Aargauer Feldschiessen

Franziska Roth schiesst gegen das EU-Waffenrecht - und erntet Applaus

Die neue Aargauer Militärdirektorin Franziska Roth griff beim Feldschiessen nicht zur Waffe, erntete aber Applaus für ihre Rede.

Der Aargauer Schiesssportverband (AGSV) lanciert das Feldschiessen jeweils mit einem «Kick-off»-Anlass. Mit Spannung erwarteten die Verbandsfunktionäre die erste Begegnung mit der neuen Militärdirektorin Franziska Roth. In den Jahren zuvor hatte ihre Vorgängerin Susanne Hochuli nicht nur reibungslose Anlässe mit den Aargauer Schützen erlebt. Roth hielt in Rüfenach eine überzeugende Antrittsrede.

Sind Politiker nur treffsichere Wortschützen?

Sind Politiker nur treffsichere Wortschützen?

Am Eröffnungsanlass des Eidgenössischen Feldschiessens in Rüfenach nehmen auch prominente Politiker die Flinte in die Hand. Aber treffen sie damit?

Zwar verhinderte eine vorangehende militärische Verpflichtung ihren Schiesseinsatz vor Ort, doch die SVP-Regierungsrätin versicherte, sie werde als Pistolenschützin das Feldschiessen selbstverständlich absolvieren. «Dieser Anlass könnte nicht schweizerischer sein», erklärte sie.

Roth: «Kein Diktat aus Brüssel»

Dann kam sie, aufgewachsen in einer Jäger- und Schützenfamilie, auf die aktuelle Sorge der Schützen zu sprechen und bezog Stellung: «Ich sehe keinen Grund, warum das Waffenrecht der EU wegen verschärft werden sollte.» Die Zuhörer vor dem Schützenhaus Rüfenach applaudierten spontan. Entsprechende Massnahmen würden keine Verbesserung der Sicherheit bringen, sagte Roth. «Als ehemalige Gerichtspräsidentin weiss ich, wovon ich spreche. Wir brauchen kein Diktat aus Brüssel.» Am Schluss spendete auch der Aargauer Feldchef Werner Stauffer beherzt Beifall für die markigen Worte.

FDP-Ständerat Philipp Müller hatte sich kurzfristig abgemeldet, weil er sich ausgerechnet beim Schiesstraining Rückenbeschwerden zugezogen hatte. An seiner Stelle erwies sich BDP-Nationalrat Bernhard Guhl als treffsicherer Aargauer Politiker. Mit 58 Punkten erzielte er ein weiteres Mal ein Kranzresultat. Die Topleistung mit dem Sturmgewehr 90 gelang jedoch dem Schinznacher SVP-Grossrat Dominik Riner mit 64 Zählern.

Der zweite anwesende Nationalrat, FDP-Vertreter Thierry Burkart, musste sich mit 51 Punkten begnügen. Immerhin gelang ihm auf die 300-Meter-Distanz eine Rehabilitation, nachdem er zuvor ein Negativerlebnis zu verkraften hatte. Im Krähtal-Pistolenstand in Riniken landete mit seiner antiken Waffe kein Schuss auf der 25 Meter entfernten Scheibe. Erst nach einem Waffenwechsel konnte er mit Neunern und Achtern beweisen, dass er kein schlechter Schütze ist.

Der guten Stimmung tat das Waffenproblem keinen Abbruch. AGSV-Präsident Victor Hüsser freute sich über die illustre Gästeschar in Rüfenach und die stets gute Beteiligung am Feldschiessen im Aargau. FDP-Nationalrätin Corina Eichenberger lobte dazu in ihrer Grussadresse Werner Stauffer: «Die vielen Teilnehmer im Aargau verdanken wir unserem Feldchef, der sich Jahr für Jahr mit viel Herzblut engagiert.»

Divisionär Hans-Peter Walser verfehlte bei seinen Schiesseinsätzen zweimal knapp das Kranzresultat. Dies hinderte ihn nicht, den Aargauern für ihren Einsatz zugunsten des grössten Schützenfestes der Welt zu danken. «Das Feldschiessen hat eine 130-jährige Tradition und ist ein nationales Fest zur Förderung des Schiesssportes.» Der Anlass pflege und fördere genau jene Eigenschaften, die auch bei den Angehörigen der Armee erwünscht seien.

Die Schützengesellschaft Rüfenach gestaltete den Auftaktanlass draussen auf dem Land in Volksfestmanier und gab damit ein ideales Beispiel ab, wie gesellig das Feldschiessen auch in diesem Jahr auf den 45 Aargauer Schiessplätzen ablaufen dürfte.

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