Einwohnerrat Brugg

Franz Hollinger geht: «Es hat Spass gemacht, mitzugestalten»

Franz Hollinger

Franz Hollinger

CVP-Politiker Franz Hollinger ist nach 39 Jahren aus dem Einwohnerrat zurückgetreten. Bei Handball Brugg hat er das Präsidium übernommen und im Grossen Rat wird er voraussichtlich das Präsidium der Justizkommission übernehmen.

«Einmal muss man zurücktreten - oder man wird möglicherweise abgewählt», meint Franz Hollinger zu seinem Rücktritt aus dem Einwohnerrat. «Ich denke, dass man nach 39 Jahren seine Pflicht erfüllt hat.» Bei seinem Rücktritt habe aber auch mitgespielt, dass er wieder das Präsidium von Handball Brugg übernommen habe, ein Amt, das bei einem Verein mit rund 200 Mitgliedern mit grossem Aufwand verbunden sei. Zudem sei vorgesehen, dass er in der neuen Amtsperiode des Grossen Rates, dem er seit 2005 angehört, das Präsidium der Justizkommission übernehmen solle.

Rücktritt, aber nicht Rückzug

«Dieser Rücktritt ist aber überhaupt kein Rückzug aus der Politik», betont Franz Hollinger. «Ich will mich vermehrt in Aarau einbringen. Ich gehöre jetzt seit zwei Amtsperioden dem Grossen Rat an. Ich habe das Gefühl, dass man nach dieser Zeit durchblickt und wirklich loslegen kann. Ich werde das Grossrats-Mandat verstärkt wahrnehmen. Wobei das nicht heisst, dass ich bis jetzt nichts gemacht hätte. Man kann aber immer mehr tun. Und das will ich.»

Am 11. November 1973 war Franz Hollinger in den Brugger Einwohnerrat gewählt worden – mit einer Stimme Vorsprung auf den ersten Nichtgewählten. «An das Datum kann ich mich deswegen so gut erinnern, weil ich am Tag vorher aus der Rekrutenschule entlassen worden war», sagt er. «Ich gehe auch immer noch davon aus, dass meine Wahl ein demokratischer Betriebsunfall war. Mein Vater, ebenfalls mit dem Vornamen Franz, hatte nämlich vorher zweimal bei Einwohnerratswahlen kandidiert, war aber nicht gewählt worden. Ich nehme daher an, dass die Leute mit ihm Erbarmen hatten, als er vermeintlich zum dritten Mal kandidierte – gewählt war dann aber ich!»

Auf die Frage nach dem Reiz der kommunalen Politik erklärt er: «Man kann, im begrenzten Bereich der Gemeinde, sehen was man macht und welche Konsequenzen das hat. Das hat mich veranlasst, so lange dabei zu bleiben. Die Arbeit im Einwohnerrat ist alles andere als abstrakt. Alles ist sehr hautnah und konkret.»

Im Laufe seiner langen Zeit im Einwohnerrat gehörte Franz Hollinger während 16 Jahren auch der Finanzkommission an, davon 10 Jahre als Präsident. 2002/2003 präsidierte er den Einwohnerrat. «Das war eine schöne Zeit», stellt er fest. «Es machte Spass, den Rat zu leiten und die Verpflichtungen wahrzunehmen, die mit dem Präsidium verbunden sind.» Lächelnd räumt er aber ein: «Ich musste das Amt teuer erkaufen, indem ich als Vizepräsident zwei Jahre lang neben dem Präsidenten sitzen musste und nichts sagen durfte, obwohl es mich manchmal unter den Nägeln gebrannt hat. Das war eine schlimme Zeit für mich.»

«Gerne im Grossen Rat»

Und die kantonale Politik? Als noch nicht direkt Beteiligter habe er – im Gegensatz zur eidgenössischen – die kantonale Politik als todlangweilig empfunden, gesteht Hollinger. «Jetzt muss ich sagen, dass dieser Eindruck falsch war. Die Arbeit im Grossen Rat ist spannend und faszinierend. Vor allem die Arbeit und die Diskussionen in der Fraktion. Ich bin gerne dabei, auch weil ich sehe, was man bewirken kann, wenn man sich engagiert.»

Nicht missen möchte Franz Hollinger, wie er erklärt, die vier Jahre als Präsident der CVP Aargau. «Ich muss aber schon sagen, dass es sehr stressig war», stellt er fest. «Weniger durch die Arbeit an sich, als dadurch, dass man permanent verfügbar sein musste. Aber das ist wahrscheinlich der Preis dafür, dass ich durch dieses Amt viele gute Leute kennenlernen durfte.»

Und jetzt die Zeit nach dem Einwohnerrat? «Nein. Entzugserscheinungen habe ich keine», sagt Franz Hollinger. «Dass ich so lange dabei war, ist ja nicht darauf zurückzuführen, dass ich gedacht hätte: Da muss ich noch mithelfen, damit es gut kommt. Mir hat es einfach Spass gemacht, die städtische Politik mitzugestalten.»

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