Brugg
Freisinnige stören sich an arabischer Grabinschrift

Ein Grabmal auf dem Brugger Friedhof sorgt für heftige Diskussionen. Grabmale müssten den guten Sitten und dem gegenseitigen Respekt entsprechen, fordert ein Einwohnerrat.

Claudia Meier
Drucken
Die Gestaltung dieses Grabmals auf dem Brugger Friedhof gab Anlass zu Diskussionen an der letzten Einwohnerratssitzung.

Die Gestaltung dieses Grabmals auf dem Brugger Friedhof gab Anlass zu Diskussionen an der letzten Einwohnerratssitzung.

Claudia Meier

Es waren nicht etwa SVP-Mitglieder, sondern die beiden FDP-Einwohnerräte Silvia Kistler und Peter Haudenschild, die an der letzten Einwohnerratssitzung den Grabstein einer Muslimin auf dem Brugger Friedhof kritisierten.

Stein des Anstosses war während der Detailberatung zum neuen Friedhofsreglement ein zwei Jahre altes Grab mit einer verhältnismässig kleinen, weissen Marmortafel.

Haudenschild sagte dazu: «Andere und ich stören uns am Absolutheitsanspruch der Inschrift. Wir empfinden die Wortwahl ‹In the name of Allah, the most Gracious, the most Merciful. There is no God but Allah and Mohammed (peace be upon him) is the prophet of Allah› als Absolutheitsanspruch und fühlen uns in unserem Glauben erniedrigt.» Die englische Grabinschrift heisst übersetzt: «Im Namen Allahs des Gnädigen und Barmherzigen. Es gibt keinen anderen Gott als Allah und Mohammed (Friede sei mit ihm) ist Allahs Prophet.»

Inschriften auf arabisch sollen verboten werden

Ein solcher Absolutheitsanspruch hat laut Haudenschild in einer toleranten und respektvollen Gesellschaft keinen Platz. Liesse sie es zu, wäre sie zum Untergang verurteilt. «Ich stelle fest, dass dies aber von Betroffenen, durchaus normalen Menschen, nicht mehr gewagt wird, öffentlich auszusprechen», sagt der 69-jährige FDP-Politiker.

Er erwarte zudem, dass Inschriften ausschliesslich in den Landessprachen und in lateinischen Buchstaben angebracht werden – als Reminiszenz an die hier lebende Gesellschaft.

Stadt ist für Friedhof zuständig

Um solche oder ähnliche Fälle in Zukunft zu verhindern, stellte Haudenschild folgenden Ergänzungsantrag: «Grabmale, Inschriften von Grabmalen müssen den guten Sitten, der gegenseitigen Toleranz und dem gegenseitigen Respekt entsprechen.»

Stadtammann Daniel Moser betonte, dass der Friedhof Sache der Einwohnergemeinde sei und nichts mit Religion zu tun habe. «Jeder hat das Recht auf eine Bestattung und bei einer Erdbestattung das Recht auf eine Grabinschrift.»

Dass es da auch mal einen Schriftzug mit Allah geben könne, liege in der Natur der Sache. Eine Regelung sei nicht praktikabel. Haudenschilds Antrag wurde von den 44 anwesenden Einwohnerräten mit 17 Nein- zu 15 Ja-Stimmen abgelehnt.

Zum Inhalt oder zur Sprache der Beschriftung gibt es laut Kanton kaum Vorgaben. «Viele Gemeinden regeln unseres Wissens die Anordnung, Form, Grösse und das Material der Grabsteine im Sinne einer harmonischen Friedhofsordnung», sagt Daniela Diener, stellvertretende Sprecherin beim Departement Gesundheit und Soziales. Grundsätzlich gelte es die Grundrechte der Menschenwürde und der Religionsfreiheit zu berücksichtigen.

Muslime werden erdbestattet

Muslime werden in der Regel erdbestattet. Die Kremation ist im Islam nicht zulässig. Auf dem Brugger Friedhof sowie in anderen aargauischen Gemeinden gibt es kein spezielles Grabfeld für Muslime.

Die Beisetzung erfolgt gemäss dem Brugger Bestattungsamt in den üblichen Grabfeldern in einem Sarg. Alle Grabmale müssen vom jeweiligen Bildhauer beim Bestattungsamt zur Bewilligung eingereicht werden. Bisher musste die Stadt Brugg noch nie eine Inschrift auf einem Grabstein beanstanden.

Aktuelle Nachrichten