Lupfig

Fredi Bärtschi verlässt Vorstand vom Haus Eigenamt – schon wieder

"Ich hatte das Gefühl, dass kritische Fragen und Anmerkungen auch gegenüber Geschäftsleiter Hanspeter Müller nicht gerne gehört respektive diskutiert wurden. – Fredi Bärtschi, Arzt und ehemaliges Vorstandsmitglied Altersheimverein Eigenamt

"Ich hatte das Gefühl, dass kritische Fragen und Anmerkungen auch gegenüber Geschäftsleiter Hanspeter Müller nicht gerne gehört respektive diskutiert wurden. – Fredi Bärtschi, Arzt und ehemaliges Vorstandsmitglied Altersheimverein Eigenamt

Schon zum zweiten Mal stellt Fredi Bärtschi seine Kollegen vom Haus Eigenamt vor vollendete Tatsachen. Grund für seinen Rücktritt ist laut eigenen Angaben mangelndes Vertrauen, das ihm entgegengebracht wurde.

Spätestens seit den überraschenden Freistellungen von acht Mitarbeitenden im Februar 2015 herrscht im Alters-und Pflegeheim Haus Eigenamt in Lupfig ein ständiges Kommen und Gehen. Arzt Fredi Bärtschi, der damals seit knapp einem Jahr im Vorstand des Altersheimvereins Eigenamt war, gab acht Tage nach den Kündigungen seinen sofortigen Rücktritt aus dem Vorstand bekannt. Am Vortag hatte er dem Kanton noch eine Gefährdungsmeldung geschickt. Nur eineinhalb Monate später liess sich Bärtschi an der Generalversammlung wieder in den Altersheimvorstand wählen, der sich ansonsten nach den Turbulenzen komplett neu zusammensetzte. Während zwei Jahren war nun Bärtschi zusammen mit Pflegefachfrau Judith Egger für das Ressort Gesundheits- und Qualitätssicherung zuständig.

Intensive Wechselbäder der Gefühle

Diesen Januar kam der Altersheimvorstand überein, dass sich alle sechs Mitglieder an der GV von Ende März einer Wiederwahl stellen werden. An der Versammlung selbst musste Präsidentin Ursula Berger dann überraschend bekannt geben, dass Fredi Bärtschi, der ferienbedingt abwesend war, nicht mehr zur Verfügung steht. Die az hat bei Bärtschi, der als Arzt auch mehrheitlich Bewohner auf der Demenzabteilung und vereinzelt in anderen Abteilungen im Haus Eigenamt betreut, nachgefragt, was zum Meinungsumschwung geführt und ob dieser etwas mit den kürzlich erfolgten Freistellungen von vier Pflegehelferinnen zu tun hat. «In den letzten zwei Jahren habe ich immer wieder intensive Wechselbäder meiner Gefühle und fehlendes Vertrauen in der Arbeit mit dem Haus Eigenamt erlebt», räumt Bärtschi ein. Im Januar sei er noch motiviert und voller Hoffnung gewesen, dass etwas Ruhe ins Haus Eigenamt einkehren würde. «Die erneuten Personalkündigungen sowie die damit verursachten Unruhen haben mir diese Hoffnungen genommen, sodass ich nach erneuten unruhigen Nächten zu diesem Entscheid kam», fährt der Arzt fort.

Der neue Vorstand hat sich laut Bärtschi bemüht, «sich zügig um Teile von anstehenden Problemen zu kümmern». Mit grossem Einsatz sei die Bauabrechnung erstellt und somit das Projekt zu einem Abschluss gebracht. Da sich der Vorstand einig war, dass man nicht immer wieder in den «alten Geschichten» grübeln wolle, hat sich der Arzt «sehr oft zurückgehalten». Trotzdem hatte Bärtschi das Gefühl, dass kritische Fragen und Anmerkungen auch gegenüber dem Geschäftsleiter Hanspeter Müller nicht gerne gehört respektive diskutiert wurden. «Eine Beruhigung der Situation wurde mitnichten erreicht, bekanntlich ist das Gegenteil eingetreten», bilanziert er.

Fortschritt gab es aus seiner Sicht mit dem strategischen Entscheid, dass man die Demenzstation weiterführen will. Nach wie vor Handlungsbedarf sieht der Arzt bei allen drei Standbeinen, auf denen ein gut laufender Betrieb eines Alters- und Pflegeheims beruht: gut betreute Bewohner, motiviertes Personal mit Vertrauen in den Arbeitgeber sowie gesunde Finanzen.

Hat er ein anderes Amt im Visier?

Was hat Bärtschi selbst in den letzten zwei Jahren im Vorstand konkret bewegt? Er sagt: «Meine ressortbezogene Ausbeute ist leider mager.» Auf Grund der häufigen Personalwechsel habe seine Priorität nicht auf der Einführung von neuen Instrumenten und Ideen gelegen, sondern um den Neuankömmlingen Zeit für die Einarbeitung zu geben. Als Projekte für die Qualitätsverbesserung sieht Bärtschi ein Palliative-Care-Konzept, ein Fehlermeldesystem und die Einführung von Scores zur Beurteilung der Ernährungssituation bei den Bewohnern. Diese Ideen könne er aber auch als Arzt mit der Pflegedienstleiterin diskutieren. Seine bisherigen Patienten möchte Fredi Bärtschi weiterhin im Haus Eigenamt betreuen.

Der Arzt ist zudem politisch aktiv und Mitglied der EVP. Hat er nach der Vorstandsarbeit noch ein anderes Amt im Visier? «Nein», sagt er. Es habe ihn zwar gefreut, dass er bei den Grossratswahlen im Herbst auf dem ersten Ersatzplatz gelandet sei und bei Bedarf stehe er für dieses Amt zur Verfügung. Aber Roland Frauchiger erfülle diese Aufgabe derzeit bestens. Fredi Bärtschi engagiert sich zudem bei der Feuerwehr Windisch-Habsburg-Hausen und in der Sozialkommission Baden.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1