Er war es, der dem Kanton vor vier Jahren eine Gefährdungsmeldung schickte, weil im Alters- und Pflegeheim Haus Eigenamt in Lupfig nach mehreren Freistellungen chaotische Zustände herrschten.

Einen Tag nach dieser Meldung erklärte Arzt Fredi Bärtschi – medienwirksam vor laufender Fernsehkamera vor Ort – den sofortigen Rücktritt aus dem Altersheimvorstand und forderte die Rückkehr der Freigestellten. Nur eineinhalb Monate später liess sich Bärtschi an der Generalversammlung wieder in den Altersheimvorstand wählen, der sich nach den Turbulenzen komplett neu zusammensetzte. Zwei Jahre später allerdings stellte sich Bärtschi nicht mehr für die Wiederwahl zur Verfügung.

Nun kandidiert der umtriebige 51-Jährige, der in Hausen lebt und seit 2010 in Lupfig als Hausarzt in einer Gemeinschaftspraxis tätig ist, auf der Liste der EVP für einen Sitz im Nationalrat. Es sei spannend und herausfordernd, sich mit den verschiedenen politischen Themen auseinanderzusetzen, sagt der getrennt lebende Vater von drei Kindern.

Stadtparlament und Feuerwehr

Von 2011 bis 2015 sass er im Einwohnerrat Baden und präsidierte bis zu jenem Jahr auch die EVP-Regionalpartei Baden. Bärtschi leitete von 2010 bis 2018 den Qualitätszirkel der Brugger Hausärzte. Aktuell ist er noch Mitglied der Sozialkommission der Stadt Baden und gehört im 30. Dienstjahr als stellvertretender Chef Sanität der Feuerwehr Windisch-Hausen-Habsburg an. Im Mai dieses Jahres liess er sich als Vorstandsmitglied in die EVP-Bezirkspartei Brugg wählen, wo er sich vor zirka 15 Jahren schon einmal als Kassier engagiert hatte. Tennis, Lesen und Tanzen nennt der Politiker als seine Hobbys.

Bärtschi hat auf dem zweiten Bildungsweg über die Erwachsenenmatur in Aarau und ein Medizinstudium an der Universität Zürich zum Hausarzt-Beruf gefunden. Als Erstausbildung hatte er eine Lehre als Chemielaborant absolviert und sich anschliessend weitergebildet.

Bärtschi lässt sich gerne auf Gespräche mit seinen Mitmenschen ein, kann gut zuhören, lässt andere Ansichten zu und ist auch mal bereit, seine eigene Meinung zu hinterfragen. Als Nationalrat kandidiert der Arzt, weil er «die längerfristige Zukunft für die kommende Generation in der Schweiz möglichst positiv mitbeeinflussen können möchte». Seine Schwerpunkte lägen klar bei Fragen der Sozial- und Gesundheitspolitik. «Ich bin der Meinung, dass wir nach wie vor in einem reichen Land leben, die Verteilung der Ressourcen und Finanzen aber zunehmend ungerechter wird», betont Fredi Bärtschi. Es brauche Kräfte, «die dagegen ankämpfen, immer mehr Lasten, vor allem auch finanzielle, von Bern aus in die Kantone und von dort weiter in die Gemeinden zu verlagern».

Für Leute in schwierigen Situationen

Als Vertreter der EVP schätzt Fredi Bärtschi seine persönliche Wahlchance in den Nationalrat als eher klein ein. Die Partei habe aber in der Vergangenheit immer wieder auf verschiedenen Ebenen Grund zum Feiern gehabt. «Dies motiviert mich, engagiert in den Wahlkampf zu steigen», fügt er an.

Der Kontakt zu den Menschen ist dem Hausarzt wichtig. «Dadurch werde ich immer mal wieder mit den verschiedensten Schicksalen und Sorgen konfrontiert», erzählt der 51-Jährige. Das ist auch in seinem Amt als Mitglied der Sozialkommission der Stadt Baden der Fall. Dort wird Bärtschi oft mit schwierigen Lebenslagen, «die längst nicht immer selbst verschuldet sind», konfrontiert und lernt, diese differenziert zu betrachten und zu verstehen. Und genau für solche Menschen, die in eine schwierige Lebenssituation geraten sind, möchte er sich auf politischer Ebene künftig verstärkt einsetzen.