch behindern?

Grundsätzlich sollen Freiwilligenangebote religionsneutral sein. Kirchliche Angebote, auch von Freikirchen, stehen in der Regel allen Interessenten aller Religionszugehörigkeiten ohne Vorbehalt offen und umfassen meiner Erfahrung nach keinen Missionierungsauftrag. Sofern die Missionierung dennoch ein wichtiger Teil der Unterstützung sein sollte, muss dies den Asylsuchenden sehr deutlich gemacht werden.

Was für Angebote fehlen aus Ihrer Sicht in der Region Brugg noch?

Sehr hilfreich wäre ein weiterer wöchentlicher Termin mit Deutschkursen, zum Beispiel in Brugg oder Windisch, zusätzlich zum sehr gut angenommenen Angebot des «Contact» im Pic am Montagnachmittag. Auch ein zusätzlicher Treffpunkt für regelmässige, unkomplizierte Kontakte mit Einheimischen könnte mit Freiwilligen aufgebaut werden.

Grundsätzlich sind weitere lokale Direktkontakte oder Patenschaften zu Asylsuchenden in den Gemeinden über die Gemeindevertreter oder mit Unterstützung der Koordinationsstelle zu begrüssen. Weitere Sportangebote, wie gemeinsames Fussballspielen oder Joggen sind ebenfalls immer willkommen und einfach umzusetzen.

Freiwillige leisten in diesen Bereichen eine wertvolle Arbeit für die Gesellschaft. Sie können die Integration von Asylsuchenden erleichtern und beschleunigen, sodass diese bei Erhalt einer längerfristigen Aufenthaltsgenehmigung für den Start in ein selbstständigeres Leben in der Schweiz bereits eine gute Basis haben.