Brugg
Freiheitsstrafe: Auf Diebestour mit Mutters Auto

Wegen bandenmässigen Diebstahls und vier Einbrüchen im Raum Birrfeld hat das Bezirksgericht einen jungen Schweizer zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 9 Monaten verurteilt.

louis probst
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Autodiebe werden nur selten gefasst

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Keystone

«Ich bin nur der Fahrer gewesen», erklärte der Beschuldigte in der Befragung durch Bezirksgerichtspräsident Hans-Rudolf Rohr. Vorgeworfen wurde dem knapp 20 Jahre alten Mann – der von der Polizei zu Hause zur Verhandlung abgeholt worden war, nachdem er einer ersten Vorladung keine Folge geleistet hatte, und der in Begleitung seines Beistandes erschien – die Beteiligung an vier Einbrüchen im Raum Birrfeld.

Alkohol und Zigaretten

Heimgesucht hatten die jungen Einbrecher nicht bloss den Golfplatz Mägenwil, wo sie den Golfballautomaten knackten und 20 bis 25 Franken erbeuteten, oder die Autowaschanlage beim Seeblicenter in Lupfig – Beute 37 Franken, Schaden 2000 Franken –, sondern auch einen Imbissstand in Mägenwil und den Volg-Laden in Lupfig. Aus dem Imbissstand hatten sie Esswaren, Alkoholika und Zigaretten im Wert von rund 1600 Franken mitlaufen lassen, aus dem Volg-Laden Alkoholika und Zigaretten im Umfang von rund 2200 Franken. Unterwegs war die jugendliche Bande – die Mittäter unterstehen alle dem Jugendstrafrecht – jeweils im Auto der Mutter des Beschuldigten.

Dieser chauffierte das Fahrzeug, ohne über einen Führerausweis zu verfügen. Erschwerend ins Gewicht fiel für den Beschuldigten, dass die Einbrüche in der Probezeit einer bedingten Strafe wegen Vermögensdelikten verübt wurden, die ein Zürcher Gericht gegen ihn ausgesprochen hatte. «Ich dachte im Moment nicht gleich daran», meinte dazu der junge Mann, der 2010 aus einem Heim entlassen worden war und der eher vage Vorstellungen über seine Zukunft hat. Auf die Frage des Gerichtspräsidenten nach den beruflichen Zielen meinte er: «Momentan habe ich gar kein Ziel. Es ist alles möglich. Hauptsache ist, dass Geld hereinkommt.» Dezidierte Ansichten hat der Beschuldigte dagegen zur Betreuung durch einen Beistand: «Ich habe keine Lust, etwas mit Vormund oder so zu machen», erklärte er rundweg. «Ich werde meinen eigenen Weg gehen.» Der Beistand bezeichnete vor Gericht die Zusammenarbeit mit seinem Mandanten als schwierig: «Der Beschuldigte braucht dringend Hilfe. Er lehnt das aber ab.»

Diesmal unbedingt

Bezirksgerichtspräsident Rohr als Einzelrichter sprach den Beschuldigten im Sinne der Anklage schuldig und verurteilte ihn zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 8 Monaten zuzüglich 1 Monat aus dem Widerruf der bedingten Vorstrafe sowie zu einer Busse von 300 Franken. Bis auf die Busse folgte er damit dem Antrag der Staatsanwaltschaft, den er als «moderat» bezeichnete. Der Gerichtspräsident redete dem jungen Mann auch eindringlich ins Gewissen. «Nehmen Sie Ihr Leben in beide Hände», sagte er. «Es kann ja nicht das Ziel eines jungen Menschen sein, mal drin und mal draussen zu sein.»