Linn
Foto vom Bözberg beweist: Im Aargau ist der Marderhund los

Der Marderhund sieht aus wie eine Mischung aus Dachs und Fuchs und gehört eigentlich nicht in unsere Wälder. Zum ersten Mal wurde nun ein lebendes Exemplar des Pelztiers im Aargau fotografiert.

Fabian Hägler
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Nur von hinten und nicht ganz scharf – dennoch lässt sich das Pelztier auf dem Bild eindeutig als Marderhund bestimmen.

Nur von hinten und nicht ganz scharf – dennoch lässt sich das Pelztier auf dem Bild eindeutig als Marderhund bestimmen.

Leserfoto: Marcel Straumann

Auf den ersten Blick sieht das Tier, das Ende April auf dem Bözberg fotografiert wurde, aus wie ein Fuchs. Tatsächlich ist es aber ein Marderhund, wie die Raubtier-Meldestelle Kora auf ihrer Website schreibt. Der Marderhund ist in der Schweiz nicht heimisch, er stammt ursprünglich aus dem Osten Sibiriens, Chinas, aus Korea und aus Japan. In Europa wurde der Marderhund seines Felles wegen gezüchtet und auch für die Jagd ausgesetzt: Zwischen 1920 und 1950 wurden in der damaligen Sowjetunion ungefähr 9000 Tiere gezielt freigelassen. Die Art breitet sich seither erfolgreich Richtung Westen aus, einzelne Marderhunde werden seit 1997 in der Schweiz nachgewiesen.

Keine spezielle Jagd angesetzt

Kanton will Nil- und Rostgans dezimieren

Neben dem Marderhund werden der Abteilung Jagd und Fischerei auch andere nicht einheimische Tierarten wie Waschbären und Bisamratten gemeldet. «Zurzeit problematischer als diese Tiere sind die Rost- und Nilgänse, die aggressiv Nester von anderen Vögeln besetzen und manchmal gar Störche aus ihren Horsten vertreiben», sagt Spezialist Erwin Osterwalder. Deshalb möchte der Kanton diese Gänse-Arten künftig verstärkt bekämpfen. «Sie sind noch wenig verbreitet, wir sehen darum die Möglichkeit, ihren Bestand einzudämmen», erklärt Osterwalder. Schon bisher wurden die exotischen Vögel geschossen, wie die kantonale Jagdstatistik zeigt. Im vergangenen Jahr wurden im Aargau insgesamt 15 Nilgänse und 75 Rostgänse erlegt, eine weitere Rostgans fiel dem Strassenverkehr zum Opfer. Erlegt wurden auch fünf Mandarinenten – eine farbenprächtige Entenart, die aber ebenfalls nicht einheimisch ist. (fh)

Dennoch ist die aktuelle Meldung des Marderhundes speziell. «Bisher gab es nur Nachweise von toten Tieren im Aargau», sagt Osterwalder. Der erste stammt gemäss Kora aus dem Jahr 1997, damals wurde in Leuggern ein überfahrener Marderhund gefunden. 2009 wurde ein totes Tier beim Aare-Kraftwerk beim Klingnauer Stausee angeschwemmt. 2011 wurde ein Marderhund lebend unter einem parkierten Auto in Laufenburg aufgefunden. Das Jungtier musste laut Mitteilung der Sektion Jagd und Fischerei wegen Verletzungen eingeschläfert werden. Der bisher letzte Nachweis im Aargau stammt aus dem Jahr 2012. Damals wurde ein Marderhund in Endingen von einem Auto überfahren. Nun wurde also zum ersten Mal ein lebender Marderhund im Aargau fotografiert. Gemäss der Meldung auf der Kora-Website wurde das seltene Tier auf dem Bözberg innerhalb von zehn Tagen gleich zwei Mal gesehen. «Beim zweiten Mal, am
26. April, gelang dem Beobachter ein Foto», heisst es in der Mitteilung dazu.

Jogger fotografierte das Tier

Der Beobachter ist Marcel Straumann, der im Ortsteil Linn wohnt. Er erzählt: «Ich habe Mitte April beim Joggen ein Tier gesehen, das wie eine Mischung aus einem Dachs und einem Fuchs aussah. Als ich zu Hause war, habe ich im Internet recherchiert, und da wurde rasch klar, dass es nur ein Marderhund sein konnte.» Später begegnete Straumann dem Tier auf einem Spaziergang erneut. «Es reichte gerade noch, um die Kamera zu packen und ein Foto zu schiessen – leider nur von hinten, aber immerhin», sagt er.

Seine seltene Beobachtung meldete Straumann der Fachstelle Kora. «Seither habe ich den Marderhund nicht mehr gesehen», sagt Straumann, der sich bewusst ist, dass seine Meldung die Behörden und Jäger auf das Tier aufmerksam gemacht hat. Bisher gibt es aber keine Meldung, dass der Marderhund geschossen wurde, mit einiger Wahrscheinlichkeit streift er also noch durch die Wälder auf dem Bözberg.