Lupfig
Freistellungen kosten Altersheim Eigenamt 360'000 Franken

Das Altersheim Eigenamt in Lupfig kommt nicht aus den Schlagzeilen: Durch die acht überraschenden Freistellungen im Februar sind Zusatzkosten von rund 360000 Franken entstanden. Jetzt brauchts ein zinsloses Darlehen.

Claudia Meier
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Der neue «Garten für alle» vor dem Haus Eigenamt wurde angeblich speziell für Demenzkranke gebaut. Doch ausgerechnet für sie hat er sich in der Praxis nicht bewährt.CM

Der neue «Garten für alle» vor dem Haus Eigenamt wurde angeblich speziell für Demenzkranke gebaut. Doch ausgerechnet für sie hat er sich in der Praxis nicht bewährt.CM

Claudia Meier

Es sind happige Geschichten, mit denen sich der neue Vorstand des Altersheimvereins Eigenamt während seiner intensiven Einarbeitungszeit seit der Wahl Mitte April beschäftigt hat. Es geht um die Vermischung von operativen und strategischen Geschäften, hohe Personalkosten, einen tiefen Liegenschaftswert, ein Legat, das zuerst verbaut wurde und später dank der letzten Tranche einer Festhypothek doch noch auf einem Legat-Konto deponiert wurde, sowie um wenig flüssige Mittel und noch nicht behobene Mängel vom Erweiterungsbau.

Seit sieben von acht im Februar freigestellte Mitarbeitende im Mai an ihren Arbeitsplatz im Alters- und Pflegeheim zurückgekehrt sind, ist es um das Haus Eigenamt in Lupfig ruhig geworden. Möglich wurde diese Wende, weil die Vereinsmitglieder Mitte April an einer emotionalen Generalversammlung den Jahresbericht, die Rechnung sowie das Budget ablehnten und einen neuen Vorstand wählten.

An einer ausserordentlichen GV in der Mehrzweckhalle in Lupfig wollten nun am Mittwochabend 111 Vereinsmitglieder wissen, wie es denn wirklich um das Altersheim Eigenamt steht. Präsidentin Ursula Berger betonte zu Beginn: «Wir haben alle das gleiche Ziel und wollen, dass es dem Altersheim und seinen Bewohnern gut geht.» Über den Jahresbericht 2014 wurde nicht mehr abgestimmt. Er wird mit einem entsprechenden Vermerk archiviert. Da das Aufarbeiten der Jahresrechnung 2014 sehr viel Zeit beansprucht, konnte diese den Mitgliedern nicht zur Genehmigung vorgelegt werden. Der alte Vorstand ist somit noch nicht entlastet. Die Rechnung wurde vor wenigen Tagen von zwei Mitgliedern der Finanzkommission kontrolliert. «Es gibt ein Durcheinander zwischen Vereins- und Betriebsrechnung. Das wollen wir sauber entflechten», sagte Vorstandsmitglied Richard Plüss, der für die Finanzen zuständig ist.

Liegenschaftswert ist nicht bekannt

Die vier Trägergemeinden Birr, Birrhard, Lupfig und Scherz haben das Altersheim vor 20 Jahren gebaut und dem Verein abgetreten. Dieser ist seither Vermieter. Dass der Liegenschaftswert in der Bilanz nur 2 Mio. Franken beträgt, könne kaum stimmen, so Plüss weiter. Das Haus Eigenamt soll daher im Herbst, nach Abschluss der Bauarbeiten, neu geschätzt werden. Das Budget 2015 des Altersheimvereins sieht wie in den letzten Jahren nur Mitgliederbeiträge, aber keine Mieten als Einnahmequelle vor. Das soll sich nächstes Jahr ändern.

Geschäftsführer Hanspeter Müller machte keinen Hehl daraus, dass die letzten drei Monate die bisher intensivste Zeit in seinem Leben waren. Der Geschäftsführer des Pflegezentrums Süssbach AG in Brugg ist bis mindestens Ende 2015 zusätzlich verantwortlich für das Haus Eigenamt. Durch sein Engagement konnte der Betrieb in Lupfig sichergestellt werden. Im Herbst steht zudem ein Audit durch den Kanton an.

Liquidität soll besser werden

Um das Haus Eigenamt stehe es in finanzieller Hinsicht schlecht, sagte Müller mit Blick auf das Betriebsbudget 2015. «Der Ertragsausfall aufgrund der leeren Betten, das zugemietete Personal und die Löhne der Freigestellten haben Zusatzkosten von rund 360'000 Franken verursacht», präzisierte die stellvertretende Geschäftsführerin Béatrice Böhringer. Erwartet wird 2015 ein Minus von rund einer halben Million Franken.

Um die Liquidität des Hauses Eigenamt sicherzustellen, beantragte der Vorstand beim Verein, für den Betrieb ein zinsloses Darlehen in der Höhe von 500'000 Franken zu gewähren. Überrascht von diesem unangekündigten Antrag, stimmten die Anwesenden mit 108 Ja zu 4 Nein dennoch deutlich zu. Auch der Zusatzantrag, wonach der Vorstand ein externes Treuhandbüro beauftragen müsse, um die finanzielle Situation von 2014 und 2015 zu analysieren und diejenige von 2016 aufzuzeigen, wurde gutgeheissen. Die Bauabrechnung will man den Mitgliedern an der nächsten GV präsentieren.