Lupfig
Förster Plüss hätte gern sauberen Strom aus Aargauer Holz

Der Regierungsrat soll prüfen, ob ein Holzkraftwerk im Kanton Aargau realisiert werden kann. «Wir brauchen dringend neue Energiequellen. Wir sehen ein grosses Potenzial für das Holz», sagt Richard Plüss, Förster, Gemeindeammann und Grossrat.

Louis Probst
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Richard Plüss (links) und Martin Wernli sind überzeugt: Energieholz ist zu schade, um bloss «verheizt» zu werden.

Richard Plüss (links) und Martin Wernli sind überzeugt: Energieholz ist zu schade, um bloss «verheizt» zu werden.

LP

Die «Haufen» sind eindrücklich: In einem Waldstück oberhalb von Lupfig sind am Weg Baumstämme, dicke Äste und Baumkronen gestapelt. Dabei handelt es sich um Energieholz, das für die Verarbeitung zu Schnitzeln vorgesehen ist. Das Holz stammt aus der Durchforstung eines Waldstückes. Aus dem insgesamt rund vier Hektaren grossen Gebiet werden an die 1000 Kubikmeter Schnitzel anfallen. «Diese werden dann für die Wärmegewinnung verwendet», erklärt Richard Plüss, Förster, Gemeindeammann und Grossrat. Mit diesem einheimischen und nachhaltigen Energieträger liesse sich aber auch Strom erzeugen. Und genau das soll der Kanton abklären: Neben Richard Plüss (Lupfig) sind noch zwei andere Grossräte Absender einer Petition, wonach die Realisierbarkeit eines Holzkraftwerks im Kanton Aargau zu überprüfen sei: Jürg Stüssi-Lauterburg (Windisch) und Martin Wernli (Thalheim).

Standort und Potenzial

«Diese Prüfung», so Plüss, «umfasst die Frage eines Standortes und die Untersuchung der Potenziale. Wir überlassen alles den Fachstellen des Kantons.» Martin Wernli betont: «Wir verstehen unseren Vorstoss nicht so, dass der Kanton ein Holzkraftwerk bauen soll. Er soll vielmehr Vorabklärungen anstellen, die allenfalls einem Investor als Entscheidungsgrundlage dienen können.»

Alternative zu Sonne und Wind

Zur Begründung des Vorstosses verweist Richard Plüss auf den vom Bundesrat angepeilten Ausstieg aus der Kernenergie. «Ich sehe ein grosses Problem auf die Energieversorgung zukommen», stellt er fest. «Wir brauchen dringend neue Energiequellen. Wir sehen ein grosses Potenzial für das Holz. Nicht nur zur Gewinnung von Wärme, sondern auch von Strom.» Man werde auch im Aargau mittelfristig Konzepte erarbeiten müssen, damit erneuerbare Energie auch bei uns im Kanton produziert werden könne, ist Martin Wernli überzeugt. «Holz ist, abgesehen vom Wasser und der Sonnenenergie, im Aargau der einzige erneuerbare Energieträger. Aber auch die Versorgungssicherheit spricht für das Holz.»

Die gewissermassen doppelte Nutzung von Holz – für die Erzeugung von Wärme und von Strom – kommt auch der Waldwirtschaft entgegen. «Als Förster bin ich natürlich direkt involviert», räumt Richard Plüss ein. Er verweist dabei auf die Lage auf dem Holzmarkt. «Nach dem Ausstieg von Italien als Abnehmer, wird heute Holz aus der Schweiz in den asiatischen Raum exportiert. Das ist wenig ökologisch. Wir sehen auch von daher grosse Potenziale beim Energieholz. Die Energieholzproduktion ist zudem für die Forstbetriebe auch arbeitstechnisch interessant. Überdies sind der Staat Aargau und viele Gemeinden selber Waldeigentümer. Also müsste die öffentliche Hand ein ureigenes Interesse an einem Holzkraftwerk haben.»

Jetzt kann sich die Politik mit der Idee eines Holzkraftwerks auseinandersetzen. Derweil produzieren die Aargauer Wälder laufend einen nachhaltigen Energieträger in der Form von Holz. Und das in beträchtlicher Menge. Der jährliche Zuwachs dürfte sich in der Grössenordnung von rund 300000 Kubikmetern Energieholz bewegen – bei einem Heizwert von etwa 800 kWh pro Kubikmeter.

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